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Bamberg
Lesung

Ulrich Holbein füllt die Villa Concordia

Ulrich Holbein landete in der Villa Concordia mit seinem Lichtbildervortrag über Jean Paul und Goethe einen Publikumsrenner. Der 60-jährige Ex-Stipendiat betreibt fröhliche Wissenschaft.
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Was war das? Ist Ulrich Holbein zum Harry Rowohlt der Villa Concordia mutiert? Noch nie ward ein solcher Andrang gesehen, als am Montagabend der Ex-Stipendiat aus seinem Jean-Paul-Buch nicht einfach vorlas, sondern darüber improvisierte.



Noch der letzte Reservestuhl hatte geholt werden müssen, denn es ist eine fröhliche Wissenschaft, die der 60-jährige Autor da veranstaltet. Biografien des wunderlichen Geistes aus dem Fichtelgebirge, der vor 250 geboren wurde und in diesem Jahr am laufenden Band gefeiert wird, gibt es genug. Da fügte der Geistesverwandte Holbein, der im Knüllgebirge wohnt, nicht einfach eine weitere hinzu, sondern fertigte für "Ein Chinese in Rom.
Jean Paul und Goethe: ein untendenziöses Doppelporträt" eine Collage aus biografischen Fragmenten, Ab- und Ausschweifungen und Spekulationen.

Die Veranstaltung lief unter dem Serientitel "Mein Kollege Richter - Schriftsteller über Jean Paul", und wer hätte dazu berufener sein können als Ulrich Holbein? Denn der Autor hat 1000 Veröffentlichungen auf der Liste, 25 Bücher, etliche Preise, darunter einen für grotesken Humor. Damit hat man den Schlüssel zum Verständnis des Villa-Abends in der Hand. Holbein lässt Jean Paul und Goethe gegeneinander antreten. Eindeutiger Sieger nach Punkten: der wesentlich sympathischere Fichtelgebirgler. Nicht nur, weil er 44 000 Druckseiten schrieb (Goethe 22.000).

Holbein rief eine Art Jean-Paul-Ähnlichkeitswettbewerb aus und schilderte einen Besuch Jean Pauls beim eisigen Goethe. Andererseits listete er Gemeinsamkeiten der beiden auf. So blickten beide skeptisch in die Zukunft. Jean Paul sah immerhin Atheismus und Amerikanisierung voraus und "Flotten von Luftschiffen" 200 Jahre vor dem 20. Jahrhundert; er war keineswegs ein biertrinkender Biedermeiertyp. Leider ging die Geistesverwandtschaft der beiden, Holbeins und Jean Pauls, so weit, dass der Vortrag zum Schluss hin sich etwas verzettelte. Der "Chinese" bezieht sich übrigens auf eine Schmähung Goethes, der Jean Paul in Weimar herumtappen sah. Dabei pickten dort die Hühner auf der Straße vor Goethes Haus. Selber Provinzler!

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