Franken
Sicherheit

Tumulte und Massenschlägereien: Wie sicher sind Frankens Schwimmbäder?

Die fränkischen Badeanstalten sind weit entfernt von den Zuständen wie jüngst aus Düsseldorf vermeldet. Die Betreiber arbeiten trotzdem oft mit Sicherheitsdiensten zusammen.
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Das Westbad ist das besucherstärkste Bad in Nürnberg. An heißen Tagen kommen bis zu 8000 Gäste.  Foto: Stadt Nürnberg, NürnbergBad
Das Westbad ist das besucherstärkste Bad in Nürnberg. An heißen Tagen kommen bis zu 8000 Gäste. Foto: Stadt Nürnberg, NürnbergBad
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In den vergangenen Wochen kam es immer wieder zu teils heftigen Zwischenfällen in Freibädern, die deutschlandweit für Schlagzeilen sorgten. In einem Düsseldorfer Freibad gab es zuletzt wiederholt Tumulte, in einem Münchner Freibad gar eine Massenschlägerei. Der "Bild"-Zeitung war diese Entwicklung im Juli sogar eine eigenen Sommerserie mit dem Titel "Der Freibad-Report" wert.

Wie geht es in fränkischen Freibädern zu? Was tun die Betreiber für die Sicherheit ihrer Gäste? Wir haben exemplarisch in vier Bädern nachgefragt. Außerdem haben wir mit einem Psychologen gesprochen, um herauszufinden, warum die Menschen gerade in Freibädern so ausrasten.

Westbad Nürnberg

Seit den Tumulten im Düsseldorfer Rheinbad und der Massenschlägerei im Münchner Michaelisbad steht bei Gerhard Albert das Telefon nicht mehr still. Medien aus ganz Deutschland wollen wissen, wie es um die Sicherheit in den Nürnberger Freibädern steht. Vor allem das Westbad, mit bis zu 8000 Gästen das besucherstärkste der Nürnberger Freibäder, ist an heißen Tagen ein Schmelztiegel im doppelten Wortsinn und taucht wegen Zwischenfällen hin und wieder in der Presse auf.

"Wenn es heiß wird, gehen halt viele Menschen gern ins Bad und das Westbad hat einen großen Einzugsbereich", sagt der Leiter von NürnbergBad. "Wo mehrere Tausend Besucher an einem Platz zusammenkommen, passiert schon mal was. Aber so krasse Fälle wie in Düsseldorf haben wir nicht."

 

Bereits an der Kasse sitzt geschultes Personal, das aggressive oder betrunkene Menschen nicht einlässt. Wenn Badegäste aneinandergeraten, gehe das Personal dazwischen und es werden auch Hausverbote ausgesprochen. Gerade im Getümmel werde schon mal geschubst, auch übergriffige Berührungen kämen vor. "Unsere Mitarbeiter sind für solche Situationen geschult", sagt Albert. "Sie haben ein Deeskalationstraining durchlaufen und können sexualisierte Gewalt erkennen."

Bei Klagen über sexuelle Belästigung schalte das Personal sofort die Polizei ein. Personal bedeutet in diesem Fall nicht nur Bademeister, sondern auch Security. Im Westbad haben die Fachkräfte ihr Kerngeschäft am Wasser und in der Technik, erklärt Albert. "Alle anderen Aufgaben wie Streit schlichten oder ein verlorenes Handy suchen, machen andere." Deshalb wurde Personal zugekauft. "Die Wachleute entlasten uns."

Aquaria Coburg

Auch im Aquaria Coburg sind Wachleute im Einsatz. "Wir arbeiten schon seit Jahren mit einem Sicherheitsdienst zusammen, der besonders an heißen Tagen präsent ist und unser Team unterstützt", erklärt Abteilungsleiter Jörn Kirchner. Aktuell gebe es keine Probleme. "Die Polizei musste in diesem Jahr noch nicht anrücken."

Hin und wieder gebe es kleine Dispute, auch würden vereinzelt Hausverbote ausgesprochen. Das komme jedoch in jedem Jahr vor. "Generell kann man sagen, dass es in Coburg noch sehr ruhig zugeht", stellt Kirchner fest. "Jedoch fällt auf, dass der Respekt vor der Badeaufsicht in den letzten Jahren abgenommen hat. Viele Ansprachen des Aufsichtspersonals werden hinterfragt."

Stadionbad Bamberg

Im größten der Bamberger Freibäder, dem Stadionbad, ist die Saison "bis jetzt total geräuschlos verlaufen", sagt Jan Giersberg, Sprecher der Stadtwerke Bamberg. Selbst an den heißen Tagen im Juli mit Rekordbesucherzahlen habe es keine besonderen Zwischenfälle gegeben. Ein paar Pöbeleien und Wortgefechte zählt Giersberg zum "ganz normalen Programm".

Wenn das Bad an heißen Tagen voll ist, sorgen "schwarze Sheriffs" für Ordnung. Der Sicherheitsdienst wird seit 2017 im Stadionbad eingesetzt. Damals war es nach der Eröffnung des AEO-Ankerzentrums Oberfranken zu Zwischenfällen gekommen, weil sich ein paar Bewohner der AEO beim Freibadbesuch nicht an die Regeln hielten. "Wir haben sofort reagiert", sagt Giersberg. "Die Situation hat sich in den letzten Jahren extrem verbessert."

Königsbad Forchheim

Im Königsbad Forchheim scheint die Welt noch in Ordnung zu sein. "Wir sind bisher von Vorfällen wie Düsseldorf verschont geblieben, was wohl auch an der viel geringeren Einwohnerzahl unserer Stadt herrührt", sagt Betriebsleiter Christian Lenkl. "Sicherlich hatten wir auch schon die Polizei vor Ort, um die Personalien von einzelnen Störenfrieden feststellen zu lassen. Das lässt sich bei mehreren Tausend Besuchern am Tag aber auch nicht verhindern."

Eine Mehrung solcher Vorfälle kann Lenkl jedoch nicht feststellen. Auch sei bisher kein Sicherheitspersonal nötig.

 

Die fränkische Polizei wird nicht oft ins Freibad gerufen

Fragt man die Polizei nach aktuellen Vorkommnissen und Einsätzen in Schwimmbädern, erfährt man zunächst: Zwischen Freibad und Hallenbad sei statistisch keine klare Unterscheidung möglich, da in vielen Fällen beides kombiniert ist. Aber ob Schwimmvergnügen draußen oder drinnen - die Badegäste können sich in Franken relativ sicher fühlen.

Einen Lagebericht aus Oberfranken gibt Anne Höfer, Sprecherin im Polizeipräsidium Bayreuth. "Ab und zu ist die Polizei in Frei- und Hallenbädern vor Ort." Dort seien im vergangenen Jahr oberfrankenweit 18 "Rohheitsdelikte" (Körperverletzung) bearbeitet worden. Für die Saison 2019 rechnet Höfer mit ähnlichen Zahlen. "Die Einsätze in Schwimmbädern sind vielfältig, neben Straftaten wie Körperverletzungen nehmen die Beamten auch Ermittlungen wegen Unfällen, Drogenverstößen, Hausfriedensbruchs und Diebstählen auf", erklärt die Polizeisprecherin.

Kein Einsatzschwerpunkt

In Unterfranken gibt es wenig Probleme im Bereich von Schwimmbädern und speziell Freibädern. "Die Freibäder stellen weder Einsatzschwerpunkte dar noch anderweitig aus polizeilicher Sicht eine besondere Auffälligkeit im Vergleich zur allgemeinen Sicherheitslage", sagt Kathrin Thamm vom zuständigen Polizeipräsidium in Würzburg.

Eine Recherche zu Polizeieinsätzen in allen Bädern der Region ist Thamm zufolge nicht möglich. Lediglich für das Dallenbergbad in Würzburg kann sie Zahlen nennen: Dort sei die Polizei in der laufenden Saison neunmal - einmal wegen Körperverletzung - gerufen worden.

Alternativ zu den Einsätzen hat Thamm zu Delikten in Schwimmbädern recherchiert. Hier gab es zwischen 2014 und 2018 in den Bereichen Gewalt gegen Personen und Sexualdelikte 167 Straftaten in unterfränkischen Schwimmbädern.

Im Bereich der Polizei Mittelfranken kam es in den größeren Bädern 2019 bislang zu wenigen Einsätzen. "Sie liegen im niedrigen einstelligen Bereich. Die Einsätze haben in den vergangenen Jahren nicht signifikant zugenommen", sagt Elke Schönwald, Sprecherin des Polizeipräsidiums in Nürnberg. "Das aktuell publizierte Phänomen der Gewalt im Freibad ist im hiesigen Präsidialbereich noch nicht aufgetreten."

Straftaten gehen zurück

Jedoch würden Konflikte im unterschwelligen Bereich oft durch das Aufsichtspersonal in den Bädern entschärft, weshalb die Polizei davon keine Erkenntnis erlange, so Schönwald weiter. Seit 2013 sei die Zahl der Straftaten in mittelfränkischen Badeanstalten aber von 366 auf 197 im Jahr 2018 gesunken.

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