Bamberg
Gesundheit

Verkehrsinfarkt am Klinikum

Im Parkhaus am Bruderwald stauen sich die Karossen, rund um das Krankenhaus drehen frustrierte Autofahrer ihre Runden. Die Parksituation ist ein Problem. Das hat die Klinikleitung erkannt - und plant zwei zusätzliche Parkhäuser samt Zufahrt für Mitarbeiter.
Artikel drucken Artikel einbetten
Fotos: Sebastian Schanz
Fotos: Sebastian Schanz
+2 Bilder

Der Parkautomat spuckt bereitwillig ein Ticket aus, die Schranke öffnet sich - doch die Hoffnung auf einen Platz im Parkhaus des Klinikums ist trügerisch. Gedämpft wird sie schon in der untersten Ebene. Stau. Alle Parkplätze belegt. In den nächsten Stockwerken sieht es nicht besser aus: Hier sind die Stellplätze reserviert. Ist oben noch etwas frei? Nur langsam bewegt sich die Blechkolonne die engen Rampen hinauf. Die letzte Auffahrt wird von einem Mercedes blockiert. Der Fahrer wartet darauf, dass ein Golf oben eine Lücke freigibt. Autos hupen. Die Nerven liegen blank. Die Diagnose ist eindeutig: akuter Verkehrsinfarkt in Sichtweite zum Bamberger Herzzentrum.

"Inzwischen ist es nur noch nervig, am Klinikum einen Parkplatz zu finden", kritisiert Sylvia Meichsner, die mehrmals in der Woche im Saludis Reha-Übungen machen muss. Trotz Parkhaus sei es zeitweise nur mit 20-minütiger Wartezeit möglich, einen Parkplatz zu bekommen. Wenn überhaupt. "Das Klinikum wächst immer mehr. Folglich auch die Zahl der Patienten und Besucher. Es ist langsam eine Zumutung", schimpft die Hirschaiderin.

"Ab 8 Uhr eine Katastrophe"

Angestellte müssen je nach Dienstbeginn lange vorher anfahren, um einen Stellplatz zu bekommen. "Ab 8 Uhr ist es echt eine Katastrophe. Sowohl für Patienten als auch für Personal", berichtet eine Mitarbeiterin. Vor allem Zwischenschichten, zum Beispiel um 10 Uhr, seien schwierig. Und die Neueinstellungen für den vierten Bettenturm machten sich auch auf dem Parkplatz bemerkbar.

"Wann endlich sollen mehr Parkplätze gebaut werden, die so dringend nötig wären?", fragt Sylvia Meichsner.

"Uns ist klar, dass sowohl zur Gewinnung von Personal als auch von Patienten das Parken ein Existenzthema ist", antwortet Xaver Frauenknecht, Vorstandsvorsitzender der Bamberger Sozialstiftung als Trägerin. Er räumt offen ein, dass das Parken ein Problem ist. Seine Hoffnung: Bis 2022 soll der Befreiungsschlag geschafft sein. Dann soll ein neues Parkhaus mit 1200 Plätzen stehen. Ein zweites mit 500 Plätzen ist ebenfalls geplant.

Frauenknecht legt einen Lageplan auf den Tisch, beugt sich darüber und erklärt die Situation. 1515 Parkplätze stehen aktuell auf dem Klinikgelände zur Verfügung - 267 mehr als noch 2013. Im Parkhaus gibt es 481 Parkplätze, davon sind 128 für Mitarbeiter reserviert. 150 weitere Mitarbeiter-Parkplätze stehen auf dem Park-and-Ride-Parkplatz an der Würzburger Straße zur Verfügung. Zwölf Minuten brauche man für die 800 Meter Fußmarsch, erklärt Personalratsvorsitzender Felix Holland. Das sei nicht schlecht. "Für Schichtdienstleistende in der Nacht ist der Parkplatz aber nicht geeignet." Bisher wird das Angebot kaum genutzt.

30 Prozent der 3452 Klinik-Mitarbeiter und der 40 000 stationären Patienten im Jahr stammen aus der Stadt Bamberg, 70 Prozent aus dem Umland. "Das heißt, dass wir nicht nur in der Patientenversorgung vom Auto leben", sagt Frauenknecht. Der enorme Parksuchverkehr sei ein Problem, das gelöst werden müsse. Bei gutem Wetter kommen viele Angestellte mit dem Rad. Doch wenn es regnet, verschärft sich die Lage.

Auf einer Skala von 1 bis 10 verortet Frauenknecht das Klinikum in Sachen Parken bei einer 5. "Höher würde ich nicht gehen, weil wir jeden Tag die Herausforderung haben." Personalrat Holland meint, es gebe eine Vielzahl von Maßnahmen, um die Situation zu verbessern. "Aber lösen werden wir dieses Parkproblem nur, wenn wir ein zweites Parkhaus bauen."

Das ist geplant. Wieder beugt sich Frauenknecht über den Lageplan. Darauf ist zu sehen, in welche Richtung sich die Sozialstiftung entwickeln will. Die Zukunft des Klinikums wird sich im Südwesten abspielen. Nicht nur was Parkplätze angeht. Der Flächennutzungsplan ist in trockenen Tüchern - der Bebauungsplan wird mit der Stadt gerade abgestimmt. Die Verhandlungen über Grundstücke laufen. Über die Waizendorfer Straße soll eine neue Zufahrt für die Mitarbeiter geschaffen werden. Dort sollen die beiden Parkhäuser mit 1700 Plätzen entstehen. Dafür sollen 400 Stellplätze in der südlichen Flur gestrichen werden: "Wir wollen die Blechlawinen verstecken und einen Grüngürtel schaffen, um einen schönen Blick von unserer traumhaften Lage zu ermöglichen", sagt Frauenknecht.

2022. Und bis dahin? Hat er einen Rat in Sachen Parken? "Es lohnt sich, die Besuchszeit gut zu wählen", antwortet der Klinikchef. Zwischen 8 und 14 Uhr sei sehr viel los. "Ab 15 Uhr liegt die Wahrscheinlichkeit, einen Platz zu finden, bei 95 Prozent." Bis dahin heißt es warten. Einziger Trost: Immerhin verlangt der Schrankenautomat keine Gebühr für die erfolglose Odyssee durchs überfüllte Parkhaus.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren