LKR Bamberg
Straßenbau

Unterm Asphalt ist oft noch Teer

So verfährt der Landkreis Bamberg mit Ausbauasphalt, der bei der Sanierung von Kreisstraßen anfällt.
Artikel drucken Artikel einbetten

Die Berichte zum Asphaltskandal bei Scheßlitz haben zu zahlreichen Leserreaktionen und - kommentaren geführt. Immer wieder wurde dabei die Frage gestellt, ob es sich bei dem illegal abgelagerten Material möglicherweise um Asphalt handelt, der bei der Sanierung von Kreisstraßen anfällt. Das Landratsamt hat das inzwischen klar dementiert und auf Anfrage der FT-Lokalredaktion erläutert, wie der kreiseigene Tiefbau mit Aufbruch- und Fräsasphalt verfährt.

Der entscheidende Punkt ist dabei stets: Handelt es sich um Asphalt mit dem aus Erdöl gewonnenen Bindemittel Bitumen, oder um teer- bzw. pechhaltigen Straßenaufbruch? Denn Steinkohlenteer enthält eine Reihe giftiger, krebserregender und/oder umweltschädlicher Substanzen. Dazu zählen beispielsweise Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und Phenole.

Belastetes Material

Im Straßenbau wurde in Deutschland bis in die 1970er und 80er Jahre hinein geteert. Seit 1984 ist Teer im Straßenbau verboten. Jedoch wurden in den Jahren darauf oft teerhaltige Schichten mit bitumengebundenem Asphalt überbaut. So offenbar auch im Landkreis Bamberg. "Bei den aktuellen Baumaßnahmen des Landkreises ist hauptsächlich belastetes Material angefallen und deponiert worden", teilt das Landratsamt auf die Anfrage hin mit. Dagegen sei illegal abgelagerte Material nach ersten Untersuchungen nicht teerhaltig.

Vor jeder Straßenbaumaßnahme des Kreistiefbaus werde der Asphalt auf Schadstoffe untersucht. "Wird eine Belastung festgestellt, dann wird ein Entsorgungsweg festgelegt", heißt es weiter. "Mit einem Dienstleister wird eine Deponie - zuletzt Bad Kissingen oder Leipzig - festgelegt, auf der belastetes Material final entsorgt wird." Der Vorgang werde mit elektronischen Begleitscheinen dokumentiert und überwacht. Die Kosten und Gebühren trage der Landkreis.

Aber auch unbelastetes, also nicht oder nur schwach teerhaltiges Material - wie es nach Untersuchungen im Wald bei Burglesau abgelagert wurde -, fällt bei Bauarbeiten an Kreisstraßen an. Dieses werde jedoch von Dienstleistern wiederverwertet, der Prozess ebenfalls mit Liefer- und Begleitscheinen dokumentiert und überwacht.

"Ist der Ausbauasphalt nach den Voruntersuchungen frei von Schadstoffen, wird dieser an eine Asphaltmischanlage zurückgebracht", erklärt das Landratsamt. Diese könne dann den Ausbauasphalt aufbereiten und dem neuen Asphaltmischgut zuführen. "Das entspricht dem Kreislaufwirtschaftsgesetz und ist aus unserer Sicht die hochwertigste Verwertung und der sinnvollste und sicherste Weg."

LfU: strengere Vorgaben

Dem Landesamt für Umwelt (LfU) zufolge ist es zwar "unter engen Rahmenbedingungen prinzipiell möglich", teerhaltiges Material wiedereinzubauen. Jedoch soll es nach neuen Vorgaben "möglichst vollständig aus dem Stoffkreislauf ausgeschleust" werden. PAK-haltiges Material solle deshalb in Bayern nicht nur bei staatlichen Baumaßnahmen, sondern auch für solche in der Zuständigkeit von Landkreisen, Städten und Gemeinden nicht wiedereingebaut werden. "Die energetische Verwertung oder die thermische Behandlung zur Schadstoffzerstörung sollte deshalb grundsätzlich bevorzugt werden", so das LfU. Eine weitere Möglichkeit, die Schadstoffe aus dem Stoffkreislauf des Straßenbaus zu entfernen, sei die Verwertung oder Beseitigung auf Deponien.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren