Bamberg
Interview

"Vater sein ist meine Erfüllung": Bamberger Künstler Jonas MC im Interview

Die Band "Bambägga" veröffentlich ein neues Album. "Jonas MC" erklärt, warum es genauso cool ist, sich auf Spielplätzen wie in Kneipen zu treffen.
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Jonas Ochs alias "Jonas MC" genießt das Familienleben über Bambergs Höhen (aus dem Video zum Song "Vater sein" von "Bambägga")  Foto: privat
Jonas Ochs alias "Jonas MC" genießt das Familienleben über Bambergs Höhen (aus dem Video zum Song "Vater sein" von "Bambägga") Foto: privat
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Genau dafür sollte im Familienalltag Zeit sein: Für "Brot und Spiele". Warum der neue Albumtitel zwar nicht zwingend etwas mit Vatersein zu tun hat, aber ganz eng mit der Vorstellung verknüpft ist, wie Jonas Ochs seinen Kindern begegnen möchte, das hat er gut einen Monat vor der großen "Release-Party" im Interview erklärt. Ein Gespräch über das Vaterwerden und das Vatersein, über Männergefühle und den immer wieder entscheidenden Faktor, die Zeit.

"Das Vaterwerden hat mich demütig und dankbar gemacht"

Wie gut passen denn der "Papa Jonas" und der "Jonas MC" zusammen?

Jonas Ochs: Sehr gut. Denn auch die Kunstfigur "Jonas MC" ist sehr nah an dem normalen Jonas dran. Der "MC" ist auch gereift. Ich nehme keine Künstlerrolle ein - ob auf der Bühne oder dem Spielplatz, das bin zu 100 Prozent ich. Für alles andere würde mir die Zeit fehlen, mich verstellen zu müssen.

Seit wie vielen Jahren bist du denn überhaupt Vater?

Meine große Tochter wird bald fünf und die Kleine ist jetzt zwei.

"Alles ändert sich", wenn man Kinder hat - ja, aber was denn vor allem?

Vor dem ersten Kind weißt du eigentlich gar nichts. Ohne dass es jetzt nur pathetisch klingen soll: Eine Geburt ist einfach ein magischer Moment. Und zwar jedes Mal. Beides Mal Vater zu werden war wunderschön. Es wird in meinen Augen - auch für einen Vater - nichts Größeres im Leben geben als die Geburt der eigenen Kinder. Auch als Mann: Der Geburtsprozess ist echt krass. Da ist man oft sprachlos, weil es schlichtweg so sprachlos macht. Das Vaterwerden hat mich demütig und dankbar gemacht. Es bedeutet aber auch mehr Verantwortung, neue Herausforderungen - davon gibt es übrigens eigentlich täglich immer noch neue ... all das kann dich auch erdrücken.

Du arbeitest als Sozialpädagoge auch mit Familien zusammen. Gibt es heutzutage Herausforderungen, denen sich deiner Meinung nach viele Väter stellen müssen?

Ich habe viele Väterkollegen oder Kumpels, bei denen die Erwartungshaltung sehr hoch ist. Die reine Ernährerrolle anzunehmen, das reicht heute nicht mehr. Die Vaterrolle, die uns die Generationen vorgelebt haben, ist einfach eine andere gewesen - vollkommen wertfrei. Aber: Woher soll man als Mann das alles jetzt plötzlich können? Ganz wichtig finde ich, den Druck rauszunehmen. Um in der Vaterrolle anzukommen, muss man sich Zeit nehmen. Die wird einem aber heute oft nicht mehr genehmigt. Dabei geht es gar nicht darum, anderen gerecht zu werden, sondern darum, herauszufinden: Was möchte ich meinem Kind anbieten? Wovon bin ich selbst überzeugt? Ich kann meiner Tochter auch kein Ballett vortanzen. Aber ich kann andere Dinge. Was hilft, ist viel zu sprechen.

Mut haben, über Gefühle zu sprechen

Mit den Kindern?

Überhaupt. Auch die Eltern miteinander. Als Partner, Mut haben, über Gefühle zu sprechen. Auch Männer haben das Recht, eine Überforderung klar anzusprechen. Manchmal hat man den Eindruck, Männer sollten demnächst am besten auch noch stillen können. Aber es ist vollkommen okay, dass es Unterschiede zwischen Mama und Papa gibt. Die eine Wahrheit der Erziehung gibt es nicht.

Wer und was dich zu dem Song inspiriert hat, ist eindeutig. Wie kam es zu dem Lied - war es eher ein längerer Prozess oder eine Blitzeingebung?

Für mich hat Schreiben einen therapeutischen Effekt. Bei dem Song war gar nicht klar, ob er irgendwann einmal veröffentlicht wird. Selbst heutzutage ist es nicht unbedingt salonfähig, als Mann zu seinen Gefühlen zu stehen. Es sollte ja auch nicht arg kitschig sein. Und gleichzeitig ist es so, dass all diese Emotionen andere auch spüren, dass es ganz vielen Vätern so geht. Diese Vater-Perspektive ist mir sehr wichtig. An sich ist der Song über Jahre gereift - wie ich als Vater auch. Augenränder, graue Haare, Grenzerfahrungen - das gehört alles dazu.

Deine beiden Töchter und deine Frau sind im Video zu "Vatersein" zu sehen. Was sagen denn deine Kinder zu der Musik?

Die Zweijährige tanzt, sobald ein Lied anfängt, und macht immer eine klassische Hip-Hop-Bewegung, die sie sich bei einem Auftritt (zu einer familienfreundlichen Zeit) abgeschaut hat. Jedes neue Lied muss erst einmal durch den Familienrat, und der ist streng. Beide sind bei der Musik immer dabei und tanzen. Wirklich verstehen, was erzählt der Papa da, das kommt erst noch.

Gibt es etwas, das du genau so machen möchtest wie dein Vater?

Ja. Ich möchte wie er bedingungslos die Wünsche meiner Kinder mittragen, auch wenn ich sie erstmal vielleicht nicht nachvollziehen kann. Mein Vater hat sich sicherlich über meine Musik manchmal gewundert, aber mich trotzdem zu Konzerten gefahren. Einmal hat er gesagt: Ich muss das jetzt nicht verstehen, weil wenn ich es verstehen würde, wäre es vielleicht auch keine Kunst mehr. Letztlich hat er mich aber auch erst in die Richtung gebracht. Ich habe eigentlich eher Punkrock gehört. Mit 13 hat er mir dann eine CD geschenkt mit "Fettes Brot" und "Blumentopf" drauf. Er hat gemeint, das wäre fürs ganze Haus besser.

Das heißt, die Musik, die du jetzt machst, begleitet dich schon lange.

Definitiv, "Bambägga" gibt es jetzt seit 15 Jahren. Ich bin 33. Die Band ist also ein großer Teil meines Lebens. Mein Papa hat mit mir im Kinderzimmer die ersten Lieder aufgenommen. Er hat den technischen Part übernommen und die Anlagen gebastelt. Es war also ein bisschen "Kelly Family" auf Hip Hop.

"Ich habe vor dem ersten Kind drei Ratgeber gelesen. Das würde ich nie wieder machen. "

Was sind deiner Meinung nach Unterschiede, wie sich das Vatersein über die Generationen hinweg verändert hat? Für Eltern grundsätzlich?

Die Breite an Angeboten - auch im Netz - ist größer geworden. Es ist nicht mehr so einfach, auf sich zu hören. Unsere Eltern und Großeltern hatten ein anderes Urvertrauen. Heutzutage machen sich Eltern mehr Sorgen, das führt auch zu mehr Unsicherheit. Ich habe vor dem ersten Kind drei Ratgeber gelesen. Das würde ich nie wieder machen.

Und was ist der Vorteil, heutzutage Vater zu sein?

Vatersein ist auch mega cool. Früher hat man sich in der Kneipe getroffen, heute auf dem Spielplatz. An Schaukeln oder Rutschen, da entsteht ein ganz neues Bild vom Selbstbewusstsein der Männer. Und die machen das echt gut, die Väter.

"Fühlt sich an, als ob ich Flügel hab'..." - Ich bin mir sicher, viele Eltern fühlen sich nicht immer leicht im Alltag. Augenränder und graue Haare, ja auch davon ist im Lied zu hören. Hast du einen Tipp, wie Familien in ihren Alltag ein bisschen mehr Schwerelosigkeit bekommen?

Familienzeit! Und dafür braucht es weder einen teuren Urlaub noch zwingend einen ganzen Tag. Wichtig ist nur, dass wir Eltern uns immer wieder von allen Außenfaktoren befreien. Dass ich wirklich da bin, nicht noch zehn Prozent auf der Arbeit und fünf Prozent bei der Musik. Zusammen ein Spiel spielen, über die Wiese rennen ... Rituale können dabei helfen. Es muss auch gar nicht unbedingt das Frühstück sein, aber es ist wertvoll, ein Essen am Tag gemeinsam zu verbringen. Das habe ich im Rückblick als Kind und auch später immer noch sehr geschätzt.

"Vatersein" hat von dir einen ganzen Song bekommen. Kannst du es auch in einen Satz fassen?

Vatersein ist für mich die Erfüllung meiner Träume. Ich wollte schon immer Vater sein, weil ich auch gerne Kind war.

Das Gespräch führte Sarah Seewald.

Am Freitag, 11. Oktober, 21 Uhr, findet in den Haas-Sälen die "Release-Party" mit "Bambägga" zum neuen Album "Brot und Spiele" statt. Die Karten kosten im Vorverkauf 9 Euro.

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