Hirschaid
Umwelt

Tüfteln statt schlaue Sprüche

Bei der Energiemesse in Hirschaid gab es viele Informationen zum Thema Klimaschutz.
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Roboter basteln aus alten Bügeleisen, Lampenschirmen, Haartrocknern: Kreativer Nachwuchs für die Elektro- und Metallbranche konnte sich bei der Energiemesse in Hirschaid entfalten.  Foto: Werner Baier
Roboter basteln aus alten Bügeleisen, Lampenschirmen, Haartrocknern: Kreativer Nachwuchs für die Elektro- und Metallbranche konnte sich bei der Energiemesse in Hirschaid entfalten. Foto: Werner Baier
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Das Klima schützen, aber wie? Was kann der einzelne zur Genesung der Umwelt beitragen? Antworten darauf wurden bei der Energiemesse "element-e" in Hirschaid gegeben, sofern sich denn die Besucher mit den Ausstellern auf ein Gespräch einließen oder sich mit dem reichlich angebotenen Informationsmaterial eindeckten.

Also: Was ist dem Bundesbürger zu empfehlen, um der Bundesregierung zu helfen, Deutschlands Klimaziel zu erreichen? Gegenüber 1990 soll die Bundesrepublik bis 2030 mindestens 55 Prozent der Treibhausgase reduzieren. Da kann sich kaum jemand aus der Mitverantwortung stehlen. Innerhalb der nächsten elf Jahre werden wohl die meisten Fahrzeughalter mal ihren Fuhrpark erneuern.

Hört man auf Kurt Sigl, den Präsidenten des Bundesverbands eMobilität Deutschlands, dann sollte der Verbrennungsmotor und vor allem der Selbstzünder ausrangiert werden. Schon vor 30 Jahren hätten Fahrzeugkonstrukteure erkannt: "Sauber kriegen wir den Diesel nie!", berichtete Sigl als Gast der Energiemesse aus erster Hand. Momentan liege in Deutschland der Erfolg der E-Mobilität im Bereich der Batterie unterstützten Zweiräder, ein erfreulicher Anfang auch für regionale Hersteller und Zulieferer. Mit Blick nach China aber, wo inzwischen Elektrofahrzeuge "auf Weltspitzenstandard" produziert und gekauft würden, forderte Sigl ein hohes Engagement der deutschen Autohersteller, der Politik und der Verbraucher, um den Anschluss zu gewinnen und mitzuhalten. Andernfalls, so warnte der Präsident des Bundesverbands eMobilität, gingen hierzulande "alle Arbeitsplätze in der Branche verloren".

E-Cars deutscher Herkunft gibt es natürlich schon. Auf Hochglanz poliert, waren sie auf der Energiemesse nicht zu übersehen. Unter anderem ein schwarzer Riese mit 360 PS für 108 700 Euro; ferner ein 44 000 Euro teurer kleiner Mittelklassewagen mit 170 PS, der bei 150 Stundenkilometer abgeregelt wird, um nicht zu viel Strom zu fressen, oder ein Zweisitzer um die 30 000 Euro. Erkenntnis so manchen Besuchers: Die Preispolitik beim E-Car made in Germany erleichtert den Umstieg auf einen "Stromer" nicht gerade.

Günstiger schafft es mittlerweile schon die europäische Konkurrenz. Europas meistverkauftes E-Car ist ein Franzose, auf der Messe wohlfeil für 17 895 Euro. Das macht leicht nervös in einer Region, deren große Industriebetriebe - samt all ihrer Arbeitsplätze - vom Erfolg des Automobils abhängen. Wäre dem Klimaziel auf dem Mobilitätssektor nicht auch kurzfristig und günstiger näherzukommen, etwa durch eine politisch gewollte, gesetzliche Geschwindigkeitsbegrenzung - Autobahn 130, Landstraße 90? "Ja" lautete kurz und bündig die Antwort eines Insiders, der aber nicht genannt werden möchte.

Masterplan gefordert

Frank Seuling, der Inhaber des Energieparks Hirschaid, forderte angesichts des spürbaren Klimawandels und der berechtigten Forderungen der jungen Generation von der Politik einen "umfassenden Masterplan für Energie und Mobilität". Den hatte allerdings der neue bayerische Umweltminister Thorsten Glauber aus Forchheim auch nicht parat, als er der Energiemesse sein Grußwort entbot. Er erwartet Fortschritte aus der angestrebten Vernetzung der bayernweiten Agenturen für Energie und Klimaschutz mit allen relevanten "Playern", also der infrage kommenden Industrie, den Erfindern, Tüftlern und Konstrukteuren. Zudem müsse man die Bauherren ins Boot bekommen, appellierte Glauber. Dabei verkannte der Umweltminister nicht, dass sich für Investoren sofort die Kosten-Nutzen-Rechnung stelle. Und auch da gibt es kein Patentrezept.

Landrat Johann Kalb (CSU) versicherte, nicht nur mit einem E-Car-Sharing-Modell Sympathie für die neuen Techniken zu werben, sondern alles zu tun, um die Energie-Autarkie des Landkreises zu erreichen. So steht beim Landkreis die Energieberatung hoch im Kurs. Eine gute Adresse, um neutrale Informationen zu erhalten, sind traditionell die Verbraucherzentralen. Auch sie sind gerne behilflich, auf den Einzelfall zugeschnittene Lösungen herauszufinden, die "wirtschaftlich interessant sind und funktionieren", was Umweltminister Glauber als wichtigen Maßstab vorgab.

Dem Klimaschutz dient nach wie vor die Ertüchtigungen des Bestands. Verbraucherberater Georg Heinrich aus Uttenreuth empfahl an seinem Messestand zum Beispiel die Erstellung von "Tagesgangprofilen": Über 24 Stunden hinweg werden die Verbrauchsspitzen und Energieverluste ermittelt, um die richtigen Schlüsse zu ziehen. Georg Lunz aus Litzendorf warnte denn auch davor, "mit Kanonen auf Spatzen zu schießen". So könne manches schlecht isolierte Flachdach aus den 1960er bis 80er Jahren vergleichsweise preiswert durch "Einblasdämmung" energietechnisch verbessert werden, was sich oft schon nach zwei bis drei Jahren amortisiere.

Deutlich wurde bei der Vielfalt der Messe-Exponate: Wer heute eine Heizungsanlage neu einbauen oder ersetzen muss, sollte sich umfassend informieren. Die beste Luft-Wasser-Wärmepumpe kann 60 Prozent Heizkosten sparen. Aber sie verbraucht Strom und der wird wahrscheinlich auch nicht billiger.

Junge Elektronikbastler

Auf der Energiemesse nicht zu übersehen war ein Info-Truck, der mit der Losung "Deine Chance in der Metall- und Elektroindustrie" dem Fachkräftemangel entgegenwirkte. Noch etwas zu früh für die sieben- bis 13-jährigen Mädchen und Buben, die sich mit Eifer und Kreativität als Elektronikbastler einen Wettstreit um kampftüchtige Roboter aus Haushaltsschrott lieferten: Klima rettet man mit Technik, weniger mit schlauen Sprüchen.

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