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Brückenspringen in Bamberg: Studenten gehen hohes Risiko ein

Bei sommerlichem Wetter suchen viele Studenten die Erfrischung in der Regnitz. Die Stadt weist jedoch darauf hin, dass Baden im Fluss gefährlich und verboten ist.
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Studenten springen von der Brücke am Schiffbauplatz in Bamberg. An   die Gefahren denken  sie dabei nicht. Foto: Ronald Rinklef
Studenten springen von der Brücke am Schiffbauplatz in Bamberg. An die Gefahren denken sie dabei nicht. Foto: Ronald Rinklef
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  • Studenten gehen hohes Risiko beim Brückenspringen ein
  • Hohe Geldbußen bis zu 1000 Euro
  • Wasservögel werden verdrängt

Gefährliches Brückenspringen in Bamberg: Langsam füllt sich in den Nachmittagsstunden der Rasen nahe der Konzert- und Kongresshalle. Etwa 40 Leute, in der Mehrzahl Studenten, haben ihr Handtuch ausgebreitet. Auf ein Sonnenbad soll die Abkühlung im Fluss folgen. "Geht ihr mit im Flachen rein oder wieder von der Brücke?", fragt eine junge Frau ihre männlichen Begleiter.

Baden in der Regnitz: Zahlreiche Gefahren im Wasser

An dieser Stelle hört für die Stadt jedoch der Spaß auf. Weil der Juni heißer war denn je, nimmt die Zahl vornehmlich junger Erwachsener zu, die in die Fluten der Regnitz abtauchen und dabei auch gerne mal von Brücken springen. Das ist aber laut Badeverordnung der Stadt Bamberg untersagt. Lediglich in einem begrenzten Bereich auf Höhe der Hainbadestelle ist das Schwimmen auf eigene Gefahr erlaubt.

"Gefahren im Wasser gibt es reichlich. Starke Wasserströmung, regelmäßig aufkommendes Treibgut, Schlingpflanzen und geringe Sichttiefe sind einige der Risiken für Schwimmer", teilt dazu die städtische Pressestelle mit. Weitere Unwägbarkeiten ergäben sich aus der Personenschifffahrt auf Höhe Klein-Venedig und weiter Richtung Erba-Insel. Schwierig sei es selbst für geübte Schwimmer, dem Sog der Schiffe zu widerstehen, weiß Reiner Pflaum von der Wasserschutzpolizei. Andererseits könnten Kapitäne Schwimmern kaum ausweichen.

Welche Folgen das gefährliche Brückenspringen haben kann, hat inFranken.de in einem Überblick für Sie zusammengefasst.

Geldbuße bis zu 1000 Euro

Eine Gefahr für Leib und Leben sei das Springen von Brücken. Trotz entsprechender Hinweise fielen insbesondere am Heinrich-Bosch-Steg nahe der Konzert- und Kongresshalle immer wieder junge Erwachsene auf, die sich in die Fluten stürzen. "Das Risiko an Brücken ist besonders hoch, weil dort gerne Gegenstände wie zum Beispiel Fahrräder entsorgt werden", warnt Pflaum. Hoch, aber offenbar nicht abschreckend genug, ist die Strafe. Wer beim Sprung von einer Brücke oder beim unerlaubten Baden in der Regnitz erwischt wird, habe mit einer Anzeige und einer Geldbuße von bis zu 1000 Euro zu rechnen.

"Ich fühl' mich hier sicher", sagt hingegen eine der Badenden. "Es ist voll schön, sich in der Regnitz treiben zu lassen, das ist irgendwie wie ein Wellenbad." Ihre Freundin ergänzt: "Klar, schwimmen muss man schon können." Und wenn eines der beiden Ausflugsschiffe komme, sehe sie das schon von weitem und schwimme ans Ufer. An schönen Tagen könne es recht voll auf der Wiese werden, "aber hier kann sich jeder hinlegen und es kommen Leute von fünf bis 85 Jahren". Ins Hainbad gehen sie zwar auch gern, sagen die Badegäste, aber "dort ist es manchmal gesteckt voll, hier kostet es nichts und man kann schnell mal auf einen Sprung nach der Uni herkommen".

Keine Enten mehr zu sehen

Rita Plüisch findet die große Zahl Sonnen- und Regnitzbadender an dieser Stelle überhaupt nicht in Ordnung. Denn das Biotop am Schiffbauplatz sei als Rückzugs-, Brut-, und Ruhebereich sowie als Schutzzone für Wasservögel gedacht. "Was sich aber in den letzten Jahren hier abspielt, hat damit rein gar nichts mehr zu tun. An heißen Sommertagen werden das Biotop und die angrenzende Wiese zum Freibad und zwar mit allem Drum und Dran, da geht es jeden Tag zu wie Harry", klagt die Bambergerin.

In diesem Bereich sei es den Enten und anderen Wasservögeln nicht mehr möglich, das Ufer und Flachwasser anzuschwimmen, da es permanent mit plantschenden Badenden "besetzt" sei. "Die Rücksichtslosigkeit der Natur gegenüber und das Selbstverständnis, mit dem dieses Gebiet zum Freizeitgelände umfunktioniert worden ist, macht sprachlos und stellt eine grobe Beeinträchtigung dieses sensiblen Lebensraumes für Tiere dar."

Und so sei es kein Wunder, dass dort seit Jahren keine Entenfamilien mehr gesichtet werden, der Sinn und Zweck des Biotops werde ad absurdum geführt. Am Montag seien einige Badegäste sogar mit dem Schlauchboot im Uferschilf umhergefahren. "Das geht so auf keinen Fall, die sollen ins Hainbad oder ins Gaustadter Freibad gehen", findet Plüisch.

Bei dem naturnahen Uferbereich handle es sich um ein Biotop nach dem Bundesnaturschutzgesetz, bestätigt Steffen Schützwohl aus der städtischen Pressestelle. "Es ist aber nicht verboten, die Liegewiese zu nutzen - so lange man zum Beispiel keine Gehölze abschneidet."

Zusatzinfo: Vorsicht an der Schleuse

Fähre Die Stadt beschränkt ihre Hinweise nicht auf verbotenes Flussbaden in der Nähe der Konzert- und Kongresshalle. Wer in Höhe der Hainbadestelle, Richtung Schleuse 100 und Wasserschloss Villa Concordia, in der Regnitz baden will, wird ebenfalls gewarnt. Hier gelte es, Abstand zu halten.

Denn seit 2012 verkehrt an der Schleuse eine Fähre für Fußgänger und Radfahrer. "Deshalb verlaufen hier Stahlseile quer durch den Fluss, an denen sich Schwimmer schwer verletzen können", erläutert die städtische Pressestelle. Zudem sei schon hier der Sog der flussabwärts liegenden Wasserkraftanlage an der Oberen Mühlbrücke nicht zu unterschätzen.

Main-Donau-Kanal Beim zweiten Regnitzarm, dem Main-Donau-Kanal, handle es sich um eine Bundeswasserstraße. Nach der Binnenschifffahrtsstraßenordnung und der Verordnung über das Baden in Bundeswasserstraßen sei das Baden im Bereich von Brücken 100 Meter ober- und unterhalb strikt verboten. Führe das Baden zu einem Ausweichmanöver eines Schiffes, stelle dies einen gefährlichen Eingriff in den Schiffsverkehr dar - keine Ordnungswidrigkeit mehr, sondern bereits Straftatbestand. Hafenbecken Ebenfalls verboten ist nach Auskunft der Stadt das Baden an der Spitze der Erba-Insel im Hafenbecken.

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