Bamberg
Gesundheitsamt

Tuberkulosefall am Klinikum Bamberg: Tests bei Babys und ihren Müttern haben begonnen

Haben sich Babys auf der Entbindungsstation am Klinikum Bamberg bei einer Mitarbeiterin mit Tuberkulose angesteckt? Das untersucht jetzt das Gesundheitsamt. Dazu werden 650 Mütter und ihre Kinder getestet.
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Eine Mitarbeiterin der  Entbindungsstation am Klinikum Bamberg ist an Tuberkulose erkrankt. Nun müssen rund 650 Mütter und ihre Babys getestet werden. Foto: Ronald Rinklef
Eine Mitarbeiterin der Entbindungsstation am Klinikum Bamberg ist an Tuberkulose erkrankt. Nun müssen rund 650 Mütter und ihre Babys getestet werden. Foto: Ronald Rinklef

Nach Bekanntwerden der Tuberkulose-Erkrankung einer Krankenschwester auf der Entbindungsstation im Klinikum Bamberg sind beim Gesundheitsamt Bamberg die sogenannten Umgebungsuntersuchungen angelaufen. So werden in den nächsten drei Wochen 650 Mütter mit ihren Kindern auf eine mögliche Infektion getestet. Das gab Amtsarzt Dr. Heinz-Jürgen Wagner am Montag auf einer Pressekonferenz im Klinikum bekannt.

Für die Untersuchung sind bereits knapp 90 Informationsbriefe an Betroffene verschickt worden. Außerdem ist eine Hotline am Landratsamt eingerichtet worden. Erste Tests hatten keine Anzeichen einer Infektion bei Kindern ergeben.

Durchatmen können dabei Eltern, die ihr Baby nach dem 29. März im Klinikum zur Welt gebracht haben. Ab da war die Mitarbeiterin im Krankenstand. Die Lungen-Tuberkulose war bei ihr erst im Anschluss im April diagnostiziert worden. Die Frau ist laut Wagner in einem relativ guten Zustand: "Sie ist sportlich und steckt das weg", sagt der Medizinaldirektor.

Nach einem standardisierten Verfahren werden in den kommenden Tagen (auch am 1. Mai) alle Mütter mit ihren Neugeborenen im Gesundheitsamt untersucht, die zwischen Januar und März in der Säuglingsstation waren. Zunächst werden diejenigen getestet, die im Februar Kontakt mit der Mitarbeiterin hatten.

Für eine Ansteckung mit Tuberkulose (TBC) wäre laut Wagner ein enger Kontakt der erkrankten Mitarbeiterin mit einem Kind erforderlich, was wohl nur selten der Fall war. Deshalb geht er davon aus, dass nur jedes zehnte oder 20. Kind betroffen sein könnte. Da jedoch im Einzelfall nicht definitiv klar sei, wie intensiv ein Säugling Kontakt zu der Krankenschwester hatte, müssten alle fraglichen Kinder und Mütter getestet werden.


Säuglinge mehr gefährdet

Übertragen wird TBC laut Wagner über Tröpfchen, nicht verbreitet werde die Infektion dagegen über Kleidung oder andere Gegenstände. Erwachsene müssten für eine Infektion mindestens acht Stunden in einem geschlossenen Raum mit einem erkrankten Menschen sein. Eine Übertragung scheint bei Eltern deshalb unwahrscheinlich.

Die Gefahr für Säuglinge und Kleinkinder will Wagner dagegen nicht herunterspielen, auch wenn er Panikmache vermeiden will: Kinder unter fünf Jahren reagierten speziell bei einer TBC-Erkrankung. So entwickelten 50 Prozent eine normale Lungentuberkulose. Bei besonders abwehrgeschwächten Kindern könne aber eine systemische Erkrankung ausbrechen, was eine ernste Sache darstelle: Hirnhautentzündung sei ein Stichwort. "Es ist sehr selten, aber man kann es nicht verharmlosen, deshalb untersuchen wir jedes Kind und jede Mutter."

Dazu werde ein Hauttest durchgeführt, der erst acht Wochen nach dem Kontakt mit der erkrankten Mitarbeiterin zuverlässig durchführbar sei. Ist ein Kind infiziert, könnten sich bei dem Test bereits nach drei Tagen Rötungen oder Schwellungen zeigen. Bei einem positiven Befund müssten die Betroffenen zum Kinderarzt zur weiteren Untersuchung. Präventiv würde dann ein starkes Antibiotikum verabreicht. Bei Befall der Lunge oder anderen Organen müssten vier verschiedene Medikamente eingesetzt werden.


Mitarbeiter ebenso untersucht

Ende dieser oder Anfang nächster Woche liegen laut Wagner die ersten Testergebnisse vor: "Ich hoffe, dass unter den Kindern, die in dieser Woche untersucht werden, kein Kind dabei sein wird, das irgendwie infiziert ist, dann kann man das Ganze entspannter sehen." Damit dürfte wohl ebenso die Wahrscheinlichkeit einer Infektion anderer Babys sinken. Ansonsten könnte es sein, dass auch noch Kinder getestet werden müssen, die Ende 2017 geboren wurden.

Auch die Klinikums-Mitarbeiter, die länger Kontakt zu der Krankenschwester hatten, sollen untersucht werden. Abgesehen davon besteht laut dem ärztlichem Direktor, Professor Georg Pistorius, ein System regelmäßiger Kontrolle durch den Betriebsarzt.

Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) und Landrat Johann Kalb (CSU) haben am Montag gemeinsam mit dem Chef der Sozialstiftung, Xaver Frauenknecht, betont, dass offensiv mit dem Thema umgegangen werde, um Angst in der Bevölkerung abzubauen.

Gut informiert fühlt sich Stadtmarketingchef Klaus Stieringer, der am 11. Januar Vater wurde und damit Betroffener ist: "Ein bisschen Verunsicherung bleibt immer", sagt Stieringer aus der Elternperspektive. Er fühle sich aber bereits etwas beruhigter und habe Verständnis, dass auf Nummer sicher gegangen wird. "Ich glaube, die Vorgehensweise ist richtig."
 


Hotline zum Gesundheitsamt

Das Gesundheitsamt Bamberg hat auch am 1. Mai in der Zeit von 9 Uhr bis 16 Uhr für möglicherweise betroffene Personen geöffnet. Parkmöglichkeiten bestehen laut Mitteilung auf dem Tegut-Parkplatz sowie in der entsprechenden Tiefgarage.

Für dringende Fragen hat das Landratsamt Bamberg zusätzlich eine Hotline unter der Rufnummer 0951/85673 eingerichtet, die auch am Wochenende und feiertags von 10 Uhr bis 16 Uhr erreichbar ist.

Laut Gesundheitsamt wurden im Jahr 2017 rund 50 Tuberkulosefälle im Raum Bamberg registriert. In allen Fällen wird nach einem standardisierten Verfahren eine Umgebungsuntersuchung durchgeführt.

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