Trabelsdorf
Freizeit

Trabelsdorfer Schlosspark erlebt Renaissance

Trabelsdorfs Schlosspark wurde in Anlehnung an historische Vorlagen saniert. Nur steht er heute allen und nicht nur dem Adel zur Verfügung.
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Auch dieser Pavillon ist Bestandteil des neu gestalteten Trabelsdorfer Schlossparks. Foto: Anette Schreiber
Auch dieser Pavillon ist Bestandteil des neu gestalteten Trabelsdorfer Schlossparks. Foto: Anette Schreiber
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Raphael hat's gut. Seine Großeltern nehmen ihn, so oft es ihnen möglich ist, mit nach Trabelsdorf in den Schlosspark. Sie wohnen im wenige Kilometer entfernten Kolmsdorf und wissen, dass der Kleine sich an den Spielgeräten im Park freut. Immer wieder rutscht das 19 Monate alte Kind auf der roten Rutsche, aalt sich auf der Storchennestschaukel oder lässt sich von Oma Babara oder Opa Herbert Wunder auf der großen Schaukel anschubsen. Diese kleine Gruppe ist eine von vielen, die an diesem warmen Augustnachmittag das grüne Kleinod aufsuchen.

Im Zuge der Dorferneuerung hat der Park hinter dem Schloss 2016 eine zeitgemäße Wiederbelebung, ja Aufwertung erfahren. Ganz in Anlehnung an seine historischen Anfänge, die in Verbindung mit dem um 1600 errichteten Schloss zu sehen sind.

9400 Quadratmeter

Auf etwa 9400 Quadratmetern finden sich am Fuße vieler hoher alter Bäume Infotafeln, die alles zu der jeweiligen Baumart erklären und zum Teil auch in Skizzen darstellen: Roßkastanie, Esche, Birke, Blutbuche, Baumhasel, Rot-Eiche, Spitz-Ahorn, Platane, Bergahorn, Edelkastanie, Hainbuche, Walnuss - der Betrachter wird umfassend informiert. So wie über die Geschichte des Parks oder die Pflanzen im Kräutergarten.

Auf dem üppigen Grün verteilt sind diverse Spielgeräte, darunter Schaukeln und Rutsche. Dezent platziert laden Bänke zum Verweilen. Unter einem Pavillon lässt sich gemütlich mitgebrachter Proviant verspeisen. Und weil sich der Park abseits des Straßenverkehrs befindet, kann man Kinder auch mal machen lassen. So wie Eugen Kepling. Er ist mit Lionel, Samuel, Marlene und deren Cousine Diana aus Priesendorf hierher geradelt. "Ich hab' die Kinder im Blick", sagt er. "Das hier ist eine schöne Beschäftigung und kostet nichts." Außerdem seien sie dann weg von Handys und PCs.

Das ist für Walli und Rainer Düsel aus Unterfranken kein Thema. Sie haben sich für einen Kurzurlaub in Trabelsdorf entschieden, wieder einmal ein Eis gekauft und sich den Weg durch Schlosspark und um den Pfaffensee gegönnt. "Wir sind begeistert von hier", schwärmen die Hammelburger. Wie alles angelegt sei, dass man Natur ihren Platz lasse, etwa bei der Art, wie die Gehwege gestaltet seien. Beim Kurzurlaub kämen sie voll auf ihre Kosten mit Wandern, Radfahren, Spazieren und Ausflügen nach Bamberg. Ob man alles so zu schätzen wisse, wenn man hier wohnt, fragen sich die Kurzurlauber.

Durchaus, wie eine Trabelsdorferin verrät, die sich wieder einmal für den Weg durch den Schlosspark entschieden hat. Der Park sei schön "zusammengerichtet", findet die 60-Jährige. Das erhöhe die Lebensqualität am Ort. Sie komme oft hierher, um etwa ihr Eis, oder auch nur die Ruhe zu genießen.

Der Park ist weitläufig genug, dass sich Ruhesuchende und Familien mit Kindern nicht in die Quere kommen. Aus Priesendorf ist Marion Nastvogel mit Tochter Swenja, ihren Enkeln und weiteren Kindern da. "Man kann sie mal laufen lassen", sagt die Oma. Die 13-jährige Swenja wiederum trifft sich ihrerseits gerne mit Freunden hier. Keinem Freund begegnet an diesem Tag Chihuaha Bino. Hundebeutelstationen zeugen davon, dass der Park mit Seeweg, Steg und Brücke auch bei Vierbeiner-Besitzern beliebt ist. Wasserspaß haben Zweibeiner an der Badestelle.

Gute Akzeptanz

Lisbergs Bürgermeister Michael Bergrab freut sich, dass der Schlosspark so gut angenommen wird. Bei der Umsetzung der Neugestaltung waren bereits weitere Ideen entstanden, so wird die rund 18 400 Quadratmeter große Wiese im östlichen Eingangsbereich ebenfalls wieder in den ursprünglichen Zustand versetzt, also englischer Park mit vielen Bäumen.

2020 kann es auf der Basis des Gemeinderatsbeschlusses weitergehen. Bergrab freut sich, dass der über 40 000 Quadratmeter große historische Park "in unserer Zeit von allen, von der Öffentlichkeit genutzt werden kann". Seinerzeit war das Parkareal, das vom Schloss bis zum Ortsschild und von der Hauptstraße bis zum See reichte, nur den Schlossbesitzern, dem fränkischen Landadelsgeschlecht derer von Ostheim zugänglich. Zug um Zug soll der Schlosspark für kulturelle Angebote genutzt werden.

Für den ersten Bauabschnitt Schlosspark mit der Sanierung des historischen Bestands sind Kosten von rund 280 000 Euro angefallen, wobei man unter der Schätzung lag. Die Bezuschussung über Städtebaufördermittel betrug 50 Prozent. Diesen Fördersatz wird die Gemeinde auch beim zweiten Bauabschnitt bekommen. Die Schätzkosten für die Erweiterung auf der bisherigen Wiese liegen bei 141 520 Euro, hier wird das Amt für Ländliche Entwicklung fördern.

KOMMENTAR

Angebote wie den Trabelsdorfer Schlosspark kann man gar nicht genug loben und muss deswegen Mut und Weitsicht des Lisberger Gemeinderates hervorheben. Dass nun ein weiterer Ausbau des Parks erfolgen soll, ist die logische Konsequenz der Initialentscheidung.

Der Schlosspark samt Seerundweg ist ein Juwel für die Einheimischen, das auch touristischen Glanz bringt.

Gut, dass sich die Qualitäten des Parks bei den jüngsten Open-Air-Theateraufführungen gezeigt haben. Daraus lässt sich noch einiges für die Zukunft entwickeln.

Lisberg hat einen Schatz aus der Vergangenheit gehoben und in unsere Zeit gerettet.

Ein niederschwelliges und noch dazu kostenloses Freizeitangebot, das sich leicht um weitere Attraktionen ergänzen und somit noch ausgiebiger nutzen lässt. Das hat der Park verdient und dafür hat er auch die Kapazitäten. Maßgeschneidert für den Ort, die Gemeinde und die gesamte Gegend. Ein Gewinn!.

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