Bamberg
Familie

Trendwende am Hochzeitsmarkt? Traut euch doch!

60 Jahre lang ging die Zahl der Eheschließungen ständig zurück. Jetzt scheint die Talfahrt gestoppt und womöglich sogar eine Trendwende geschafft. Woran könnte das liegen?
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Foto: Archiv
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Noch nie war so viel von Familie die Rede: Familienzeit, Familiengeld, es gibt Familienminister und neuerdings sogar eine Bundesverteidigungsministerin, die die Bundeswehr familienfreundlicher machen will. Doch trotz all dieser Bemühungen entschieden sich nach der Hoch-Zeit der Hochzeiten Anfang der 1950er Jahre zuletzt immer weniger Bundesbürger für das Familienleben in der klassischen Form, Ehe. Jetzt deutet sich - auf niedrigem Niveau - eine Wende an.

Die lässt sich zum einen in den Zahlen aus den Standesämtern auch in Franken ablesen, wenngleich die Veränderungen da so klein sind, dass die meisten Standesbeamten nicht von einem wirklichen Trend reden wollen. Noch nicht?


Es geht wieder aufwärts

Die - nicht repräsentative - Blitzumfrage bei Standesämtern in den drei fränkischen Regierungsbezirken ergibt Zahlen, die im Verhältnis zur Einwohnerzahl ganz ähnlich sind wie auf Bundes- und Landesebene: Seit einem halben Jahrhundert sagten Jahr für Jahr weniger Menschen amtlich Ja. Etwa 2008 kam der Abwärtstrend zum Stillstand, seitdem trauen sich wieder mehr Menschen, sei es als Ehepaar oder als "eingetragene Lebenspartnerschaft".

1961 besiegelten in Bayern fast 90.000 Paare den Bund fürs Leben vor dem Standesbeamten. 2007 waren es nur noch 57 200, seither geht es aufwärts, wie die Zahlen des Landesamtes für Statistik belegen: 2012 gab es im Freistaat exakt 61 768 Eheschließungen. Da Statistiker gerne mit Zahlen spielen, haben sie die Hochzeiten auf die Bevölkerung umgerechnet: Dann kommt man in Bayern auf 4,9 Eheschließungen pro Jahr und 1000 Einwohner. Der Freistaat liegt im Bundesdurchschnitt. Die Heiratsmuffel leben in Hamburg und Berlin (je 3,9 Ehen pro 1000 Einwohner und Jahr), Spitzenreiter ist Mecklenburg-Vorpommern mit einer Quote von 6,7.

Ein gutes Zeugnis in puncto Heiratsfreudigkeit stellt die Statistik den Franken aus, und da treffen sich die unbestechlichen Zahlen mit den Aussagen der unbestechlichen Standesbeamten: Auf dem Land und in Frankens Städten steht die Ehe (wieder) hoch im Kurs; Coburg liegt mit 7,5-mal Ja pro 1000 Einwohner und Jahr auf einem bundesweiten Spitzenplatz. Überdurchschnittlich viele Paare trauen sich in Bamberg (6,7) und Würzburg (5,9), während Nürnberg (4,6) ein weniger gutes Pflaster für den Start in das gemeinsame Leben ist.

Die Zahl der Eheschließungen lässt nur bedingt Rückschlüsse darauf zu, wie hoch der Stellenwert der traditionellen

Familie in der jeweiligen Region wirklich ist. "Bei vielen Paaren liegt die Betonung auf Hochzeit feiern, beschreibt ein Standesbeamter aus Unterfranken einen Trend, den er in den letzten Jahren verstärkt beobachtet: Die Hochzeit ist ein Event, das an besonderen Orten im großen Kreis festlich begangen wird. Davon profitieren Frankens Traumstädte wie Bamberg oder Coburg, wo ja sogar Prinzen heiraten ...


"Generation Sowohl-als-auch"

Den "Spaßfaktor" der Ehe belegen auch Untersuchungen von Trendforschern. "Wir haben eine Generation, die extrem individualistisch aufgestellt ist", sagt Andreas Steinle vom Zukunftsinstitut in Kelkheim, das Menschen im Alter zwischen 16 und 35 zum Lebensplan befragt hat.

Individualismus und Ehe? Kein Widerspruch. 89 Prozent der Befragten nennen zwar Unabhängigkeit und Spaß als besonders erstrebenswert. Gesundheit und Fitness, der Job und ein gutes Einkommen rangieren ebenfalls weit oben.

Dazu kommt laut Steinle die "Renaissance des Familiensinns". Die Zukunftsforscher sprechen von der "Generation Sowohl-als-auch", die versucht, viele Wünsche unter einen Hut zu bringen. Wer heiratet und Kinder kriegt, tut das immer später. 1963 war die Braut im Durchschnitt 24 Jahre alt, der Bräutigam 26. Heute heiraten Frauen mit 30 und Männer mit 33. Aber immerhin: Sie heiraten wieder!
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