Hallstadt
Feuerwehr

Verkehrssimulator in Hallstadt: am Bildschirm zum Einsatz

An einem Computersimulator trainieren 48 Feuerwehrleute aus dem ganzen Landkreis Bamberg für mehr Verkehrssicherheit auf Sondersignalfahrten. Auch Promis setzten sich bei der Präsentation ans Steuer.
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Auch Andre aus Dörfleins hat den Verkehrssimulator getestet.  Foto: Ronald Rinklef
Auch Andre aus Dörfleins hat den Verkehrssimulator getestet. Foto: Ronald Rinklef
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Es ist mitten in der Nacht. Der Piepser ertönt. Von diesem Alarmsignal an muss alles schnell gehen: Ein "scharfer Einsatz" ruft, Menschenleben sind in Gefahr. Schon drei Minuten später sind die ersten Feuerwehrmänner der Freiwilligen Feuerwehr Hallstadt einsatzbereit in der Feuerwache und besetzen die Einsatzwagen.

Der Weg aus dem warmen Bett zum brenzligen Einsatzort wurde unzählige Male geübt, Automatismen spielen sich ab, jeder Schritt sitzt. Und doch birgt gerade der Weg zum Unfallort - zum eigentlichen Brennpunkt - unzählige Gefahren.

Gefährlicher Tunnelblick
Der drängende Gedanke, helfen zu wollen, kann zu einem gefährlichen Tunnelblick führen, der die Konzentration auf das Verkehrsumfeld schwierig macht.
Gesetzlich mit Sonderrechten ausgestattet dürfen die Einsatzkräfte zudem die ein oder andere rote Ampel mitnehmen und Geschwindigkeitsbegrenzungen überschreiten, wodurch zusätzliche Risiken entstehen. Damit die Feuerwehr dennoch sicher den Einsatzort erreicht, wurde in Bayern ein bedeutendes Pilotprojekt gestartet: Es gibt jetzt einen Verkehrstrainer, mit dem die riskante Fahrt mit dem Einsatzwagen simuliert werden kann.

Die so genannten Sondersignalfahrten, also Einsätze, bei denen die Feuerwehr mit Blaulicht und Martinshorn unterwegs ist, werden im Training nachgestellt. Denn gerade diese Signale, die andere Verkehrsteilnehmer vor dem nahenden Einsatzwagen warnen sollen, irritieren viele Autofahrer und führen nicht selten zu plötzlicher Verwirrung oder gar zur Schockstarre. So können Verkehrsteilnehmer kaum noch richtig auf den Einsatzwagen reagieren und bringen ungewollt sich selbst und die Feuerwehrleute in Gefahr.




Hinzu kommt der Fahrer des Einsatzfahrzeugs selbst, der mit rasendem Puls und Adrenalin in den Adern versucht, den Einsatzwagen schnellstmöglich zum Unfallort zu manövrieren und zugleich die Verantwortung für seine Mannschaft trägt. Auch schwierige Wetter- und Sichtverhältnisse oder Glatteis sind Faktoren, die das Unfallrisiko steigern können. All diese Umstände werden im während der Schulung simuliert und potenzielle Unfallursachen sowie mögliche Vermeidungsstrategien und richtiges Verhalten bei Unfällen besprochen.

Schließlich sind Erfahrung und Besonnenheit im Einsatz unverzichtbar, um auf eine heikle Verkehrssituation richtig zu reagieren. Das Stichwort Verhältnismäßigkeit fällt daher bei der Einführung des Verkehrstrainers immer wieder: Kann ich durch stark überhöhte Geschwindigkeit wirklich Zeit einsparen? Gefährde ich beim Überfahren einer Kreuzung möglicherweise Menschenleben?

Doch die theoretischen Überlegungen allein reichen nicht aus, um die Ehrenamtlichen auf den Ernstfall vorzubereiten. Durch die direkte Konfrontation mit Gefahrensituationen in der Computersimulation üben Feuerwehrmänner und -frauen aus dem ganzen Landkreis gefahrlos und gleichzeitig praxisnah richtiges Verhalten. So lernen sie, im Einsatz schnell und angemessen auf mögliche Gefährdungen zu reagieren.


Bayerisches Pilotprojekt
Um mehr Verkehrssicherheit auf Einsatzfahrten zu schaffen, werden diese Trainings seit einem Jahr in ganz Bayern für Feuerwehrteams durchgeführt. Finanziert wird das 1,3 Millionen teure Pilotprojekt, das noch drei Jahre laufen soll, durch die Versicherungskammer Bayern und das Bayerische Innenministerium. Die Organisation übernimmt dabei der Landesfeuerwehrverband.

Rainer Greif stellte das Verkehrstraining diese Woche in Hallstadt vor und führte die Schulungen dort an sechs Tagen mit insgesamt 48 Einsatzkräften durch. Neben Kreisbrandmeister Alber Tornau, der das Training organisiert hatte, war zudem Kreisbrandrat Bernhard Ziegmann dabei, als der Prototyp des Verkehrssimulators in Hallstadt vorgestellt wurde.

Auch Erster Bürgermeister Markus Zirkel und Landratskandidat Johann Kalb (CSU) waren neugierig. Nach einer kurzen Testfahrt, in der Johann Kalb das Feuerwehrfahrzeug zwar unfallfrei, aber im Schneckentempo mit 40 Stundenkilometern über Land zur Einsatzstelle lenkte, resümierte er knapp: "Das ist total schwierig!".
Auch Bürgermeister Zirkel versuchte sich als Fahrzeugführer. Bei einer Autobahnfahrt, während der eine größere Baustelle passiert werden musste, hatte er mit der Rücksichtslosigkeit anderer Verkehrsteilnehmer zu kämpfen und wurde schließlich trotz Blaulicht und Martinshorn kurzerhand überholt. "Wie im richtigen Leben", war schließlich die einstimmige Reaktion der erfahrenen Feuerwehrleute.

Ehrenämter unverzichtbar
Wie unentbehrlich die Freiwilligen Feuerwehren in unserer Gesellschaft sind, wird den meisten Bürgern erst dann wirklich bewusst, wenn sie selbst einmal auf deren Hilfe angewiesen sind. Um im Ernstfall Leben retten zu können, sind intensive Schulungen zur Aus- und Weiterbildung für die Ehrenamtlichen dringend notwendig, betonen Ziegmann und Tornau immer wieder.

Langfristig soll das Schulungssystem der Freiwilligen Feuerwehr daher ausgebaut und verbessert werden. Neben der Maschinistenausbildung und dem Fahrsicherheitstraining auf dem ADAC-Gelände in Schlüsselfeld soll in Zukunft die Computersimulation die Ausbildung der Einsatzkräfte ergänzen. Auch wenn die Organisation des Sondersignalfahrttrainings wegen des hohen bürokratischen Aufwands viel Zeit und Mühe in Anspruch nimmt, sind bereits Trainingseinheiten für das nächste Jahr beantragt.
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