Bamberg

THW-Helfer vom Balkan zurück - ein Bamberger gehört zur Ablösung

Sechs Forchheimer THW-Helfer blicken auf zwei Wochen harte Arbeit in den Hochwassergebieten des Balkans zurück. Der Bamberger Marco Wittmann gehört zu ihrer Ablösemannschaft und ist jetzt in Bosnien.
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Der Bamberger THWler Marco Wittmann ist derzeit im bosnischen Orasje im Einsatz. Foto: THW Bamberg
Der Bamberger THWler Marco Wittmann ist derzeit im bosnischen Orasje im Einsatz. Foto: THW Bamberg
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Ihre Bräune haben sich die sechs jungen Forchheimer beileibe nicht durch faule Sonnenbäder geholt. Breit grinsend streifen sie die Ärmel ihrer T-Shirts bis zur Schulter hoch: Deutlich zeichnet sich die Linie von Braun zu Weiß ab.

Ihren Humor haben die Brüder Jürgen (32), Leonhard (26) und Sebastian (28) Hoppe sowie Christian Lachmann (23), Claas Vortmann (33) und Marco Wenzel (32) jedenfalls nicht auf dem Balkan gelassen. Vielleicht sind ihre Frotzeleien auch nur ein Ventil, um nach vierzehn Tagen Knochenarbeit auf dem Balkan Luft abzulassen.

Die sechs THW-Helfer des Ortsverbandes Forchheim waren im Dauereinsatz, um den Menschen dort nach dem verheerenden Hochwasser zur Seite zu stehen. Auch nach ihrem Abzug geht der THW-Einsatz nahtlos weiter: Marco Wittmann aus dem Ortsverband Bamberg und weitere Bayern sind vor wenigen Tagen nach Bosnien aufgebrochen.


Wittmann wird als "Logistics Expert HCP" eingesetzt, ist also unter anderem für die Materialbeschaffungen und Geldstellenverwaltung zuständig. Die Bilanz der allesamt ehrenamtlich Engagierten fällt kurz und bündig aus. "Wir würden sofort wieder hinfahren", erklären die Forchheimer unisono.

Und warum? "Die Dankbarkeit der Leute, denen man hilft, entschädigt für alles", antwortet Christian Lachmann prompt und erntet zustimmendes Kopfnicken seiner Kameraden.

Hitze und Mückenplagen

Vergessen sind da die Hitze von 35 Grad Celsius, die stechenden Mückenschwärme, die Behelfsunterkünfte in einem Fliesenlager und heruntergekommenen Hotels. Nicht einmal ein Feierabendbier konnte sich jeder genehmigen. Denn für die notwendigen Nachtschichten mit jeweils drei, vier THWlern hieß es, wach und fit zu sein.
Vierundzwanzig Stunden täglich mussten die Hochleistungspumpen im Auge behalten werden, die das THW zunächst in den serbischen Städten Kostolac und Obranovac, dann im bosnischen Orasje am Laufen hatte.

Teamleiter Claas Vortmann listet nüchtern die notwendigen Arbeiten auf: Schläuche legen, Pumpen aufbauen, regelmäßig mit Diesel betanken, die Technik checken. Und dabei nicht vergessen, stets gründlich die Hände und die Schuhe zu desinfizieren, um Krankheitserregern aus dem Brackwasser nicht das Feld zu überlassen.
Eher Schulterzuckend fällt das Wort "Minen", die das Hochwasser als todbringende Überbleibsel des Balkankrieges in der 1990er Jahren freigespült hat. "Wir sind fast nur auf befestigten Straßen geblieben", sagt Vortmann.

Bei allem Augenmerk auf die "High Capacity Pumping Modules" - so der Fachbegriff für die Pumpen - blieb den jungen Leuten natürlich die Not der Opfer dieser Naturkatastrophe nicht verborgen. Auch, wenn das Wasser weitgehend aus den Straßen abgepumpt oder abgeflossen ist, können nur wenige in ihre Häuser zurück.

Kaum etwas ist vom Mobiliar und Hausrat geblieben. Müllberge türmen sich, die jedoch nach und nach zur Verbrennung abgeholt werden. "Gute Organisation" bescheinigen die Rückkehrer den Behörden in Serbien und Bosnien. Und beklagen dennoch, dass Trinkwasser und Lebensmittel fehlen.

Hilfe beim Trinkwasser

So haben die THWler auch dabei geholfen, Anlagen zur Aufbereitung von Trinkwasser zu installieren, die die Experten der SEEWA (Schnell-Einsatz-Einheit Wasser Ausland) in die Region gebracht haben. Das THW koordiniert im Auftrag der EU alle Tätigkeiten der europäischen Teams im Bereich Wasser, Sanitär und Hygiene. Allein aus deutschen Landesverbänden sind etwa hundert THW-Helfer auf dem Balkan im Einsatz. Sie bleiben jeweils zwei Wochen, werden dann abgelöst von frischen Kräften wie Marco Wittmann.

Die sechs Forchheimer verstehen sich als Mitglieder dieses großen Teams und wollen gewiss keinen Heldenstatus. "Wir haben nur dazu beigetragen, die Situation zu entspannen", resümiert Claas Vortmann. Und erwähnt mehr nebenbei, dass "seine" Leute in Kostolac mit dafür gesorgt haben, dass das einzige für die Stromversorgung noch funktionierende Kohlekraftwerk nach einem Dammbruch am Fluss Mava nicht überflutet wurde, sondern rechtzeitig das Wasser in einen Kanal zurückgepumpt werden konnte.

Wieder daheim angekommen, blieb den Helfern gerade einmal ein Ruhetag zum Verschnaufen. Sie gehen nunmehr ihren eigentlichen Berufen nach: Jürgen Hoppe ist Drucktechniker, seine Brüder Leonhard und Sebastian sind Soldat und Chemielaborant, Christian Lachmann absolviert eine Ausbildung zum Anwendungsentwickler, Claas Vortmann arbeitet als Elektrotechniker und Marco Wenzel als Industrieelektroniker.

Was sie über ihre Fähigkeiten hinaus für ihre Auslandseinsätze brauchen, haben sie beim Technischen Hilfswerk gelernt. Und das seit ihrer Jugendzeit im THW.


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