Im Prozess gegen fünf Rauschgifthändler aus den Landkreisen Schweinfurt und Bamberg sowie der Stadt Nürnberg haben alle Angeklagten vor dem Landgericht Bamberg Geständnisse abgelegt. Sie gaben zu, mit Marihuana in nicht geringen Mengen gehandelt zu haben und müssen nun mit Gefängnisstrafen zwischen dreieinhalb und knapp sechs Jahren rechnen.

Eines Tages steht ein Kumpel vor der Tür. Dabei hat er zehn Kilogramm Marihuana und fragt, ob er das nicht zwei, drei Wochen hier lassen könne. In bestimmten Kreisen offenbar ganz normal. Im Gegenzug dürfte man sich immer wieder etwas wegnehmen und rauchen. Eine beruhigende Vorstellung für den 25-jährigen Auszubildenden. Dann sei der Kumpel, dessen Namen man natürlich nicht nennen wolle, nicht mehr erschienen. Irgendwie habe man das "Gras" dann auch loswerden wollen. Selber rauchen hätte auch ziemlich lang gedauert.

"Ein Beutel voller Geld"

Da sei ein Bekannter auf der Bildfläche erschienen und habe nachgefragt, ob man nicht einige Kilogramm herumliegen hätte. Scheinbar auch ganz normal. So soll die Drogengeschichte ihren Anfang genommen haben, die derzeit vor der 3. Strafkammer unter Vorsitz Markus Rezniks verhandelt wird. Denn der Bekannte hatte "jemanden mit einem Beutel voller Geld".

Der Bekannte, ein 56-jähriger Handwerker, hatte nach eigenen Angaben einen Gastwirt an der Hand, in dessen Lokal die Laufkundschaft nicht nur speiste, sondern auch grammweise Gras einkaufte. Wie das die Dorfjugend eben so macht. Erst sei es um fünf, später um fünfzehn Kilogramm gegangen. "Irgendwann habe ich aus Spaß gesagt: Warum nicht 50 oder 60 Kilo?" Doch so lächerlich habe der Marihuana-Einzelhändler das gar nicht gefunden. Schließlich sei der einst Zuhälter im Rheinland gewesen und habe seine Ware bislang aus dem Kölner Raum bezogen, so einer seiner Kunden. Der wehrte sich. "Es gab nie Marihuana bei mir. Ich habe nie gedealt. Ich bin nur Konsument." Was eine Hausdurchsuchung bestätigte, die keinerlei Rauschgift zutage förderte. Die aber die Restaurantbesucher verschreckte, als es plötzlich hieß "Hände hoch!" und die Polizei das Lokal stürmte. Ähnliche Szenen spielten sich ab, als das Sondereinsatzkommando (SEK) auf dem Parkplatz des Autohofes Geiselwind mit gezückter Maschinenpistole den Spuk beendete.

Allerdings wurde im Laufe des Verfahrens auch klar, dass jeder die eigene Rolle kleinzureden suchte. Wenn man den Angeklagten glauben mochte, dann wollte keiner von ihnen mit Drogen handeln - und doch taten es am Ende alle.

Bis auf den Gastwirt waren aber alle Angeklagten bereits wegen Betäubungsmittel-Delikten vorbestraft. Der Auszubildende sogar wegen nicht geringer Mengen, die er aus dem Ausland beschafft und hier verkauft hatte. Außerdem finden sich im Register bei drei der Angeklagten Vermögensdelikte wie Diebstahl, Raub und Diebstahl mit Waffen, alles wohl Beschaffungskriminalität. Zudem Taten, die vermehrt unter Drogeneinfluss auftreten: Beleidigung, Bedrohung, gefährliche Körperverletzung. Als Motive für die undurchsichtigen Geschäfte kamen enorme Schulden bei einer Lebensgefährtin, die eigene ruinöse Drogensucht und der Hang zu stundenlangem Spiel an Automaten zur Sprache.

Ein V-Mann als "Großkunde"

Dann tauchte plötzlich "der Russe" auf. Der große Unbekannte, der als V-Mann für die Kripo in Bayreuth arbeitete, was natürlich keiner der Angeklagten ahnte. Der "Großkunde" suchte bis zu fünfzehn Kilogramm der Cannabis-Blüten. Wohl auch, weil ein Teil seines Honorars, das der private Helfer aus der Staatskasse bekommt, von der Menge der beschlagnahmten Drogen abhing.

Die Kriminalpolizei war durch einen kleinen Fisch aus dem Landkreis Bamberg auf die fünf Angeklagten aufmerksam geworden. Um mit einer Bewährungsstrafe davonzukommen, hatte ein Kunde seinen Verkäufer verraten, eben jenen Gastwirt. Es folgten Überwachungsmaßnahmen und ein Scheinkauf, um die Täter auf frischer Tat ertappen und "die Drogen vom Markt nehmen" zu können, wie der V-Mann-Führer aussagte. Zuerst mit rund 300 Gramm, um Vertrauen aufzubauen, dann erst sollte das ganz große Rad gedreht werden. Aber nicht mit minderwertiger Ware aus Nürnberg, die ein weiterer Angeklagter besorgen wollte. Dabei hätte der dafür gesorgt, dass der Stoff sogar "frei Haus" geliefert würde. Mit einem Paketboten, der die Drogenpakete inmitten seiner normalen Fuhre verborgen hätte.