Bamberg
Seenot

Seit Monaten verschollen: Künstlerin aus Bamberg sucht vermisstem Freund

Annabel Adler geht fest davon aus, dass ihr Freund Rocco Acocella noch lebt. Die Bamberger Künstlerin sammelt Geld, um ihn zu suchen. Rocco, der selbst einige Zeit in Bamberg gelebt hat, wird in der Karibik vermisst - schon seit mehr als zwei Monaten.
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Annabel Adler vor dem Atelier, in dem sie zusammen mit Rocco gearbeitet hat. In der Hand hat sie ein Bild ihres Freundes, der in der Karibik vermisst wird. Foto: Barbara Herbst
Annabel Adler vor dem Atelier, in dem sie zusammen mit Rocco gearbeitet hat. In der Hand hat sie ein Bild ihres Freundes, der in der Karibik vermisst wird. Foto: Barbara Herbst
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Rocco Acocella ist alleine auf seinem Trimaran von St. Martin in der Karibik nach Barranquilla in Kolumbien unterwegs. Nachdem er am 17. Juni in See gestochen ist, setzt er nach fünf Tagen vor der Küste Kolumbiens ein Notsignal ab. Zu diesem Zeitpunkt ist dort ein schwerer Sturm mit 50 Knoten am Werk. Nachdem er das Signal sendet, kann die Position seines Bootes noch 24 Stunden verfolgt werden. Doch keiner kann ihn oder das Boot finden. Der Mann, der einige Zeit in Bamberg zu Hause war, gilt bis heute als verschollen.

Ex-Bamberger gilt in der Karibik als verschollen

Die Hoffnung, an die sich seine Freundin Annabel Adler klammert: "In dieser Gegend gibt es über 400 Inseln. Einige davon sind unbewohnt. Es kann sein, dass er über Bord gegangen ist, sich jedoch auf eine der Inseln retten konnte." Die 30-Jährige, die in Bamberg studiert und als Künstlerin gearbeitet hat, will nach Rocco suchen. Um das finanzieren zu können, veranstaltet sie noch bis Ende September eine Ausstellung im Backstübla in der Oberen Sandstraße (aktuell bis zum 11. September geschlossen). Dort verkaufe sie "ihre Schätze".

Befürchtung: Sucht die kolumbianische Küstenwache an der falschen Stelle nach Rocco?

Ihr Plan ist es, einen Begleiter zu finden, der nicht nur segeln kann, sondern auch die Inseln kennt und möglichst viele Kontakte in Kolumbien hat. "Ich werde zunächst nach Barranquilla in Kolumbien fliegen, wo Rocco hätte ankommen sollen. Dort hoffe ich weitere Kontakte knüpfen zu können und mehr herauszufinden. Mit meinem Begleiter werde ich dann die Inseln rund um die Stelle absuchen, an der er das Notsignal gesendet hat." Die kolumbianische Küstenwache suche in erster Linie an der Stelle, wo das letzte Signal gesendet wurde. Das Boot müsse aber in den folgenden 24 Stunden weitergesegelt sein. "Das kann man an der Geschwindigkeit, in der es sich Richtung Westen bewegt hat, erkennen. Es besteht die Möglichkeit, dass er durch die Windverhältnisse und die Strömung nach Nicaragua, Costa Rica oder Panama gedriftet ist. Dort hätte er jedoch längst ankommen müssen. Ich befürchte, dass sie bald die Suche nach ihm einstellen werden."

Rocco wohlbehalten wiederzusehen erscheint ihr wahrscheinlicher, weil sie weiß: "Er ist in Überlebenstechniken ausgebildet. Nach seiner Ankunft in Kolumbien hätte er einen Flieger nach Ecuador nehmen sollen, um dort als Abenteuer-Guide bei der Agentur World Challenge zu arbeiten, um mit Kindern einen Monat lang Ecuador zu erkunden und mit ihnen beispielsweise einen Berg zu besteigen."

Atlantik gemeinsam überquert

Annabel konnte sich selbst davon überzeugen, dass ihr Freund das Segeln beherrscht. "Ich habe mit ihm dieses Jahr im April/Mai eine achtwöchige Atlantiküberquerung mit genau dem Boot, mit dem er jetzt unterwegs ist, gemacht. Das ist eigentlich wesentlich anspruchsvoller, als die Tour, die er geplant hatte. Rocco segelt seit er klein ist." Der Italiener und die Deutsche haben sich bei einem Naturfestival 2017 in Italien kennengelernt. Nachdem sie zusammen durch Italien gereist sind, wollte Annabel zurück nach Bamberg, um ihr Studium zu beenden, und er begleitete sie.

Gemeinsam Kunst geschaffen

Holzdrucke und Gemälde, die Augen als zentrales Motiv haben, bilden nun die Ausstellung im Backstübla. Die Preise der Objekte bewegen sich zwischen 70 Euro und 700 Euro. Annabel betont: "Das Geld wird ausschließlich für die Kosten genutzt, die durch die Suche von mir und meiner Begleitperson entstehen. Wir brauchen solche Sachen wie ein Satellitentelefon, damit wir mit allen im Kontakt bleiben können oder eben die Flugtickets, um nach Kolumbien zu reisen."

Sie und Rocco haben auch zusammen in ihrem Atelier in Bamberg Kunst geschaffen. Bei der Ausstellung werden etwas mehr als 30 Bilder ausgestellt.

Andreas Schmid war mit seiner Frau bei der Vernissage. Er bedauerte: "Das ist ein großer Schicksalsschlag. Ich habe davon in der Zeitung gelesen und wollte deswegen mal vorbeischauen." Der Stegauracher ist kunstinteressiert. Er hat früher beruflich selbst Menschen, die in Seenot geraten sind gesucht. Er gab zu bedenken: "Das ist natürlich eine sehr schwierige Lage. Man darf nicht von deutschen oder europäischen Verhältnissen ausgehen, wenn es um die Suche nach vermissten Menschen geht. In diesen Ländern gestaltet sich das Ganze wesentlich schwieriger."

 

Desiree Tordai ist selbst Künstlerin und deshalb sehr interessiert an der Ausstellung. Sie betonte aber: "Ich bin sehr erschüttert über das Verschwinden von Rocco. Ich habe bei Facebook und über Freunde von der Vernissage erfahren. Da wollte ich vorbeischauen. Ich meine, jeder Cent zählt." Jonas Pampa hatte auch schon mit dem Gedanken gespielt, eine Reise in der Karibik von Insel zu Insel zu unternehmen. Nachdem er von Roccos Verschwinden erfahren hat, überdenkt er seine Pläne. Der 26-Jährige sagte: "Ich schätze Kunst. Mir gefallen Bilder, die die Realität abbilden, wie man sie hier in der Ausstellung sieht. Aber vor allem die Geschichte um die Suche von Rocco lässt mich nicht kalt. Wenn im Leben etwas wichtig ist, dann Menschen, die einem nahestehen. Das Bild, das ich hier kaufe, wird mich daran erinnern, dass ich helfen konnte." Bisher kamen durch den Verkauf der Bilder 2000 Euro zusammen.

Die 30-Jährige ist vor allem darum bemüht, Kontakte zu knüpfen, die ihr bei der Suche behilflich sein können. Sie bittet jeden, der ihr weiterhelfen kann, sich bei ihr zu melden. Annabel glaubt fest daran, dass ihr Freund noch lebt: "Ich hatte von Anfang an das Gefühl, er ist noch da. Vor allem mit dieser Person kann ich ein Wunder verbinden. Da wird die Hoffnung noch lange nicht sterben."

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