Königsfeld
Besuch

Und Öko geht doch!

Der bayerische Umweltminister Thorsten Glauber informierte sich im Naturlandhof Weiß in Laibarös.
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Am Ackerrand informierte sich Minister Thorsten Glauber (4. v. r.) über die Artenvielfalt des ökologischen Landbaus.  alle Fotos: Joseph Beck
Am Ackerrand informierte sich Minister Thorsten Glauber (4. v. r.) über die Artenvielfalt des ökologischen Landbaus. alle Fotos: Joseph Beck
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Wenn man am Haus vorbei auf den Hof geht, sieht man in einem Zaungehege den Hahn und seine Hennen, in einem anderen Gänse und Ziegen, und in weiteren Hasen und andere Tiere - ein Bauernhof, wie man ihn sich vorstellt. Diesen haben sich Irene und Otto Weiß in dem kleinen Juradörfchen Laibarös bei Königsfeld in rund 30 Jahren aufgebaut. Das Besondere an dem Hof ist, dass er nach ökologischen Gesichtspunkten betrieben wird, also ohne den Einsatz chemisch synthetischer Pflanzenschutzmittel und ohne "Kunstdünger".

Diesen "Idealhof" hatte sich auf Einladung der Landesvereinigung für den ökologischen Landbau in Bayern (LVÖ) Thorsten Glauber (FW), der bayerische Minister für Umwelt und Verbraucherschutz, für einen Besuch ausgesucht. Er wollte sich über die Leistungen und Potenziale des ökologischen Landbaus für den Artenschutz informieren.

Da Laibarös durch den Ausbau der Staatsstraße zur Zeit und noch mindestens bis Dezember völlig von der Umwelt abgeschlossen ist, musste der Fahrer des Ministers die Flurbereinigungsschleichwege benutzen, kam aber trotzdem pünktlich zum Termin. Haus- und Hofherr Otto Weiß und seine Frau und Kinder begrüßten ihn freundlich. Der Ökolandwirt stellte kurz seinen 120-Hektar-Betrieb vor - Mutterkühe mit Nachwuchs samt Zuchtbullen und Mastschweinen inklusive. Er betreibe auch Ackerbau, erläuterte Weiß, der darauf hinwies, durch seine biologische Anbauweise mehr für die Artenvielfalt zu tun als etwa nur durch den Anbau von Blühstreifen Und er wünschte sich: "Diese Leistungen sollen auch honoriert werden!"

Dem schloss sich auch Cordula Rutz vom LVÖ an. Sie erklärte, dass nachgewiesenerweise durch den Ökolandbau die Ackerflora um 95 Prozent und die Anzahl der Ackervögel um 35 Prozent zugenommen hätten. "Diese ökologische Bewirtschaftung bringt durch die Fläche und die zusammenhängenden Felder ein besseres Potenzial für alle Tiere und Pflanzen."

Mit dem Minister hatten beide Sprecher einen aufmerksamen Zuhörer. Der Minister betonte den politischen Willen, mehr für den Ökolandbau zu tun, dabei die Bauern aber nicht spalten zu wollen. "Wir müssen in der Diskussion bleiben mit den beiden Formen der jetzigen Landwirtschaft, der konventionellen und der ökologischen", sagte der Minister und verwies auf die großen Herausforderungen. "Die Sichtweise ,wachsen oder weichen' muss endlich aufgegeben werden!", forderte Glauber. Zudem müsse der Verbraucher seine Erwartungen herunterschrauben, dass von früh um sieben bis abends um acht immer alles vorrätig sein müsse. Konkret sagte er: "Wenn die Lende halt mal aus ist, muss der Kunde eben was anderes nehmen oder am nächsten Tag wieder nachfragen." So müsse man dann auch nicht Tonnen an Ware entsorgen, folgerte er.

Ohne Chemie gegen Unkraut

Beim Gang auf die Felder und zu den Weideplätzen der Rinder ergaben sich viele zusätzliche Gesprächsmöglichkeiten zwischen Bürgermeisterin Gisela Hofmann (BBL), Peter Manusch, Jonas Wicklein und Udo Rumpel von Naturland, Sigi Weid von der Regierung von Oberfranken, Matthias Görl von der oberfränkischen staatlichen Ökoberatung und weiteren Teilnehmern.

Am Getreideacker erklärte Weiß, dass er mit Striegeln und Hacken viele Unkräuter als Konkurrenten des Getreides im Griff habe. Das geschehe auch durch den Fruchtwechsel, den er seit 30 Jahren betreibe. Der Boden werde nie mehr als zehn Zentimeter tief bearbeitet und könne so den Humus gut aufbauen.

Trotz dieser Maßnahmen konnte Rebekka Mayer, Angestellte auf dem Biobetrieb, den Gästen dokumentieren, dass im Kornfeld noch zahlreiche, zum Teil geschützte Pflanzen, die auch auf der roten Liste stehen, wachsen. Sie zählte als Beispiele unter anderem das bundes- und bayernweit vom Aussterben bedrohte Flammen-Adonisröschen, den Acker-Wachtelweizen und den Acker-Hahnenfuß auf.

Die Anwesenden forderten nochmals, dass solche Ergebnisse aber auch stärker finanziert werden müssten. Blühraine wurden als blanker Aktionismus dargestellt.

Auf dem Rückweg machte die Delegation noch kurz bei den Rindern Halt. Dabei verwies Otto Weiß noch auf ein weiteres Standbein seines Betriebes, den Hofladen und den wöchentliche Stand am Samstag auf dem Bauernmarkt in Bamberg und Forchheim. Da können Fleisch, Wurst, Eier, Geflügel, Getreide und auch selbst gebackenes Brot direkt vom Erzeuger gekauft werden. Er erwirtschafte damit etwa ein Drittel seiner Einkünfte. Weiß wies aber auch auf den großen Zeitaufwand hin, der zu bewerkstelligen sei. Die vom Verbraucher und auch den bäuerlichen Verbänden oft geforderte oder empfohlene Diversifikation sei nicht einfach, betonte der Landwirt.

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