Man sollte den Blick von der Altenburg genießen, so lange er noch ist, wie er ist. Wer auf dem höchsten Bamberger Punkt steht, erkennt in fast alle Richtungen unversehrten Waldhorizont. Windräder drehen sich nur ganz vereinzelt. Das wird sich ändern, wenn die Energiewende den Landkreis Bamberg erfasst hat. Von 100, möglicherweise gar 150 Windrädern im Landkreis ist die Rede, seit der Planungsverband Oberfranken-West die potenziellen Windgebiete in der Region benannt hat. Allein im Landkreis schlagen die Flächen mit 1300 Hektar zu Buche - mehr als doppelt so viel wie im Landkreis Coburg oder Kronach.

Und das ist nur der Anfang: Wenn die Region Bamberg bis zum Jahr 2035 die politisch beschlossene Energieautarkie erreichen will, müssen weitere Anlagen dazukommen: Dann werden sich nach Berechnung der Behörden bis zu 200 Windräder im Umkreis Bambergs drehen.


Windräder auch im Steigerwald


Der Zündstoff, der in den Ergebnissen der Regionalplanung steckt, dürfte vielen noch gar nicht bewusst sein. Immerhin ermöglicht der Plan, sollte er das Anhörungsverfahren überstehen, den Bau von Windrädern nicht nur in den Gebieten, die bisher schon zu den verdächtigen zählten, auf dem Jura zum Beispiel. Auch im Steigerwald bei Burgebrach, bei Walsdorf, bei Trunstadt und Merkendorf werden sich künftig Dutzende Windräder drehen.

Doch was dem einen wie eine düstere Zukunftsvision erscheint, verheißt für andere eine glänzende Perspektive, vor allem wirtschaftlich betrachtet. Rund 800 Millionen Euro geben die 210.000 Bürger von Stadt und Landkreis Bamberg jährlich für Energie aus, hat eine Potenzialanalyse des Fraunhofer-Instituts herausgefunden. Der Löwenanteil fließt in den Kauf fossiler Energiequellen wie Öl und Gas. Für den grünen Politiker Peter Gack aus Bamberg ist die Schlussfolgerung klar: "Dieses Geld ging der regionalen Wertschöpfung bisher verloren und könnte künftig dorthin fließen kann, wo die Menschen leben."

Doch können die Bürger beim Bieterwettbewerb überhaupt mithalten? Die Konzerne haben den Wettlauf auf die 1300 Hektar große Windradfläche im Landkreis Bamberg längst eröffnet. Nicht nur die Münchner Stadtwerke sollen ihre Fühler nach Frankens Höhenlagen ausgestreckt haben. Auch dem Düsseldorfer Unternehmen "Naturstrom AG" wird Interesse an einem Windpark in Wattendorf nachgesagt.


Regionalwerke sollen informieren


Doch wo können Bürger, die die Energiewende in der Region mitgestalten wollen, sich informieren, wo ein konkretes Angebot erhalten? Genau diese Lücke versucht der Landkreis mit dem Aufbau eigener Regionalwerke zu füllen. Auf der Grundlage einer GmbH oder Genossenschaft soll eine Organisation entstehen, die als Berater und auch als Unternehmer für sämtliche Belange der Energiewende vor Ort fungieren könnte. Ein Beispiel, dass Bürgerengagement auch wirtschaftlich sein kann, ist das bereits 1998 gebaute Windrad Sassendorf. Rund 100 Darlehensgeber aus der Region haben das Projekt finanziert und profitieren bis heute davon. "Wir wollen die Menschen mitnehmen und ihnen die Möglichkeiten aufzeigen, die darin stecken, wenn sie die Energieerzeugung nicht allein den Konzernen überlassen", sagt Robert Martin, der Klimaschutzbeauftragte des Landkreises Bamberg.

Die Chancen sind laut Martin erheblich, vor allem bei der im Landkreis bislang unterrepräsentierten Windkraft. Das Investitionsvolumen von 100 Windanlagen beziffert er mit über 500 Millionen Euro. Doch weil die Renditen aus Windkraft deutlich über denen anderer Anlagen liegen, wird es wohl nicht am Geld mangeln: "Es herrscht eine Goldgräberstimmung. Die 100 Windräder können sich bereits 2015 drehen", sagt Martin.


Stadtrat signalisiert Zustimmung


Noch ist das Zukunftsmusik. Die "Energiewende von unten" war in der Region Bamberg bislang eher schwach ausgeprägt, sagt Gabriele Pfeff-Schmidt. Die Kreisbaumeisterin tingelt derzeit durch die Rathäuser und wirbt um Zustimmung für die "Regionalwerke". Beim Bamberger Stadtrat stieß sie auf offene Ohren. Einstimmig beschloss das Gremium, das Projekt weiter zu verfolgen. Gerade im Verbund zwischen der Stadt mit ihrer engmaschigen Infrastruktur und dem Landkreis mit seiner großen Fläche versprechen sich die Stadträte Vorteile.
Was für die Bürger wichtig ist: Jeder, der Einwände gegen die Flächen hat oder andere vorschlagen will, kann sich im Anhörungsverfahren an den Regionalen Planungsverband Oberfranken-West wenden. Den Behörden obliegt dann die Pflicht zur Abwägung aller Gesichtspunkte, wie Christiane Odewald von der Regierung erklärt.

Doch Windkraftgegner sollten sich keinen Illusionen hingeben: Die Energiewende wird sich auch im Raum Bamberg kaum aufhalten lassen. Dazu ist der Bedarf an erneuerbaren Energien zu hoch, wenn in wenigen Jahren die letzten deutschen Atomkraftwerke vom Netz gehen. Besonders die Windkraft hat mit ihrem bisher geringen Anteil von 1,6 Prozent an der Stromerzeugung in der Region noch großen Nachholbedarf.

Auch die Bamberger Stadtwerke wollen so bald wie möglich Windräder bauen. Wie Geschäftsführer Klaus Rubach bestätigt, sichert sich der Energieanbieter derzeit Standorte im Landkreis. Auch ein Beteiligungsmodell für Bürger aus der Region soll kommen: Damit die Gewinne der Energiewende in der Region auch in der Region bleiben.