Bamberg
Verkehr

Nach Todesfall: Ist die Kreuzung Ottokirche sicher?

Nach einem Verkehrsunfall am Wochenende, bei dem ein Radfahrer starb, forderte die Initiative Radentscheid zunächst Konsequenzen, sagte eine geplante Mahnwache aber später ab. Die Identität des Verstorbenen ist noch nicht geklärt.
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An der Kreuzung vor der Ottokirche kam es am Samstag zu einem tödlichen Verkehrsunfall. Die Polizei bittet um Hinweise, um den Verstorbenen identifizieren zu können. Viele Radfahrer fühlen sich auf den Radweichen (rot), umgeben von Autos auf beiden Seiten, unwohl. Foto: Ronald Rinklef
An der Kreuzung vor der Ottokirche kam es am Samstag zu einem tödlichen Verkehrsunfall. Die Polizei bittet um Hinweise, um den Verstorbenen identifizieren zu können. Viele Radfahrer fühlen sich auf den Radweichen (rot), umgeben von Autos auf beiden Seiten, unwohl. Foto: Ronald Rinklef
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Ein Radfahrer wollte am Samstagabend von der Memmelsdorfer Straße nach links vor der Ottokirche in die Siechenstraße abbiegen - vor einem entgegenkommenden Auto, wie die Polizei mitteilt. Es kam zum Zusammenstoß, der Radfahrer starb an den Verletzungen. Seine Identität ist noch ungeklärt.

"Dass da nicht häufiger etwas passiert, ist ein Wunder", meint ein Anwohner, der auch Ersthelfer bei dem tödlichen Unfall war. Sowohl Auto- als auch Radfahrer würden versuchen, die seiner Meinung nach kurzen Grünphasen mitzunehmen. Die Initiative Radentscheid Bamberg äußerte sich ebenfalls zu dem tödlichen Unfall. Auf ihrem Facebook-Kanal wurde am Sonntag zu einer Mahnwache an der Kreuzung aufgerufen. Einerseits, um des Verstorbenen zu gedenken, andererseits, um zu mahnen, "dass einem solchen Unfall ... rasche und zielführende Konsequenzen folgen müssen". Am Montag wurde die Mahnwache dann aber abgesagt. "Nach uns inzwischen vorliegenden Informationen wäre die Versammlung im Zusammenhang mit diesem Unfall nicht angebracht", heißt es auf der Facebook-Seite des Radentscheids. Mitinitiator Christian Hader sagt, er habe noch einmal mit der Polizei gesprochen. Nach neuen Erkenntnissen habe es eine interne Diskussion beim Radentscheid gegeben, wonach die Mehrheit sich gegen die Mahnwache ausgesprochen habe.

Was das für Informationen waren, verrät die verkehrspolitische Sprecherin der Bamberger Polizei, Ines Schellmann, auf Nachfrage: "Der Radfahrer war vermutlich stark alkoholisiert. Die genauen Ergebnisse stehen aber noch aus." Die Verkehrsführung habe nichts mit dem Unfall zu tun. "Die Kreuzung ist nicht unfallauffällig."

"Diesen Unfall hätte man mit Infrastruktur nicht verhindern können", räumt auch Hader vom Radentscheid ein. Trotzdem müssten für die Umsetzung der "Vision Zero" (keine Toten und Schwerverletzten im Straßenverkehr), für die sich die Stadt Bamberg aussprach und für die es bereits Verkehrsentwicklungspläne gibt, endlich Maßnahmen folgen.

Die Kreuzung an der Ottokirche wurde erst vor zwei Jahren umgebaut, mit Beteiligung des dem Radentscheid nahestehenden ADFC Bamberg. "Aus unserer Sicht wurde die Kreuzung sicherer gemacht, nach den neuesten Standards", sagt Ulrike Siebenhaar, Sprecherin der Stadt Bamberg. "Aber jeder Verkehrstote ist einer zu viel." Der Unfall sei tragisch, eine Veränderung der Verkehrsführung an der Kreuzung ist aber nicht geplant. Laut Hader fühlten sich viele Radfahrer bei der Verkehrsführung unwohl, was auch Siebenhaar bestätigt, die beim Linksabbiegen manchmal ein "mulmiges Gefühl" habe. Grund dafür sind die Radweichen, also die rotmarkierten Fahrradspuren, bei denen die Radler zwischen zwei Autospuren fahren müssen.

"Laut Statistik gibt es dadurch nicht mehr Unfälle, aber es ist unangenehm", sagt Hader. "Da sollte man schon fragen, ob es nicht eine bessere Lösung gibt."

Personenbeschreibung

Den verstorbenen Radfahrer beschreibt die Polizei wie folgt: Ende 20, Anfang 30, normale Statur, dunkle Haare und "Dreitagebart". Er sprach gebrochen Deutsch und hatte einen osteuropäischen Akzent. Bekleidet war er mit einer blau/grau/orangen Sportjacke mit Kapuze, einer blauen Nike-Jogginghose, einem gelben T-Shirt und grauen Nike-Sportschuhen. Hinweise zur Identität des Mannes nimmt die Polizeiinspektion Bamberg-Stadt unter Telefon 0951/9129-210 entgegen.

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