Bamberg
Analyse

Tritt Bambergs OB Starke 2020 noch einmal an?

In 14 Monaten wird der Oberbürgermeister in Bamberg gewählt. Ob der Amtsinhaber weitermacht, ist offen. Aber der CSU-Kandidat kristallisiert sich heraus.
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Verdienter Ruhestand oder nochmal sechs Jahre Bamberg gestalten: Was reizt Andreas Starke mehr? Foto: privat
Verdienter Ruhestand oder nochmal sechs Jahre Bamberg gestalten: Was reizt Andreas Starke mehr? Foto: privat
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Wenn OB Starke am Samstag, 19. Januar, beim Neujahrsempfang der Stadt (11 Uhr) ans Rednerpult in der Konzert- und Kongresshalle tritt, werden die Bamberger an seinen Lippen hängen. Ein idealer Moment, um das letzte Jahr noch einmal abzuspulen, die Meilensteine (Fertigstellung Quads, Festlegung Bahntrasse, Welterbe-Jubiläum) hervorzukehren und die Rückschläge (Bürgerentscheid, Fahrrad-Querelen) zu relativieren. Es wäre angerichtet, um den Saal zu elektrisieren und die Antwort zu geben auf eine Frage, die seit Monaten im Raum steht: Tritt er 2020 noch mal an, um den Chefsessel im Rathaus zu verteidigen? Lange Zeit war eine Aussage dazu für die Silvesternacht angekündigt. Doch dann verstrich der Termin einfach. Ein familiärer Trauerfall hat Starke verständlicherweise zum Jahreswechsel mehr beschäftigt als die Politik. Aber vielleicht lässt ihn auch die Stimmungslage in der Stadt zögern.

Die Lehren aus dem vergangenen Jahr

Im vergangenen Jahr gaben sich die Bamberger bei zwei Abstimmungen aufmüpfig. Erst ließen sie Starke in seiner Stadt bei der Bezirkswahl nur auf Platz 3 über die Ziellinie gehen. Dann zeigten sie den Plänen für den Gewerbepark Geisfelder Straße die kalte Schulter. Freilich sind diese Ergebnisse auch der allgemeinen Stimmungslage (Stichwort SPD-Talfahrt bei Grünem Höhenflug) und anderen Effekten (Fall Lösche) geschuldet. Und doch schimmert Unzufriedenheit mit dem OB durch. Dabei war Starke drauf und dran, in Sachen Muna mit einem abgespeckten Gewerbepark in letzter Minute eine Einigung mit der Bürgerinitiative zu erzielen. Hätte sich die CSU im Stadtrat darauf eingelassen, das Ratsbegehren auf Starkes Kompromiss-Vorschlag zu reduzieren, die Aussichten, dafür Grünes Licht von den Bürgern zu bekommen, wären ungleich besser gewesen. Dass der OB am Ende sein angekratztes Image als Macher und Brückenbauer aufpolieren kann, das wollten die Christsozialen dann doch nicht riskieren.

Schließlich wittern sie Morgenluft. Und zwar nach den Wahlergebnissen 2018 unabhängig von den Gedankenspielen des OB. Christian Lange blickt auf ein beachtliches Ergebnis bei der Bezirkswahl: Als Listenkandidat hat er sein Ergebnis von 2013 verdreifacht. Als Bürgermeister und Kreisvorsitzender steht er auf der Pole Position und wird sich, selbst wenn der Amtsinhaber wieder antritt, kaum aus der Verantwortung stehlen können. Wie sollte er seiner Partei erklären, dass er die Chance, das Rathaus für die CSU zu erobern, verstreichen lässt? Er könnte sich also jetzt schon mutig hinstellen und seine Kandidatur verkünden. Das wäre ein Zeichen von Selbstvertrauen und Entschlossenheit. Doch der Taktiker scheut das Risiko: Wer sich zu früh bewegt, läuft Gefahr, in einem langen Wahlkampf verschlissen zu werden. Am Ende findet Melanie Huml plötzlich die Aussicht, ihre Heimatstadt zu gestalten, attraktiver als den Job als Gesundheitsministerin! Kaum realistisch, aber auch nicht vollkommen auszuschließen, wenn der Chefsessel neu zu besetzen wäre. Freilich gibt es weitere CSUler, denen Ambitionen nachgesagt werden: Markus Huml etwa, oder Stefan Kuhn.

Welche Alternativen hat die SPD?

Derweil beten die Genossen, dass Starke noch einmal in den Ring steigt. Aus ihren Reihen bringt es aktuell keiner auf dessen Beliebtheit und Bekanntheit. Während Klaus Stieringer in Sachen Prominenz mithalten kann, hat es der Fraktionsvorsitzende bislang nicht geschafft, die Herzen der Bamberger zu erobern. Als Stadtmarketing-Chef hat er einige "Events" angestoßen, die viele Menschen lieben, was ihm von den Bürgern der Stadt jedoch nicht gedankt wird. Davon kündet auch sein bescheidenes Ergebnis als Listenkandidat bei der Bezirkswahl. Am Ende heißt es für die Sozialdemokraten gar "Bamberg zaubert", und sie müssen einen Kandidaten wie ein Kaninchen aus dem Hut ziehen. Simsalabim und plötzlich mischt MdB Andreas Schwarz in der Stadt Bamberg mit. Oder Gärtner Sebastian Niedermaier versucht, das Rathaus mit dem Gewächshaus zu tauschen.

Ein Dreikampf um den Chefsessel

Sicher dürfte sein: Hält die politische Großwetterlage an, wird es kaum bei einem Zweikampf bleiben. Natürlich werden mögliche weitere Kandidaten etwa von FDP, AfD oder FW/BA (hier wäre Ursula Redler keine Überraschung) mitmischen und Stimmen entführen. Richtig fordern wird die SPD- und CSU-Bewerber jedoch im Frühjahr 2020 der GAL-Kandidat, dem ernsthafte Chancen einzuräumen sind. Wer könnte das sein? Ursula Sowa ist als erstes zu nennen, auch wenn sie gerade erst ihr Ziel erreicht hat, in den Landtag einzuziehen. Die Aussicht, Bamberg ökologisch umzubauen, scheint für die Architektin ungemein reizvoll. Vorstellen muss sie sich in der Stadt jedenfalls nicht mehr. Das gilt weniger für "Mr. Radentscheid" Christian Hader oder den ambitionierten Jonas Glüsenkamp. Die zwei jungen Leute stünden allerdings auch bereit, den OB-Sessel zu erobern.

Und doch schauen erst mal alle auf Andreas Starke. 14 Jahre als OB werden 2020 hinter ihm liegen. Will er die 20 voll machen, muss er sich auf Ungemach einstellen. Sollte ihm die Wiederwahl gelingen, dürften ihn in etwa drei gleich starke größere Fraktionen, noch mehr kleine Gruppierungen und die AfD im Stadtrat erwarten. Ob die GroKo noch eine Zukunft hat? Es wird auf jeden Fall eine Herausforderung, eine Mehrheit im Stadtparlament zusammenzukratzen. Klingt irgendwie wenig verlockend. Wäre es da nicht viel angenehmer, den Lebensabend einfach zu genießen? Und doch: Die Geschicke einer Welterbestadt wie Bamberg zu lenken, sind ein mächtiger Lockstoff.

Geduld, Geduld

Nutzt Starke also am Samstag das große Auditorium, um die Bombe platzen zu lassen? Damit ist nicht zu rechnen. Aus seinem Umkreis ist zu hören, alles sei möglich. Er werde sich erst im März, April festlegen. Bis dahin heißt es: Abwarten - für Bürger und politische Konkurrenz.

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