Bamberg
Debatte

Über Tourismus und Übertourismus in Bamberg

An der Universität wurde diskutiert, was Bamberg im Hinblick auf steigende Besucherzahlen tun kann - und ob es hier überhaupt "Over-Tourismus" gibt. Verschiedene Ansätze samt Vor- und Nachteilen im Überblick.
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Ist die Obere Brücke mit Touristen überfüllt? Da geht die Meinung von Bambergern und Shanghaiern wohl auseinander. "Over-Tourismus" ist vor allem eine Frage der Wahrnehmung, kam bei einem Gespräch an der Universität Bamberg heraus.  Foto: Gerhard Beck/Archiv
Ist die Obere Brücke mit Touristen überfüllt? Da geht die Meinung von Bambergern und Shanghaiern wohl auseinander. "Over-Tourismus" ist vor allem eine Frage der Wahrnehmung, kam bei einem Gespräch an der Universität Bamberg heraus. Foto: Gerhard Beck/Archiv
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Eines sonnigen Sommernachmittags stehen drei Knäuel von je etwa 12 Touris am Leinritt und stoßen beim Anblick von Klein Venedig Äußerungen der Verzückung in der jeweiligen Landessprache aus. Ein Bamberger radelt auf sie zu, kommt aus Mangel an Alternativen zum Stehen und ruft: "Des is fei a Strass' und ka Museum!"

An dieser so beobachteten Szene zeigt sich, warum ein vierstündiges "Symposium Over-Tourismus" an der Uni Bamberg abgehalten worden ist. Auf der einen Seite werden begrenzte städtische Ressourcen durch steigende Touristen- wie Einwohner- und Studenten-Zahlen von immer mehr Menschen beansprucht. Auf der anderen Seite heißt es "Welterbe" - und nicht "Erbe nur für Bamberger". Die Altstadt ist also im Grunde "scho a weng a Museum". Und davon profitieren auch viele Bamberger: Der Tourismus ist mittlerweile der zweitwichtigste Wirtschaftsbereich, rund 6000 Arbeitsplätze hängen davon ab.

Doch weil sich auch die Ausgehmeile mitten im Welterbe befindet, verschärft sich die Situation zwischen Anwohnern, feiernden Bambergern, Landkreisbewohnern und Touristen, die sich die engen Gassen und Gaststätten teilen müssen.

Over-Tourismus? Mehr ein Gefühl

Aber kann man wirklich von "Over-Tourismus" sprechen? Professor Andreas Kagermeier von der Uni Trier zeigt in seinem Vortrag: Bamberg liegt im Durchschnitt der städtetouristischen Entwicklung und ist bei Übernachtungen pro Einwohner weit davon entfernt, ein Venedig, Barcelona oder Amsterdam zu werden. Das Verhältnis ist ähnlich dem der Landeshauptstadt - aber die Wahrnehmung ist eine ganz andere: In München ist der Tenor zum Tourismus eher Stolz als Missmut. "Man hat sich arrangiert, meidet die Theresienwiese während des Oktoberfestes, und solange man im Biergarten unter sich ist, ist alles in Ordnung", interpretiert Kagermeier seine Forschungsergebnisse.

Entsprechend kritisch steht er der Idee von Bambergs Kulturbürgermeister Christian Lange (CSU) gegenüber, die Touristen durch neue Angebote in die Viertel außerhalb des Zentrums zu locken. Denn Rückzugsräume seien für die Toleranz gegenüber Gästen besonders wichtig. Die Viertel könne man gerne aufwerten, aber für die Bamberger. Zudem bleibt der Domstadt-Tourist im Schnitt 1,8 Tage - "und da will er die Altstadt sehen".

Auch in Kagermeiers Heimatstadt Trier geht man trotz ähnlicher Zahlen und Strukturen (nicht viel größer, ebenfalls Welterbe, ebenfalls Flusskreuzfahrer) entspannter mit Tourismus um: "Weil man stolz darauf ist, nimmt man auch in Kauf, dass man am Schwarzen Tor nicht durchkommt." Dort wuchs der Tourismus allerdings gemächlicher als in Bamberg.

Weil Reiseerfahrungen und Fotos die Konsumgüter als Statussymbole zunehmend ablösen, wird der Tourismus den Prognosen zufolge weiter zunehmen. Und man wird sich auch in Bamberg damit arrangieren müssen. Dabei hilft vielleicht ein Satz aus der Eröffnungsrede von Marc Redepenning (Uni Bamberg): "Nicht vergessen: Wir sind auch Touristen - nur eben woanders."

Fünf Ansätze aus dem Symposium

Verteilung auf Stadtviertel und Landkreis

"Visit Amsterdam, see Holland" - so wirbt die niederländische Hauptstadt, um Touristen ins Umland zu bewegen. Auch der Landkreis Bamberg hat viel zu bieten. Allerdings bleibt der Durchschnittstourist nur 1,8 Tage - und da will er die Altstadt sehen. Für Längerbleibende könnten sich Touren in den Landkreis aber lohnen. Von touristischen Angeboten in Vierteln außerhalb des Zentrums rät Professor Andreas Kagermeier (Uni Trier) ab: So würden den Bambergern ihre Rückzugsräume genommen.

Tourismus nicht weiter bewerben

Bamberg solle sich nicht weiter um Touristen bemühen, forderte eine Bewohnerin der Inselstadt. Allerdings floriert der Städtetourismus weltweit - und damit auch die Einnahmen. Die Städte stehen in Konkurrenz zueinander. Wenn Bamberg nicht den Anschluss und die jährlich fast 300 Millionen Euro an Einnahmen verlieren will, muss man sich im Wettbewerb behaupten.

Regeln verschärfen (z.B. Alkoholverbot)

Dass Junggesellenabschiede und andere "Saufgruppen" bei Bamberger Gastronomen in der Regel keinen guten Stellenwert haben, hat sich bereits herumgesprochen. Kann ein öffentliches Alkoholverbot in der Innenstadt weitere unerwünschte Gäste fernhalten?Vielleicht. Allerdings trifft jede Einschränkung auch die Bamberger - was das Gefühl, der Tourismus hätte zu viele negative Auswirkungen, noch verstärken dürfte.

Zweckgebundene Tourismus-Abgabe

Bettensteuer, Kurtaxe, Tourismus-Abgabe, Liegegebühr für Kreuzfahrtschiffe: Es gibt viele Modelle, die öffentliche Hand am Geschäft mit dem Tourismus zu beteiligen. Allerdings sollte die Abgabe zweckgebunden eingesetzt werden - etwa zur Stärkung der Infrastruktur (ÖPNV, Radwege, Denkmalschutz). Oder zur Förderung kultureller Angebote - damit Einwohner wie Gäste profitieren.

Toleranz fördern, Rückzug erleichtern

Der Städtetourismus wird den meisten Prognosen zufolge weiter zunehmen. Statt sich quer zu stellen, empfehlen die Forscher, lieber die Toleranz der Einwohner zu fördern und sie an positiven Effekten teilhaben zu lassen. Zum Beispiel sollten große Stadtfeste in der Hauptsaison möglichst außerhalb der Innenstadt stattfinden. makl

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