Bamberg
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Verfallenes Gebäude in der Sandstraße: Kann die Stadt den Investor enteignen?

Der Verfall des Gebäudes in der Oberen Sandstraße 20 wird auch Auswirkungen auf die Sandkerwa haben. Wie es mit dem Haus weiter geht, ist unklar. Die Stadt prüft rechtliche Möglichkeiten gegenüber dem Besitzer.
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Etwa bis zur Hälfte des Weges ragt die Schutzkonstruktion in die Obere Sandstraße. Spätestens bei der Sandkerwa wird es eng. Foto: Barbara Herbst
Etwa bis zur Hälfte des Weges ragt die Schutzkonstruktion in die Obere Sandstraße. Spätestens bei der Sandkerwa wird es eng. Foto: Barbara Herbst

Die Hälfte des Weges in der Oberen Sandstraße ist von einer massiven Holzkonstruktion blockiert. "War hier das Sound'n'Arts?", fragt eine junge Frau ihre Freundin im Vorbeilaufen. Ja, vor nicht allzulanger Zeit. Erst Ende Juli musste der Kellerclub schließen, weil das jahrhundertealte Gebäude mit der Hausnummer 20 einsturzgefährdet ist. Wie sich später herausstellen sollte, darf auch der Innenhof der nebenan liegenden Kneipe "Stilbruch" bis auf Weiteres nicht betreten werden - auch nicht bei der Sandkerwa, was große Geschäftseinbußen nach sich ziehen dürfte.

Keine Außenbestuhlung

Außerdem wird es "die Außenbestuhlung von Stilbruch und Fruchtbar heuer bei der Sandkerwa nicht geben", sagt Horst Feulner, Geschäftsführer der Sandkerwa Veranstaltungs GmbH. Bei einem Treffen mit Polizei, Feuerwehr und Sicherheitsdienst in dieser Woche wurde beschlossen, die Holzkonstruktion mit schrägen Brettern weiter zu isolieren, damit die Besucher nicht in die Ecke gedrängt werden. Schließlich "ergibt sich durch die Sicherung des Gebäudes auf der Sandkerwa eine zusätzliche Engstelle, die nicht ganz ungefährlich ist", wie Feulner einräumt. Als weitere Maßnahme werden Security an der Stelle postiert.

Die Kosten für die Stützkonstruktion, vom Technischen Hilfswerk (THW) errichtet, muss die Stadt Bamberg vorschießen. Dabei gehört das Gebäude seit einigen Jahren dem Investor "German Property Group GmbH". Seitdem ist das Gebäude zunehmend verfallen, ohne erkennbare Sanierungsarbeiten. "Das Haus, die Fassade, die gehören zur Sandstraße", beschreibt Barbara Kropf das einsturzgefährdete Gebäude. Die Vorsitzende des Bürgervereins Sand findet es "ein Unding, so ein schönes Haus verfallen zu lassen. Unglaublich, dass sowas möglich ist". Sie hoffe auf ein Eingreifen der Stadt, schätze aber auch, dass das rechtlich schwierig wird.

Baureferent Thomas Beese setzt im Umgang mit dem Investor auf ein stufenweises Vorgehen. "Als erstes werden wir die Rechnung vom THW weiterleiten und sehen, wie sich die Firma verhält", sagt er. Sollte der Investor auch künftig nichts unternehmen, würden Bescheide und Auflagen folgen. "Wir haben rechtliche Maßnahmen aus vier Gesetzbüchern in der Hinterhand. Welche genau das sind, möchte ich aber aus strategischen Gründen nicht offenlegen", so Beese.

Die Stadt habe auch einen Kauf der Immobilie in Betracht gezogen. "Der Investor hat aber das Dreifache des realistischen Marktwertes verlangt", klärt der Baureferent auf. Wenn die rechtlichen Mittel nicht ausreichen und der Investor weiter nicht reagiert, ist dann eine Enteignung durch die Stadt möglich? Schließlich gibt es im Baugesetzbuch den Paragrafen 88: "Enteignung aus zwingend städtebaulichen Gründen." Dafür genüge es laut Gesetzestext, "dass die Gemeinde sich ernsthaft um den freihändigen Erwerb dieses Grundstücks zu angemessenen Bedingungen vergeblich bemüht hat". Thomas Beese sehe aber "auf Anhieb keine Grundlage für eine Enteignung". Bei dem Paragrafen würde es eher um Straßen oder andere dringenden städtebaulichen Maßnahmen wie etwa den Bahnausbau gehen, nicht um Bestandsschutz. Zumindest nicht eindeutig.

Beese hofft stattdessen auf ein Einlenken des Besitzers: "Wenn wir alle Druckmittel ziehen, können wir den Investor vielleicht dazu bewegen, an jemanden Sanierungswilligen zu verkaufen. Das wäre das beste, was dem Haus passieren kann." Auch Barbara Kropf vom Bürgerverein sagt: "So viele Bamberger würden das Haus gerne haben, Herzblut reinstecken und es sanieren." Bis so etwas möglich ist, rechnet Beese allerdings mit mindestens einem halben Jahr. Ein finales Gutachten der Landesgewerbeanstalt Bayern (LGA) stehe noch aus, das ermitteln soll, welche Maßnahmen ergriffen werden müssen. Dafür berechne er zwei Monate, ebenso für die Planung des Ingenieurs und wieder zwei Monate für die Umsetzung. So lange werden sich auch die betroffenen Gastgewerbe und Sandstraßenbesucher mindestens noch gedulden müssen.

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