Bamberg
Kunst

Viel Energie im Kesselhaus

Die Ausstellung "Trio" zeigt Arbeiten von Anna-Luise Oechsler, Paul Diestel und Eva Nüsslein.
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Vernissage im Kunstraum Kesselhaus: Die Ausstellung "Trio" zieht viele Blicke auf sich. Fotos: Andreas Thamm
Vernissage im Kunstraum Kesselhaus: Die Ausstellung "Trio" zieht viele Blicke auf sich. Fotos: Andreas Thamm
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Es muss vor über 30 Jahren gewesen sein, dass Anna-Luise Oechsler ein Bild von Hundertwasser sah, sich verliebte und wusste: "Das muss ich haben." Diesen Moment nennt die Künstlerin aus Neumarkt in der Oberpfalz ihre Initialzündung.

Luise Oechsler zeigt nun im Rahmen von "Trio", der gemeinsamen Ausstellung des Berufsverbandes professioneller Bildender Künstlerinnen und Künstler (BBK) Ober-, Mittel- und Unterfranken, Arbeiten im Kesselhaus am Leinritt. Inspiriert sei sie mittlerweile viel mehr von amerikanischen Expressionisten wie Jackson Pollock als etwa von Hundertwasser, sagt die Künstlerin. Ihre Bilder sind abstrakte Farbräusche auf Leinwand. "Ich powere gern", erklärt Oechsler bei der Vernissage. "Wenn ich gute Musik auflege, kann ich richtig loslegen."

Ein Denkmal setzen

Das Triptychon an der rechtsseitigen Wand des Ausstellungsraumes ist eigens für diesen entstanden, es heißt "Energie im alten Kesselhaus". Luise Oechsler hat sich von diesem Ort inspirieren lassen: "Das heiße Wasser, der Dampf, da entstehen Geschichten im Kopf." Mit ihren Bildern wolle sie auch den Arbeitern hier ein Denkmal setzen.

"Trio" findet bereits zum siebten Mal statt. Durch die Auswahl gelingt es den Kuratoren des BBK nicht nur, aufzuzeigen, dass überhaupt spannende, zeitgenössische Kunst in Franken entsteht, sondern auch, wie divers sie ist.

Für Unterfranken ist diesmal Paul Diestel dabei, Bildhauer. Am Boden des Schachts in der Mitte des Raums liegt eines seiner Objekte, wie ein überdimensionierter Ahornsamen. Diestel bekommt dieselben Fragen gestellt wie zuvor Kollegin Oechsler. Für seinen Werdegang, glaubt er, sei es wichtig gewesen, dass seine Eltern ein Haus bauten als er noch klein war. "Ich bin auf der Baustelle aufgewachsen."

Ausschnitte aus der Schöpfung

Deshalb habe er stets den Drang gehabt, produktiv zu sein, mit den Händen zu arbeiten. Die Motive fallen ihm auf Spaziergängen in die Hände, ein enormen Buchenknospen steht am Boden. "Ausschnitte aus der Schöpfung", nennt Diestel das. Auch die Materialien sind konsequent natürlich, Lindenholz, geschützt mit Naturleimen.

Während die mittelfränkische Künstlerin und der unterfränkische Künstler interviewt werden, hat Eva Nüsslein also ausreichend Zeit, sich auf die Fragen vorzubereiten. Was also war denn bitte ihre Initialzündung, um Kunst zu machen? "Ich glaube", sagt Nüsslein, "das war, als meine Eltern mir ein Ohr abschnitten. Das ist aber schnell nachgewachsen, war nur ein Milchohr."

Eva Nüsslein malt poppig bunt und zwar auf jedem Stoff, den sie in die Finger bekomme, unter anderem das riesige "Gunda", ein Denkmal für ihre Oma. Früher habe sie vor allem Wesen und irgendwas gemalt, heute finde sie Sinnhaftigkeit in ihrer Familie, ihrem Umfeld. "Ich möchte die Dinge konservieren, die mich ausmachen. Als Künstler hat man die Möglichkeit, Geschichten aufzuheben", unterstreicht sie.

Eva Nüsslein, geboren in Bamberg, studiert in Nürnberg an der Akademie der Künste. Sie lebt dort im Stadtteil Zerzabelshof. Am 14. Oktober wird sie die Ausstellung "Trio" mit ihrer Band "Ambiviolenz" beschließen. Dann werde das Kesselhaus zur Primetime "zerzabelt". "Das wird wild und frech und wunderbar."

Die Ausstellung "Trio" ist noch bis Sonntag, 14. Oktober, zu sehen. Öffnungszeiten: Freitag 15-18 Uhr; Samstag, Sonntag und Feiertage 11-18 Uhr. Ort: Kunstraum Kesselhaus, Untere Sandstraße 42, Zugang über Leinritt.



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