Bamberg
Wirtschaft

Verkaufsoffener Sonntag floppt

Die Händler trauerten gestern dem alten Termin im Herbst hinterher. Der neue Zeitpunkt zwischen den Saisons sei ungünstig gewählt und zu kurzfristig anberaumt - so ihre Kritik.
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Viel los in der Fußgängerzone, wenig los in den Geschäften: Die Händler zogen eine negative Zwischenbilanz.  Foto: Sebastian Schanz
Viel los in der Fußgängerzone, wenig los in den Geschäften: Die Händler zogen eine negative Zwischenbilanz. Foto: Sebastian Schanz
Die Fußgängerzone in der Bamberger Innenstadt war gestern gefüllt mit Menschen. Nur in die Geschäfte zog es die Kunden offenbar nicht. Wer sich unter den Händlern am Nachmittag umhörte, der bekam hier wie dort kritische Antworten: Der neue Termin für den verkaufsoffenen Sonntag in Verbindung mit dem Blues- und Jazzfestival kam nicht gut an.
"Der Termin ist unglücklich gewählt", brachte Andreas Siebenlist die Kritik auf den Punkt. Der Shopmanager im Modegeschäft Jack and Jones am Grünen Markt konnte sich für seine Einschätzung Zeit nehmen, denn die Kasse war verwaist. "Allgemein ist derzeit wenig los, und nächste Woche ist Feiertag, den sicher viele nutzen, um mit Brückentagen noch einmal wegzufahren."
Mehr Andrang hätte sich auch Anette Wagner gewünscht, die im Perlkönig-Stand Schmuck anbot. Sie hoffte gut gelaunt auf die lockernde Wirkung der Musik. Auf dass ein Liebender spontan noch eine goldene Kette für seine Angebetete kaufen möge.


Zu wenig Vorlauf

Apropos spontan: Der neue Termin sei zu kurzfristig anberaumt worden, lautete ein weiterer Kritikpunkt. "Die Pläne standen eigentlich schon und mussten angepasst werden", berichtete Verkäuferin Hannah Zöllner im Jack and Jones.
"Vier bis sechs Wochen Vorlauf wären für die Personalplanung besser gewesen", bestätigte auch der Manager eines Optikladens. Und zu wenig beworben worden sei die verlegte Aktion auch. In den Köpfen der Bamberger sei noch der alte Herbsttermin. "Schauen Sie sich doch um", lautete seine vielsagende Zwischenbilanz am Nachmittag. Drei Angestellte, null Kunden im Laden.
Die Verschiebung des verkaufsoffenen Sonntags wird als Problem gesehen. Hintergrund ist wie berichtet eine Aufsichtsbeschwerde der Gewerkschaft Verdi bei der Regierung von Oberfranken - der Oktobertermin war rechtlich nicht haltbar. Der Herbstmarkt sei als eigenständige Veranstaltung zu klein, um einen verkaufsoffenen Sonntag daran anzuknüpfen, so die Kritiker. Deshalb also nun das Blues- und Jazzfestival.
Doch auch bei Sixdays-Fashion trauerte Pia Ritter dem bewährten Herbsttermin hinterher. "Im Moment ist es noch viel zu heiß für die Herbst- und Winterkollektionen und schon zu spät für die Sommermode", erklärte die Händlerin. Zwar drängten sich draußen die Menschen durch in Richtung Obere Brücke, doch die Kauflaune blieb überschaubar. "Heute sind viele Touristen unterwegs, aber eher wenige Bamberger."


Keine Verknüpfung mit der Musik

Anderer Ort, gleiche Einschätzung: "Die Verbindung mit dem Herbstmarkt war besser", erklärte Monika Winterling in ihrem Stand für Gewürze aller Art am Maxplatz.
Hinter ihr wummerte ein hörenswerter Mix aus Volksmusik und Reggae der Band Oansno von der Bühne. An den Bierbänken genossen die Zuhörer kühle Getränke. Doch mussten sie für ihre Krüge und Flaschen keine Berge von Einkaufstaschen beiseite schieben.
"Den Mix mit der Musik hätten wir nicht gebraucht", erzählte Alexander Fricke aus Ingolstadt, der mit seiner Frau zum Bummeln durch Bamberg schlenderte. Nichts gegen Blues und Jazz - aber die Festivalgänger kämen nicht zum Shoppen und die Shopper nicht zum Musikhören, so ihre Einschätzung. Die beiden Gäste freuten sich dennoch über die Gelegenheit, ein bisschen zu shoppen.
Angenehm fand Hubert Rottmann die Verbindung mit der Musik. Am Stand vor der Bühne am Gabelmann informierte er über die Obermaintherme in Bad Staffelstein. "Über Nacht hat es abgekühlt, das Wetter ist eigentlich gut und nicht so drückend wie in den vergangenen Wochen", sagte er, während vor ihm auf der Bühne The Sticky Tables den Zuhörern musikalisch einheizten.
Gleich nebenan schüttelte der Verkäufer orientalischer Delikatessen vielsagend den Kopf. "Die Leute laufen nur vorbei, aber geben kein Geld aus", berichtete er.
Nur zwei Worte brauchte Schuhspezialist Andreas Zellner gegenüber vom Maxplatz für seine Einschätzung, warum der verkaufsoffene Sonntag gestern nicht eingeschlagen hat: "Wetter, Termin."


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