Ebrach
Bedrohung

Varroa-Milbe: Imker müssen jetzt handeln

Milben sind der Hauptgrund für das Aussterben ganzer Bienenvölker. Jetzt ist die richtige Zeit für die Winterbehandlung mit der für die Parasiten tödlichen Oxalsäurelösung.
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Karl-Heinz Übelacker zeigt einige der Bienen, die unter dem Befall der Varroamilbe leiden.  Fotos: Matthias Hoch
Karl-Heinz Übelacker zeigt einige der Bienen, die unter dem Befall der Varroamilbe leiden. Fotos: Matthias Hoch
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Bienen liefern nicht nur Honig. Ohne ihre Bestäubung würde es irgendwann keine Pflanzen, Tiere und - wegen des Nahrungsmangels - auch keine Menschen mehr geben. Die größte Ursache für das Aussterben ganzer Völker dieser nützlichen Insekten ist die Varroamilbe. Auch Walter Hanslok, Imker aus Ebrach, hat dies schon erlebt.

Zwölf Bienenvölker hat er 2007 durch die Varroose (Bezeichnung für den Befall dieser Parasiten) verloren. Im Juli hatte er seine Völker noch erfolgreich gegen die Milbe behandelt, erinnert sich der Imker. Nach einem dreiwöchigen Krankenhausaufenthalt kam Walter Hanslok am 14. Oktober zurück zu seinen Bienen. Zwölf der vierzehn Völker waren ausgelöscht - ein klarer Fall von Wiederansteckung. Bei der Varroamilbe keine Seltenheit.

Streuungsgefahr sehr hoch

Die Varroamilbe (Varroa destructor) beißt sich, vergleichbar mit dem Vorgehen von Blutegeln bei Säugetieren, bei der Honigbiene fest. Zwar befällt die Milbe auch erwachsene Bienen, Entwicklung und Vermehrung finden allerdings in der verdeckelten Brut im Bienenstock statt. Durch die von den Milben zugefügten Schäden werden außerdem Sekundärinfektionen begünstigt, da der Panzer einer Biene im Gegensatz zur menschlichen Haut nicht heilungsfähig ist.

Kurz vor der Verdeckelung schleicht sich die erwachsene Muttermilbe in die Brut ein. In einer Brutfläche von der Größe eines Handtellers (entspricht ungefähr 100 Brutzellen) können sich bis zu 500 Milben aufhalten. Wird in den nächsten Wochen nichts gegen die rasante Vermehrung der Parasiten getan, wäre das befallene Bienenvolk spätestens Anfang Mai des nächsten Jahres nicht mehr existent. Da die Milbe das Volk überdauert, sucht sie sich anschließend einen neuen Wirt - ein neues Bienenvolk.

Auch die "Flucht" einiger Bienen aus ihrem befallenen Stock ist denkbar. Diese suchen sich ein neues Volk, das so ebenfalls infiziert werden könnte. Es besteht eine Streuungsgefahr von drei bis fünf Kilometer um den befallenen Bienenstock herum, erklärt der Erste Vorsitzende des Imkervereins Bamberg und Umgebung, Karl-Heinz Übelacker. Aus diesem Grund ist auch das Timing bei der Varroabekämpfung besonders wichtig. Alle Imker im Umkreis sollten ihre Bienenvölker möglichst zur selben Zeit behandeln.

Bekämpfungsmöglichkeiten

Zur Bekämpfung der Schädlinge gibt es je nach Jahreszeit verschiedene Möglichkeiten. Im Winter, wenn der Bienenstock brutfrei ist, können stärkere Mittel eingesetzt werden als im Sommer, wenn auf die Brut Rücksicht genommen werden muss. Oxalsäure (3,5 Prozent) und Milchsäure (15 Prozent) sind zwei der zugelassenen Mittel, die bei der winterlichen Bekämpfung der Varroose Anwendung finden. Sie wirken sich nicht auf die Brut aus, würden den Milben darin also nichts anhaben können. Bei der richtigen Dosierung tragen die erwachsenen Bienen ebenfalls keinen Schaden davon. Im Winter werden die Mittel gesprüht, im Sommer kommen dagegen säurehaltige Dämpfe zum Einsatz. Um Resistenzen zu vermeiden, sollten die Mittel abgewechselt werden.

Die aktuellen Wetterdaten mit Temperaturen um den Gefrierpunkt sprechen für einen sehr guten Behandlungserfolg mit Oxal- und Milchsäure, zuvor muss allerdings jeder Imker seine Völker auf Brutfreiheit hin überprüfen. Sollten die Völker noch nicht vollends brutfrei sein, muss dieser Zustand vom jeweiligen Bienenhalter hergestellt werden - denn nur dann können die zulässigen Varroamittel zufriedenstellend wirken.

Auch Walter Hanslok betont die Notwendigkeit einer möglichst zeitgleichen Behandlung aller Imker im Umkreis. Zwar seien Bienenvölker nie vollkommen varroafrei, gerade deswegen müssten die Parasiten aber auch im Auge behalten werden. Wenn alle Imker ihre Bienen gewissenhaft behandeln, sollte das Problem (in der Region) bis zum Sommer gelöst sein.



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