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Bamberg
Tourismus

Tourismus in Bamberg: Wer gewinnt, wer verliert?

Jährlich werden 350 Millionen Euro Umsatz mit dem Tourismus in Bamberg gemacht. Nicht alle profitieren davon gleichermaßen.
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Fotos: Roland Rinklef, Matthias Hoch
Fotos: Roland Rinklef, Matthias Hoch
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Die Weltkulturerbestadt ist bei Besuchern aus nah und fern ein beliebtes Ausflugsziel. Das belebt Bamberg und führt dazu, dass 330 Millionen Euro jährlich umgesetzt werden. Es profitieren Einzelhändler, Gastronomen und Dienstleister, die aber auch Verbesserungspotenzial sehen. Anwohner und selbst Teile der Hotelbranche fühlen sich dagegen auf der Verliererstraße.

Mirco Biasini, Eisdielen-Betreiber

Mirco Biasini betreibt seit 1996 das Eiscafé Bassanese in der Karolinenstraße am Alten Rathaus, dem zentralen Besuchermagneten in Bamberg. "Touristen sind schon extrem wichtig für unsere Bilanz", erklärt der 47-Jährige. Er sei darauf angewiesen, schließlich würden die Kosten für sein Geschäft immer mehr in die Höhe gehen. Biasini, dem auch die Eisdiele Bassano an der Kettenbrücke gehört, hat zwölf voll beschäftigte Mitarbeiter und nur fünf Monate, in denen er wirklich Umsatz machen kann.

Einen Großteil davon machten eben die Touristen aus, jedoch habe er auch viele Bamberger Gäste, erzählt er. Was ihm wichtig ist: "Ich bediene Touristen und Bamberger in der gleichen Qualität." Das Eis muss eben schmecken.

In der Stadt sieht er aber auch noch Verbesserungspotenzial: So fehle es an Sitzgelegenheiten für ältere Besucher, die auf dem Weg zum Dom eine Pause benötigten und deshalb oft seine Stühle benutzten.

Und das Thema Müll treibt ihn um: Die Stadt sollte am Samstag und Sonntag auch am Abend die Abfalleimer etwa auf der Unteren Brücke leeren, findet er. Ein schönes und sauberes Stadtbild sei schließlich wichtig.

Peter Feldbaum, Einzelhändler

Peter Feldbaum und seine Mutter Gertrud vom gleichnamigen Mode- und Schmuckgeschäft an der Oberen Brücke zählen Bamberger, aber auch Touristen aus dem In- und Ausland zu ihren Kunden. "Wir stellen oft fest, dass viele Besucher wieder kommen, was ein Vorteil für uns ist", sagt Peter Feldbaum. Die Touristen wären begeistert vom Weltkulturerbe und dem Leben und Treiben in Bamberg. Feldbaum sieht das nicht nur positiv für das eigene Geschäft: "Meines Erachtens wird oft der Multiplikatoreffekt unterschätzt, der von begeisterten Bamberg-Besuchern in deren Umfeld verbreitet wird." Er kritisiert aber die Eventüberfrachtung: "Das verkraften unsere schöne Stadt und ihre Einwohner nicht." Der Einzelhandel habe nichts von Events, bei denen Geschäfte bis 24 Uhr offen gehalten werden sollen. Wenn niemand einkaufen gehe, bringe das nichts. "Eher wünsche ich mir für die Attraktivität unserer Stadt ein Mitspracherecht des Einzelhandels und der Beschäftigten über Geschäftsöffnungszeiten an bestimmten Feier- und Sonntagen", so der 48-Jährige. Denn das Wochenende werde überwiegend zum Online-Einkauf genutzt, was zu Lasten des Einzelhandels gehe.

Michael Fiegl, Taxifahrer

Von den zahlreichen Touristen in Bamberg leben auch die Taxifahrer. Sie sind schließlich auf die Besucher als Fahrgäste angewiesen. "Wir müssen uns zu den Gewinnern zählen", sagt Michael Fiegl, Hauptamtlicher Vorstand der Taxigenossenschaft Bamberg.

"Müssen", sagt er. Denn es könnte aus seiner Sicht und der seiner Kollegen noch besser laufen: "Wir könnten noch mehr Gewinner werden, wenn wir präsenter werden." Laut dem 48-Jährigen sind bisher an zentralen Stellen in Bamberg die Fahrzeuge der Taxiunternehmen noch nicht sichtbar genug für die Kunden. So seien etwa zu wenig Stellplätze an der Promenade am ZOB vorhanden - gerade mal sechs bei 93 Taxis. Zehn bis zwölf Plätze seien aber nötig. Und vor dem Dom sei gerade mal ein versteckter Stellplatz vorhanden, die Touristenbusse seien dagegen auf dem Vorplatz gut zu sehen.

"Wir werden nicht entdeckt von den Touristen", beklagt er. Mehr Präsenz der Taxiunternehmen in der Innenstadt wäre aus seiner Sicht aber auch besser für die Umwelt und für die Kunden: Die Anfahrtswege würden geringer, der Fahrgast müsste weniger warten. Familie Renninger, genervte Anwohner

Frank und Patrizia Renninger haben mehrere Jahre im "Sams-Haus" in der Judenstraße gewohnt - bis sie es nicht mehr ausgehalten haben und ausgezogen sind. Zu viel war es mit dem Lärm, den übermäßigen Stadtführungen, den zu vielen Touristen und Kindern, die bei Sams-Führungen am Samstagmorgen geklingelt haben, weil sie "Herrn Taschenbier" sprechen wollten. In dem Haus hatte im Film das Sams aus der Geschichte von Paul Maar gewohnt. "Auf der einen Seite ist es lustig, und es ist schön, wenn sich Leute interessieren, aber irgendwann wird es zu viel", sagt Patrizia Renninger (48). "Das Verhalten der Touristen ist über die Jahre anders geworden", ergänzt ihr Mann. So kam es vor, wenn die Tür einen Spalt offen war, dass eine Gruppe Touristen im Haus stand. "Touristen sind wichtig, aber es kommt einem so unreglementiert vor", sagt der 47-Jährige. Man müsse Leute auch an andere Orte führen. Hinzu kamen die Nachtschwärmer: Die Ex-Anwohner berichten von einem Alphornbläser in Unterhosen, Wildpinklern und Paaren, die Scheidungsgespräche vor der Tür führten. Inzwischen wohnen die Renningers mit ihrer sechsjährigen Tochter Paulina, einem echten Sams-Fan, nicht mehr in der Altstadt.

Joachim Kastner, Hotelverband

Über den boomenden Tourismus müssen sich die Hotelbetriebe in Bamberg doch ausnahmslos freuen - denkt man. Doch so ist es nicht, erklärt Joachim Kastner, Kreisvorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbands. Die Branche hat nicht nur mit Personalmangel zu kämpfen. Kastner kritisiert vor allem, dass die Stadt beim Tourismus ihre Hausaufgaben nicht macht: "Die Nachhaltigkeit fehlt", sagt der 49-Jährige. Es seien zahlreiche neue Hotels geplant und bereits eröffnet worden, wie das Ibis in der Langen Straße, doch seien das alles Garni-Hotels mit über 100 Betten - und Konzerne, die möglichst schnell, möglichst viel Gewinn einstreichen wollten. "Diese Hotels nehmen anderen die Kunden weg." Alteingesessene kleinere Betriebe würden verdrängt. Im personalintensiven und dadurch weniger profitablen 3- bis 4-Sterne-Bereich mit eigenem Restaurant fehle dagegen das Angebot und außerhalb der Saison die Gäste. "Ein Konzept muss her", fordert Kastner deshalb dringend. Und: "Wir wollen mitreden und nicht vor vollendete Tatsachen gestellt werden." Die Branche sei schließlich mit 6500 Mitarbeitern der zweitgrößte Arbeitgeber in Bamberg. Julian Megerle, Student

Julian Megerle kennt Fälle in Bamberg, in denen Studenten unter dem Airbnb-Tourismus leiden - schließlich fehlt dadurch schlicht noch mehr Wohnraum in Bamberg, wenn Zimmer oder Wohnungen an Touristen vermietet werden, argumentiert Megerle.

"Auf einem umkämpften Markt ist jede Wohnung wichtig!" Und es kommt zu Konflikten, weiß der hochschulpolitische Referent an der Universität Bamberg. Der 28-Jährige berichtet von Hausgemeinschaften, in denen es zum Teil zugehe wie im Taubenschlag: Zimmer, die über die Plattform Airbnb vermietet werden, führten zu einem ständigen Kommen und Gehen, da die Mieter meist nur kurz bleiben. Auch das würde manchen Bewohner gehörig belasten.

Kommentar des Autors:

Tourismus besser

steuern

Der Tourismus in Bamberg boomt, davon zeugen die über 7 Millionen Tagestouristen und 700 000 Übernachtungen pro Jahr.

Die Stadt blüht dadurch zweifellos auf, die Innenstadt wird belebt. Der Einzelhandel und die Gastronomie profitieren.

Doch jede Medaille hat bekanntlich zwei Seiten. So stehen auf der Verliererseite vor allem die Bamberger, die sich von den Touristengruppen und der vollgestopften Stadt im Sommer gestört fühlen. Der Tourismus- und Kongress-Service (TKS) und die Stadt sind bemüht, den Besucheransturm verträglich zu gestalten.

Doch, wie die Kritik aus der Hotelbranche zeigt, fehlt es noch an Steuerung. Der Kultursenat hatte sich im Frühjahr zwar für ein Hotelentwicklungskonzept ausgesprochen, - bis dieses kommt, dauert es aber. Bis dahin sind längst weitere Unterkünfte gebaut. Und von Schiffstouristen haben die wenigsten Geschäfte in Bamberg etwas, da Kreuzfahrer nur kurz an Land gehen und schnell wieder weg sind. Es braucht aber in Bamberg unbedingt einen gut gelenkten Tourismus, von dem am Ende alle etwas haben.

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