Bamberg
Vernissage

Time to say Goodbye: Amerikanische Streitkräfte in Bamberg

Wehmut und Dankbarkeit weckt die Ausstellung "Amerikanische Streitkräfte in Bamberg - Fotografien aus sieben Jahrzehnten", die im Kaufhaus Karstadt eröffnet wurde. Das Gebäude hat seit April 1945 für die "Amis" eine zentrale Bedeutung.
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Ein Besucher betrachtet Exponate der Ausstellung "Amerikanische Streitkräfte in Bamberg - Fotografien aus sieben Jahrzehnten". Foto: Matthias Hoch
Ein Besucher betrachtet Exponate der Ausstellung "Amerikanische Streitkräfte in Bamberg - Fotografien aus sieben Jahrzehnten". Foto: Matthias Hoch
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Für Steven Wendt ist alles "nice and beautiful": die Vernissage im Restaurant des Kaufhaues Karstadt am späten Freitagnachmittag, das Interesse der überwiegend älteren Besucher, die Exponate und natürlich "Bambörg" selbst. Immerhin 16 Monate war Sergeant First Class Wendt in Bamberg stationiert, bevor er zum US-Garnisonsstandort Ansbach abgezogen wurde. Der Zwei-Meter-Mann in Uniform überragt alle, die ihn umringen.

Wendt muss sich bücken, um die gerahmten Fotografien an Stellwänden genauer betrachten zu können. Wieder sagt er "nice and beautiful to show our history in Bamberg". Zumal es am 12. September endgültig heißt: "Time to say Goodby”. Dann wird zum letzten Mal das Sternenbanner vor dem Hauptquartier der US-Soldaten in der Lagardekaserne eingeholt: "Danach gehen dort erst einmal die Lichter aus - wir hoffen, nicht allzu lange”, sagt Bürgermeister Wolfgang Metzner (SPD), der für den OB das Grußwort in der Vernissage spricht.

In den letzten 69 Jahren sei ein wichtiger Teil der Geschichte Bambergs eng mit der US-Army verbunden gewesen, so Metzner. Diese Verbindung erlebe durch den Abzug der Truppen und die Schließung des Standortes zwar eine Zäsur, bleibe aber weiter bestehen. Der Bürgermeister spricht von einer "echten und aufrichtigen Partnerschaft", die sich aus einem "zunächst respektvollen Umschleichen" in der Anfangszeit entwickelt habe: "Von Ami go home zu we really will miss you".

Auch Colonel David Markiewicz hört aufmerksam zu und entgegnet mit freundlichen Worten über die "partnership", bevor er aus der Hand von Karstadt-Chef Alfons Distler ein historisches Foto aus den ersten Jahren der Amerikaner in Bamberg als Erinnerungsgabe erhält. Distler erinnert daran, dass das Kaufhausgebäude von Anfang an für die amerikanischen Streitkräfte von zentraler Bedeutung war: Als die US-Truppen im April 1945 nach Bamberg kamen, haben sie eben in diesem Gebäude Quartier bezogen und in den oberen Etagen Flüchtlingsunterkünfte und ein Versorgungszentrum für die notleidende Bevölkerung eingerichtet.

Dort, wo heute im vorderen Gebäudeteil edle Parfüms verkauft werden, war einst das Hauptquartier der Militärpolizei, und im hinteren Bereich zur Maxplatzseite hin ein Shopping-Center für Armeeangehörige mit Lebensmitteln und Bekleidungsartikeln. Als das heutige Warenhaus im Sommer 1951 wieder in Betrieb genommen wurde, blieben in einigen Gebäudeteilen bis 1956 noch Truppenvertreter. "Bis zuletzt hatten wir sowohl die Soldaten der US-Army als auch deren Angehörige häufig als Kunden in unserem Warenhaus zu Gast", erklärt Distler.

"Klein-Amerika" dokumentiert
So freue er sich, dass der Bamberger Pressefotograf Harald Rieger die Idee hatte, die Ausstellung im Hause Karstadt zu zeigen. Riegers Initiative schlossen sich der Fotograf des Fränkischen Tags, Ronald Rinklef, sowie Simon Hupfer, stellvertretender Pressesprecher der US-Garnison an. Weitere Fotos haben Manuela Harris und Helmut Weis beigesteuert, Zivilangestellte des hiesigen Armee-Standortes.

Neben den 314 Fotografien gibt es etwa 50 Exponate zu bestaunen, die eine "bunte Mischung" ausmachen. So bezeichnet der Kunsthistoriker Matthias Liebel die Präsentation, in die er bei der Vernissage einführt. Bei den Fotografien handle es sich nicht um "dezidiert künstlerisch aufbereitete Aufnahmen, sondern meist um dokumentarische beziehungsweise journalistische Ablichtungen", die vornehmlich aus dem Bestreben heraus entstanden seien, bestimmte Ereignisse aus dem Leben der amerikanischen Streitkräfte und ihrer Angehörigen anschaulich zu illustrieren.

Tatsächlich ist diese motivische Dichte in der breiten Öffentlichkeit nur wenig bekannt. Zumal die US-Garnison in ihrem eigenen "Klein-Amerika" (Fotograf Rieger gebraucht diesen Ausdruck) auf autarkem Gelände lebte mit eigenen Geschäften, Kindergarten, Schulen, Linienbus-System und Feuerwehr. Die Fotografien erzählen Geschichten hinter der Geschichte, dokumentieren Sitten und Gebräuche der Amerikaner wie etwa die Feierlichkeiten zum amerikanischen Unabhängigkeitstag oder zu Halloween. Oder künden von den Charity-Aktivitäten der Amerikaner und den Basketballspielen in der Kennedy-Hall, in der während der 70er und 80er Jahre letztlich die Grundsteine der heutigen Freakcity gelegt wurden.

Natürlich fehlen nicht militärische Themen: Schießübungen, Manöver, Kriegseinsätze in Vietnam, im Irak, in Afghanistan. Besonders berührend sind da die Aufnahmen von Soldaten, die vor oder nach solchen Einsätzen mit ihren Angehörigen in inniger Umarmung abgebildet sind. Diese emotionsgeladenen Fotos sind passend im 1. Karstadt- Obergeschoss in der Damenabteilung zu sehen. Während das 2. Geschoss "Herbst Highlights" in der Männermode präsentiert und nüchterne Bilder vom letzten Kommandeurswechsel mit Fahnenübergabe.

Unter den Ausstellungsstücken selbst überzeugen solche "Highlights" wie die Uniformen des ersten Kommandeurs - des für ältere Bamberger unvergesslichen, legendären Nathan Preston - und die der letzten Kommandeurin, Michelle L. Bienias. Oder im Lichthof das handgemalte Schild des J. F.-Kennedy-Gymnasiums mit dem berühmten Satz "Ask not what your country can do for you, ask what you can do for your country.” Selbst Cola-Flaschen von 1945 und einige alte Konservendosen inclusive Dosenöffner fehlen nicht in den Vitrinen.

Fantasie ist gefragt
Wer sich in der Karstadt-Sportabteilung mit "Wanderhosen, Schienbeinschützern und Teamsportbekleidung" ausgerüstet hat, ist für den Ausstellungsrundgang durch alle Stockwerke gut gerüstet. Allerdings bleibt vieles der Fantasie der Betrachter überlassen, denn die Beschriftung der Exponate ist etwas dürftig. Ein erklärender Text neben den Fotogruppen und Vitrinen wäre sicher hilfreich, besonders für jene, die mit der Geschichte der US-Garnison in Bamberg nicht so vertraut sind. Dieses Manko wird gerade auch in den Schaufenstern Richtung Maxplatz deutlich: Wer das versteckt aufgestellte DIN-A-4-Blatt mit dem Ausstellungstitel "Amerikanische Streitkräfte in Bamberg - Fotografien aus sieben Jahrzehnten" nicht entdeckt, ist mit den historisch wertvollen Bildern recht allein gelassen. "1945 erste Soldaten in Bamberg" - Russen, Japaner, Außerirdische? - genügt zumindest für Touristen nicht.

Denn "Bilder sind Aufmerksamkeitsanker", weiß Walter Schweinsberg, Geschäftsführer der Mediengruppe Oberfranken. "Was wäre unser FT ohne Fotografen?", fragte er eher rhetorisch die Vernissage-Besucher. Der Fränkische Tag ist Kooperationspartner der Ausstellung. Sicher nicht zuletzt deshalb, weil diese Zeitung seit ihrem ersten Erscheinen am 8. Januar 1946 das Leben in den amerikanischen Kasernen für die Leserschaft begleitet hat.

Die Ausstellung kann bis zum 27. September während der Geschäftszeiten des Kaufhauses Karstadt besichtigt werden.

Hier können Sie den exklusiven Bildband über die US-Truppen in Bamberg erwerben.
Erhältlich ist das Buch mit 100 Seiten im Format A5 quer zum Preis von 24,99 Euro.

 
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