Bamberg
Hauptsmoorwald

Umstrittener Gewerbepark: SPD-Fraktion bietet Verkleinerung an

Die Spannung im Ringen um das große Gewerbegebiet auf dem Muna-Gelände steigt. Nun bietet die SPD eine Verkleinerung der Rodungsflächen an.
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Gibt es doch noch Verhandlungsspielraum im Ringen um die Zukunft der Muna? Die Kontrahenten wollen noch einmal miteinander reden.  Ronald Rinklef
Gibt es doch noch Verhandlungsspielraum im Ringen um die Zukunft der Muna? Die Kontrahenten wollen noch einmal miteinander reden. Ronald Rinklef

Bislang schienen die Fronten verhärtet, die Positionen weit voneinander entfernt. Die Stadt will auf dem Gelände des ehemaligen Munitionsdepots ein 45 Hektar großes Gewerbegebiet schaffen. Wald von der Größe von 60 Fußballfeldern müsste dafür fallen.

Auf der anderen Seite des Tisches fordern Bürgervertreter den Stopp aller Gewerbepläne. Die Muna soll Naherholungsgebiet werden und kein Gewerbepark, lautet der Wunsch, für den über 13000 Unterschriften gesammelt wurden.

Nun könnte es knapp sechs Wochen vor dem anvisierten Bürgerentscheid noch einmal spannend werden. Gibt es Alternativ-Konzepte, die zwischen den beiden Extremen vermitteln? Beginnt jetzt das große Feilschen?

Einen Versuch in dieser Richtung scheint die Bamberger SPD-Fraktion zu unternehmen. "Um einen Stillstand zu verhindern, muss auch eine weitere Reduzierung der angedachten Gewerbeflächen möglich sein." Eine solche Verkleinerung dürfe kein Tabu-Thema sein, wird Heinz Kuntke von der SPD-Fraktion in einer Pressemitteilung zitiert. Darin appellieren die Sozialdemokraten an die Stadtverwaltung und die Bürgerinitiative gleichermaßen, an den Verhandlungstisch zurückzukehren und "Brücken zu bauen statt Gräben zu vertiefen".

Ganz überraschend kommt das Angebot, bei der Rodungsfläche Abstriche zu machen, nicht. Als der Stadtrat vor zwei Wochen ein Ratsbegehren formulierte, um der Abstimmung gegen den Gewerbepark eine Alternative für einen modifizierten Vorschlag entgegenzustellen, gab es bereits vorsichtige Signale von mehreren Stadträten an die Bürgerinitiative, dass das letzte Wort möglicherweise noch nicht gesprochen ist.

 

Folgen für den Standort Bamberg

Auch Bambergs Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) war in diesem Sinne bemüht, den Gesprächsfaden nicht abreißen zu lassen. Zu viel steht für ihn auf dem Spiel. Die SPD-Fraktion spricht von weitreichenden Folgen für den Wirtschaftsstandort Bamberg, bliebe es beim kategorischen Nein zum neuen Gewerbegebiet im Muna-Wald. Doch es sind nicht nur Millionen-Einnahmen, die, glaubt man der Stadt, in der Kasse fehlen werden. Auch die Tatsache, dass die Muna ohne Gewerbegebiet weiter unzugänglich bleiben werde, sei - wegen des Sanierungsaufwands - eine Folge der Verweigerung.

Angetrieben von den Kosten und dem unsicheren Ausgang eines Bürgerentscheids unterstützt auch die Bamberger CSU-Fraktion den Vorstoß der SPD. "Wenn es hilft, einen teueren Abstimmungstermin zu vermeiden und Konflikte zu entschärfen, sind auch wir für Verhandlungen", sagt der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Peter Neller. Er räumt ein, dass es auf der überplanten Muna-Fläche auch wertvollere Naturzonen gibt, über deren Erhalt man reden könne. Unmissverständlich sei aber auch: "Es muss ein respektables Gewerbegebiet übrig bleiben. Fünf bis zehn Hektar sind sicher kein Kompromiss." Als Vorbild für einen grünen Gewerbepark bezeichnet Neller die Ansiedlung der Telekom an der Gutenbergstraße.

Wie reagiert die Bürgerinitiative auf das Liebeswerben aus dem Rathaus? "Wir sind sehr gespannt, was uns die SPD tatsächlich anzubieten hat", sagt Martin Bücker von der Initiative "Für den Hauptsmoorwald". Im Ratsbegehren habe man keine wirklich substanziellen Zugeständnisse feststellen können, kritisiert der Naturschützer. Das Versprechen, einen grünen Gewerbepark schaffen zu wollen, bezeichnet er als bloßen Etikettenschwindel.

Fünf Hektar "wären ein Witz"

Dennoch hat der Vorstoß der SPD seinen Zweck erreicht: Entgegen den anfänglichen Überlegungen, das Gesprächsangebot des OB auszuschlagen, weil dieser angekündigt hatte, nur noch über das Wie und nicht mehr über das Ob eines Gewerbeparks reden zu wollen, hat sich die Initiative nun doch entschlossen, weiter zu verhandeln. Aber auch Bücker schränkt ein: "Drei oder fünf Hektar Verkleinerung des Gewerbegebietes wären ein Witz."

Inwieweit es tatsächlich noch zu einer Abkehr vom Bürgerentscheid mit seinen zwei Abstimmungsalternativen kommt, ist fraglich. Auch wenn die Stadt tatsächlich die verlangten "substanziellen Verbesserungen" anbieten sollte, steht die Bürgerinitiative unter Zugzwang. "Wir haben ein Mandat von 13000 Leuten, die für den Stopp aller Gewerbepläne unterschrieben haben", sagt Bücker. Er und Mitstreiter Volker Braun sprechen daher von einer hohen Wahrscheinlichkeit, dass am Ende die Bürger entscheiden.



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