Bamberg
Trockenheit

Vertrocknete Bäche und Buchen: "Wir flehen um Regen!"

Während die Regierung ein Klimapaket schnürt und in Bamberg Tausende für den Klimaschutz demonstrieren, retten Stadtarbeiter Fische aus dem vertrockneten Sendelbachweiher. Eines von vielen Symptomen der dramatischen Dürre.
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Stadtarbeiter Jürgen Breitenstein rettet einen Fisch. Foto: Sebastian Schanz
Stadtarbeiter Jürgen Breitenstein rettet einen Fisch. Foto: Sebastian Schanz
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Fast sieht es aus, als würde der Fisch nach Luft schnappen, als Jürgen Breitenstein das Tier vorsichtig aus dem stinkenden Schlamm hebt und in einen Eimer sauberes Wasser glitschen lässt. Der Stadtarbeiter steht knöcheltief im Matsch. Seine Kollegen Tobias Shank und Peter Baum balancieren auf einer großen Holzplanke, um mit Keschern zu der einzig verbliebenen, müffelnden, schwarzen Pfütze vorzudringen, in der noch unzählige kleine Fische ums Überleben kämpfen. Der Sendelbach ist für sie zur tödlichen Falle geworden. Normalerweise fließt er aus dem Herzen des Bamberger Hauptsmoorwaldes in Richtung Westen und plätschert in der Nähe der Schleuse in den Kanal. Doch nun durchziehen tiefe Risse das vertrocknete Bachbett, und leblose Muscheln liegen kreuz und quer im kleinen Weiher.

Anwohner Clemens Maydt hatte die Stadt verständigt, als er die Fische in ihrer aussichtslosen Lage entdeckt hatte. Mit Tochter und Enkeln hat er schon ein paar von ihnen gerettet. "Die Kinder lernen Fürsorge für Lebewesen", sagt der Opa. Nur in die Mitte des Schlammlochs konnten die drei Generationen nicht vordringen. Also schlug Maydt im Rathaus Alarm.

Alarmzeichen gibt es viele. Fast einen Monat ist es her, dass es in Bamberg richtig geregnet hat. Am Sonntag, 25. August, brachte ein Gewitter immerhin 7,9 Millimeter Wasser. Seither fielen an zwei Tagen noch zusammen 5,4 Millimeter. Ansonsten: null Niederschlag.

Auf dem Weg zum Steppenland

"2018 hatten wir ein Drittel Defizit beim Niederschlag. 2019 wird ähnlich trocken werden", sagt Meteorologe Thomas Foken. Die Niederschläge im Sommer fielen als Schauer, konnten auf die Schnelle vom Boden nicht aufgenommen werden. "Der Klimawandel bringt nicht nur extreme Temperaturen, sondern auch Trockenheit." Deutschland sei dabei, in manchen Regionen - darunter Franken - "steppenartig zu werden", mahnt Foken, der am Freitag bei den Fridays vor Future mitmarschiert ist.

So wie Martin Bücker vom Bund Naturschutz: "In den Wäldern sieht es katastrophal aus." Nicht nur Fichten gingen an der Dürre zu Grunde, auch die tief wurzelnden Buchen hätten enorme Probleme.

In seltener Einigkeit bestätigen das die Waldbauern: "Es ist dramatisch", sagt Hans-Rüdiger Schmittnägel, der Leiter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Bamberg. Während einige wenige kühle und nasse Sommertage in der Landwirtschaft die Ernte gerettet hätten, leide der Wald. "Wir flehen um Regen!" Der Wasserspeicher sei nach dem Dürrejahr 2018 nicht aufgefüllt worden - das zweite trockene Jahr in Folge gehe an die Substanz. "Kein Mensch hätte gedacht, dass der Klimawandel Franken so stark treffen würde." Waldbauern sollten, so Schmittnägels Rat, beim Förster nachfragen, wo überhaupt nachgepflanzt werden kann. Mancherorts sei das derzeit schlicht nicht möglich. Libanon-Zeder und Ungarische Eiche: Mit Samen aus dem Süden versuchen die Waldbauern sich nun anzupassen. Testpflanzungen mit wissenschaftlichem Monitoring sollen zeigen, welche Arten dürreresistent sind.

"Bäume aus mediterranen Klimazonen wie Esskastanien, Walnuss oder Robinien werden wir künftig häufiger sehen", prognostiziert der FT-Gartenexperte Jupp Schröder, der von einem "Strukturwandel" spricht. Gartenbesitzern rät er: auf Rasenmähen verzichten; möglichst spät umgraben, damit Nährstoffe nicht ausgewaschen werden; Kartoffeln jetzt schon ernten, weil sie sonst schnell keimen; Bäume erst wieder im Frühjahr zurückschneiden, weil sie sich heuer nicht mehr erholen können; Obsthecken und Bäume gießen, wenn man die Möglichkeit hat; Bäume und Sträucher mulchen, damit die Feuchtigkeit in der Erde nicht verloren geht. Und derweil auf Regen hoffen.

Kommentar des Autors:

Es geht nicht um die drei panischen Goldfische und die paar Dutzend kleiner Rotfedern, nicht um die in der Sonne aufgedunsenen Karpfen und noch nicht einmal um die toten Muscheln: Hätten sie sich ein anderes Gewässer ausgesucht, wären sie noch lebendig. Darwins Auslese ist gnadenlos - und der Goldfisch hat in Bamberg eh nichts verloren. Selbst bei der heimischen Flachwurzel-Fichte mag das eine natürliche Auslese sein. Doch wenn sogar die Buchen die braunen Blätter hängen lassen und auf dem Waldboden die Moose vertrocknen, wenn selbst die Pfahlwurzel-Eiche leidet und Naturschützer und Waldbauern sich gespenstisch einig sind - dann scheint wirklich etwas im Argen zu liegen.

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