Bamberg
Klima

Und wieder fehlt der April-Regen

Statt dem für diesen Monat typischen wechselhaften Wetter herrscht schon Trockenheit. Darauf müssen sich nicht nur hauptberufliche Gärtner wie Sebastian Niedermaier einstellen. Denn so schnell sind auch keine Niederschläge in Sicht.
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Foto: Stefan Fößel
Foto: Stefan Fößel
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Müde lassen die Zucchini-Pflanzen ihre Blätter hängen, die Finger des Gärtnermeisters Sebastian Niedermaier fahren durch staubtrockene Erde - es ist höchste Zeit, zu gießen. Während alle Hobby-Gärtner längst wieder Schlauch und Rasensprenger in Betrieb genommen haben, sind es bei Niedermaier elektronisch programmierbare Sprinkler- und Tröpfchenbewässerung - und endlich Wasser aus dem eigenen Brunnen. "Das erste Jahr, in dem wir ohne schlechtes Gewissen bewässern können", sagt der junge Gärtner. Denn der Wasserpreis im Stadtgebiet brachte ihn im trockenen Sommer 2018 an die Grenzen der Verhältnismäßigkeit. Nun bleibt im April 2019 erneut der Regen aus. "Ich hoffe mal, dass das nicht so weitergeht", sagt Niedermaier. Für ihn hat das frühlingshafte Wetter zumindest den Vorteil, dass derzeit schnell Nachschub für seinen Hofladen heranwächst. Vorausgesetzt, er sorgt für genug Wasser.

April, April, der weiß nicht, was er will, heißt es im Sprichwort. Es bezieht sich auf den schnellen Wechsel von Sonne und Regen, aber auch anderer Wetterphänomene, der einst typisch für diesen Monat war. Das sorgte meist auch für reichlich Niederschläge. Doch seit einigen Jahren will es der April vor allem trocken, stellt auch der in Bischberg lebende Meteorologe Thomas Foken fest: "Auf die Frühjahrstrockenheit weisen wir seit mehr als zehn Jahren hin und auch auf deren Folgen." Er sieht hier ein eindeutiges Zeichen des Klimawandels. In den vergangenen zehn Jahren sei der April in Oberfranken um 0,8 Grad wärmer geworden und die Niederschlagsmenge habe um 4,8 Liter pro Quadratmeter abgenommen. "Betroffen ist insbesondere der Raps und spät aufgehende Saaten wie Mais, da hier viel Bodenerosion eintritt. Bei Sand- und Lößböden sind die Folgen erheblich", sagt Foken. Es sei deutlich zu beobachten, dass immer weniger Raps angebaut werde, zumindest in unserer Gegend.

Ursache der trockenen April-Wochen ist laut Foken "die beginnende Erwärmung der Arktis nach der Polarnacht". Damit werde der Strahlstrom und in Folge die Tiefdrucktätigkeit in den mittleren Breiten abgeschwächt. "Das sonst typische Aprilwetter hatten wir schon im März", sagt der Meteorologe.

Glaubt man den Prognosen, wird es auch in den kommenden Tagen keine nennenswerten Niederschläge geben. Laut Wetterexperte Stefan Ochs wird uns auch ein zunächst für Mitte nächster Woche erwartetes Tief nicht erreichen: "Es zieht vom Atlantik nach Irland und biegt dann nach Portugal ab." Daher zeigen die Wettermodelle laut Ochs bis Ende der kommenden Woche niederschlagsfreies Wetter. Es gebe ledigliche eine "kleine Wahrscheinlichkeit für örtliche Schauer und Gewitter". Wie die Regierung von Oberfranken mitteilt, werden wegen des anhaltenden trockenen Wetters und der damit verbundenen hohen Waldbrandgefahr bereits wieder Luftbeobachter im gesamten Regierungsbezirk eingesetzt.

Gärtnermeister Niedermaier ist derweil froh, dass er in den Brunnen und die Elektronik investiert hat. Im Sommer, wenn neben den aktuellen Gemüsen auch schon die Wintersorten bearbeitet werden müssen, ist er dann froh um jede Minute, die er durch die Hilfsmittel einsparen kann. 300 Meter neue Wasserleitungen hat er auf dem Gärtnerei-Gelände in der Mittelstraße gelegt.

So lange es nicht regnet, müssen Radieschen und Salat alle zwei Tage gegossen werden, damit sie zügig durchwachsen. "Bei uns in Franken ist das mit der Trockenheit schon heftig", sagt Niedermaier und dreht den Hahn der Sprinkleranlage auf. Bald darauf glänzen Zucchini-Blätter im künstlichen Regen.

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