Bamberg
Baustelle

Verzögerungen beim Bettenturm

Die Inbetriebnahme der Klinikerweiterung ist ins Stocken geraten. Mitten im Bau hat der Chefplaner das Technik-Büro gewechselt. Auf der Baustelle fehlt Personal - auch im Turm selbst?
Artikel drucken Artikel einbetten
Der vierte Bettenturm am Klinikum Bamberg. Foto: Ronald Rinklef
Der vierte Bettenturm am Klinikum Bamberg. Foto: Ronald Rinklef
+2 Bilder

Eingeweiht ist er schon, der vierte Bettenturm des Bamberger Klinikums. Zur Eröffnung kam Ministerpräsident Markus Söder (CSU) persönlich, immerhin zahlt der Freistaat knapp 40 der 55 Millionen Euro Gesamtkosten. Am 24. September sollten die unteren Ebenen 2 bis 6 dann auch wirklich in Betrieb gehen. Doch daraus wurde nichts. Auch die Gesamtfertigstellung im März 2019 ist gefährdet. Mitten in den laufenden Bauarbeiten haben die Generalplaner um Architekt Michael Ludes das Büro für den Technikbereich gewechselt, wegen Personalmangels. Nicht nur auf der Baustelle fehle Personal, auch im Klinikum selbst, kritisiert die Gewerkschaft. Die Klinikleitung widerspricht.

Vorwürfe des Personalrats

200 neue Mitarbeiter will die Sozialstiftung für den vierten Bettenturm einstellen - eine schwierige Aufgabe. Der Arbeitsmarkt für Fachkräfte im medizinischen Bereich ist ausgedünnt. "Die Fluktuation der bestehenden Mitarbeiter und der erhöhte Bedarf an Personal verschäften die Situation und stellen ein Problem für uns dar", sagt Felix Holland, Personalratsvorsitzender der Sozialstiftung, Trägerin des Klinikums. "Daher ist zu befürchten, dass manche Abteilungen nicht pünktlich starten können, weil nicht genügend Personal da ist."

Fluktuation und Mangel

Aus Sicht der Arbeitnehmervertretung hat die Klinikleitung das Problem unterschätzt, hätte früher entgegenwirken müssen - etwa durch mehr Investitionen in die Ausbildung eigener Nachwuchskräfte. "Da die Rekrutierung von Pflegekräften nicht in der Notwendigkeit betrieben wurde und gleichzeitig vorhandenes Personal verärgert zu anderen Arbeitgebern abwandert, muss man sich nicht wundern, wenn neue Stationen und Abteilungen wegen Personalmangels nicht eröffnet werden können", kritisiert Holland.

Die Klinikleitung wehrt sich gegen die Vorwürfe. "Wir stellen ein, was geht", sagt Xaver Frauenknecht, Vorstandsvorsitzender der Sozialstiftung. Das Datum der Inbetriebnahme 2018/2019 habe man 2015 angepeilt, also mit genügend Vorlauf. "Wir haben jeden Tag Termine, wir wollen noch heuer mit den unteren Ebenen in Betrieb gehen. Das Personal dafür ist da."

Für diese Ebenen habe die Sozialstiftung 25 neue Mitarbeiter veranschlagt - bis auf drei habe man das Soll bereits erreicht. "Insgesamt haben wir allein im Pflegedienst knapp 100 neue Arbeitsplätze geschaffen: Deren Zahl sei von 702 im Jahr 2015 auf 798 angestiegen.

Mehr Schüler

Und auch bei der Ausbildung hat die Sozialstiftung laut Frauenknecht investiert: Die Zahl aller Auszubildenden und Schüler stieg von 164 im Jahr 2012 auf 255. Der Vorstandsvorsitzende der Sozialstiftung verweist außerdem auf zwei Berufsintegrationsklassen Pflege in Zusammenarbeit mit der Berufsschule Bamberg mit 32 Schülern. Für September 2019 sei außerdem die Neugründung einer eigenen Krankenpflegehilfeschule geplant.

Was sind also die Gründe für die Verzögerungen beim Bettenturm? "Die Gründe dafür liegen nicht bei der Personalakquise, sondern sind bautechnischer Natur", erklärt Brigitte Dippold, Pressesprecherin der Sozialstiftung. "Der Generalplaner Ludes hat einen Wechsel des Fachplaners für die technischen Gewerke vorgenommen." Hiervon sei auch der Lüftungsbau mitbetroffen, der "für die angestrebte maximale Energieeffizienz im Gebäude essenziell" sei. "Wir hätten die unteren Ebenen schon am 24. September in Betrieb nehmen können, wenn es nicht die Probleme mit der Lüftung gegeben hätte", sagt Frauenknecht.

Zu wenige Bauleiter

Was hat zu den Verwerfungen geführt, die letztlich im "Austausch" des Planungsbüros für die Technik endete? Wie die Sprecherin der Sozialstiftung antwortet, habe das zunächst beauftragte Ingenieurbüro nicht genügend Fachpersonal aufbieten können, um das Bamberger Mammutprojekt zu managen. "Es gab zu wenige Bauleiter", berichtet Dippold.

Normalerweise seien dafür drei Bauleiter vor Ort, um die einzelnen Bauschritte zu überwachen und die Qualitäts- und die Terminkontrolle durchzuführen. Doch hier sei es zu Versäumnissen gekommen. "Mal waren nur zwei da, mal nur einer. Das geht nicht."

Wie geht es weiter?

Im Augenblick arbeite sich der Nachfolgeplaner in die Baupläne ein und stehe in engem Austausch mit allen Beteiligten. "Derzeit erfolgt die Plausibilisierung der bisherigen Planungs- und Bauleistungen sowie die Aktualisierung des Terminplans."

Was diesen Terminplan betrifft, da gibt es unterschiedliche Auffassungen der Planer und der Klinikleitung. Spatenstich war am 16. November 2016. Für die Inbetriebnahme der Ebenen 2 bis 6 ist der 24. September dahin - nun sehen die Planer den 4. Februar als realistisch an. Die Sozialstiftung jedoch will noch heuer loslegen. Die Ebenen 7 bis 13 sollten eigentlich am 1. März 2019 in Betrieb gehen - dieses Datum ist nun in der Schwebe.

Verdi kritisiert Belastungen:

Die Gewerkschaft Ver.di kritisiert die Arbeitsbelastung am Bamberger Klinkum. Laut einer Pressemitteilung wäre bereits jetzt die vorhandene Personalkapazität für 2018 aufgebraucht, "wenn die Schichten so besetzt worden wären, wie es für eine sichere Patientenversorgung notwendig ist". Das hat Ver.di bei einer Befragung festgestellt, an der sich bundesweit rund 600 Stationsteams beteiligt haben - auch in Bamberg.

"Zwischen dem 23. Oktober und dem 31. Dezember bricht die Versorgung in den Krankenhäusern nur deshalb nicht zusammen, weil Pflegekräfte über ihre physischen und psychischen Grenzen gehen und dabei ihre Gesundheit riskieren", kritisiert Gewerkschaftssekretärin Magdalena Majeed.

"Hinzu kommt, dass zwar zukünftig im gesamten Klinikum nur Zwei-Bettzimmer laut dem bayerischem Krankenhausplan vorhanden sind, aber ein Rückbau der vorhandenen Drei-Bettzimmer in Zwei-Bettzimmer wurde nicht vorgenommen", kritisiert Felix Holland in seiner Funktion als Gewerkschafts-Funktionär. Deshalb bestünden die begründeten Ängste, dass mit weniger Personal noch mehr Patienten zusätzlich versorgt werden müssen.

Auch gegen diesen Vorwurf wehrt sich Xaver Frauenknecht, der Vorstandsvorsitzende der Sozialstiftung. Überstunden seien ein Problem in der gesamten Branche, räumt er ein. Auch sei es richtig, dass Flurbetten vermieden werden sollen. Aber es gebe keine Planung, dies zu Lasten der Pflegekräfte zu tun.

Kommentar des Autors:

Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben. Als Anfang September Ministerpräsident Markus Söder zur feierlichen Eröffnung nach Bamberg reiste, um auf den neuen Bettenturm anzustoßen und Vertreter der Geistlichkeit die Räumlichkeiten einweihten, da wurde auf der Baustelle noch voll gearbeitet. Was die Gäste zwar erfuhren, aber nicht mit eigenen Augen sahen: Lediglich die Etagen ganz unten hatte man in einen präsentablen Zustand gebracht. Je weiter man das Treppenhaus nach oben stieg, desto staubiger wurde es. Zu frühes Gratulieren bringt bekanntlich Pech - in der Leitung der Sozialstiftung hätte man lieber etwas abergläubischer sein sollen. Der kritische Bamberger fragt sich nun: War der frühe Eröffnungstermin dem Wahlkampf geschuldet? Ist der Wechsel des leitenden Technik-Ingenieurbüros mitten in der Hochphase des Baubetriebes an einem 55-Millionen-Euro-Turm wirklich so alltäglich, wie Vertreter des Klinikträgers es darstellen? Außer Frage steht dagegen, dass die Schwierigkeiten bei der Akquise von Personal nicht durch Überstunden der bestehenden Beschäftigten ausgebügelt werden können. Das ist die wichtigere Baustelle.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren