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Tourismus im Aufwind: Bamberg bekommt vier neue Bettenburgen

Bamberg steht in den nächsten Jahren vor einer drastischen Ausweitung seiner Hotelkapazitäten. In der Stadt fürchtet man die Folgen.
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Hotelboom rund um den Bahnhof: 230 Hotelzimmer und Einzimmer-Appartements sind alleine im "neuen Atrium" geplant.    Entwurf: Bornhofen Architekten
Hotelboom rund um den Bahnhof: 230 Hotelzimmer und Einzimmer-Appartements sind alleine im "neuen Atrium" geplant. Entwurf: Bornhofen Architekten

Im Rathaus kann man sich der Anfragen schon gar nicht mehr erwehren: Investoren geben sich die Klinke in die Hand, die ihr offenbar reichlich vorhandenes Geld gerne in neue Hotelbetten und Boardinghäuser genannte möblierte Appartements schaufeln möchten.

Der Ansturm auf die Weltkulturerbestadt an der Regnitz kommt nicht von ungefähr: Die Tourismusbranche Bambergs hat im letzten Jahrzehnt einen historischen Boom hingelegt und verzeichnet bis heute Rekordzuwächse. Binnen weniger Jahre hat sich die Zahl der Übernachtungen beinahe verdoppelt - auf früher kaum vorstellbare 700 000.

Vier Großprojekte

Doch nun steht Bamberg vor einer weiteren Ausweitung seiner Beherbergungskapazitäten. Nur noch eine Frage der Zeit ist es, bis in der Langen Straße im "Quartier an den Stadtmauern" Ibis Styles ein Drei-Sterne-Haus mit 120 Zimmern eröffnet.

Und auch die nächsten Bettenburgen sind schon in Sicht: 220 Zimmer und so genannte Boarding-Wohnungen wurden für das neue Hotel im Atrium beantragt. Auf weitere 190 Zimmer bringen es zwei Vorhaben an der Starkenfeldstraße und an der Pfisterbrücke, die im Bausenat die erste Hürde bereits genommen haben.

Trotz der Zustimmung im Stadtrat: Unumstritten ist der Zuwachs an Hotelbetten ebenso wenig wie die Erfolgsbilanz im Tourismus. Die Kontroverse tobt seit Jahren: Wie stark kann, wie stark soll der Tourismus in Bamberg noch wachsen, fragt sich die Stadtgesellschaft. Wo sind seine natürlichen Grenzen oder sind sie nicht bereits längst überschritten?

Und es sind nicht nur genervte Innenstadtbewohner, die sich Gehör verschaffen. Auch in der Hotelbranche in Bamberg sieht man den Zuwachs mit gemischten Gefühlen.

Die Bamberger Politik versucht unterdessen den Spagat: "Wir nehmen die Kritik der Bürger und auch der Hotelbetriebe sehr ernst", sagt Christian Lange (CSU), der für den Tourismus- und Kongressservice zuständig ist. "Das Problem ist doch, dass sich zu viele Touristen an zu wenigen Tagen auf zu wenig Raum befinden", erklärt sich der Bürgermeister den allgemeinen Zwiespalt. Genau deshalb freut er sich über die geplante Steigerung der Übernachtungskapazitäten. Hört man Lange, entspricht es dem Ziel der Stadtspitze, mehr Gäste zu einem längeren Aufenthalt zu bewegen. Mehr Hotelbetten werden auf Dauer mehr Gäste anziehen, die "auch Geld da lassen und das Kulturangebot der Stadt nutzen", lautet seine Devise. Dazu werden auch Zielgruppen angepeilt, die auch den Bestandsbetrieben neue Umsätze versprechen: "Wir machen die Erfahrung, dass sich viele Kongressteilnehmer in Nürnberg vorstellen können, in Bamberg zu übernachten."

"Bamberg verliert den Charakter"

Doch hilft die Differenzierung zwischen dem lukrativen Übernachtungs- und dem weniger profitablen und daher eher lästigen Tagestourismus tatsächlich, um die Problemlage in Bamberg zu entschärfen?

Zu den Kritikern eines "maßlosen Tourismus" gehört auch Dieter Weinsheimer. Der Stadtrat der Bamberger Allianz spricht davon, dass das Wachstum aus wirtschaftlicher Sicht für die Stadt zweifellos gut sei. Doch er fragt auch, ob man alles danach beurteilen müsse, ob viel Geld damit zu verdienen sei. Man hätte auch darüber nachdenken können, wie es gelingt, dass "unsere Stadt unsere Stadt bleibt". Nun sei es zum Umsteuern fast schon zu spät: "Bamberg droht seinen Charakter zu verlieren, wenn es ständig von Fremden überflutet wird. Die Stadt wird zu einer Stadt wie viele andere auch, in der in großem Umfang Tourismus stattfindet."

Die immer wieder aufflackernde Kritik am Tourismus in Bamberg will Florian Müller, Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes, nicht unwidersprochen stehen lassen. Ganz abgesehen davon, dass man eine Stadt nicht zusperren könne, habe jeder in Bamberg direkt oder indirekt Vorteile vom florierenden Gastgewerbe. "Das reicht vom gastronomischen bis zum Kulturangebot, das ohne die Touristen so nicht möglich wäre", sagt Müller.

Dennoch ist Müller nicht wohl bei der Aussicht, dass jetzt in kurzer Zeit so viele Hotelbetten in Bamberg neu entstehen. "Wir begrüßen es zwar, dass neue Unternehmen kommen. Aber unsere Bestandsbetriebe haben die Sorge, dass die Entwicklung zu schnell geht. Ein langsameres Wachstum wäre gesünder als diese Blase, die platzen kann." Sie werde den Preisdruck erhöhen und zu Billigangeboten führen, fürchtet Müller.

Rezept gegen Ruinen

Doch er weiß auch, dass sich die Ansiedlung von Hotels wegen der Gewerbefreiheit nicht steuern lässt. Dem Bausenat gibt er deshalb den Tipp, bei den Vorhaben heute schon Zweitverwertungsmöglichkeiten der neuen Hotelzimmer anzuregen: als Studentenwohnungen oder Seniorenappartements. So ließen sich Ruinen oder leer stehende Brachen leichter verhindern.

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