Bamberg
Zwischenbilanz

Theater: Passend zum Stück zuckten die Blitze

Noch bis zum 13. August gastiert der Fränkische Theatersommer in Schloss Geyerswörth. Eine Zwischenbilanz des Intendanten Jan Burdinski.
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Jan Burdinski in Schloss Geyerswörth: der Intendant des Fränkischen Theatersommers Foto: Theatersommer
Jan Burdinski in Schloss Geyerswörth: der Intendant des Fränkischen Theatersommers Foto: Theatersommer
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Mit "Traumschiff? Ahoi" begann das Gastspiel. Seit 28. Juli residiert der Fränkische Theatersommer in Schloss Geyerswörth. Und erst am 13. August soll nach der Vorstellung von "Judas - Und ja... Ich bin stolz auf diesen Namen" der letzte Vorhang fallen. Zeit für ein erstes Résumé. Wir sprachen mit Jan Burdinski, dem Intendanten der Landesbühne.

Wie läuft's, Herr Burdinki? Entspricht die Besucherresonanz bislang Ihren Erwartungen?
Jan Burdinski: Wir waren sehr erfreut über den Besucheransturm beim Musical-Klassiker "Cabaret", bei den Komödien "Wahnsinnsweiber" und "Die Hochzeitsreise". Allerdings werden wir diesmal sicher nicht auf 1700 Zuschauer kommen wie im vergangenen Rekordjahr, als wir mit dem Musical "My Fair Lady" einen Riesenerfolg landeten. Das liegt natürlich auch daran, dass parallel zu unserem Gastspiel nun das Blues- und Jazzfestival läuft.


Lieber amüsieren

Komödien und Musicals scheinen dem Publikum zu liegen. Was findet weniger Anklang?
Kleinkunstprogramme laufen eher mäßig. Alles, was zu anspruchsvoll, zu philosophisch, hintergründig und kritisch ist, stößt auf ein geringeres Interesse. Die Menschen möchten sich eben amüsieren und nicht mit Dingen befassen, die sie als schmerzlich empfinden. Darum fand auch unser Kammerspiel "Das kosmologische Gleichgewicht oder Lea und der Tod" nicht die Resonanz, die wir uns erhofft hatten.

Aus der Perspektive eines Immigranten thematisieren Sie in der aktuellen Spielzeit die Flüchtlingskrise.
Ja, über das Kammerspiel "Sie, Er und die Auberginen". Dabei handelt es sich um ein Stück, das Kassem Alef schrieb: Ein aus Palästina stammender Autor, der den Nahostkonflikt seit vielen Jahren von Franken aus - seiner zweiten Heimat - erlebt. Kassem Alef beschrieb seine Empfindungen aus diesem besonderen Blickwinkel heraus. Auf diese Weise äußert er sich auch zum Bürgerkrieg in Syrien, nachdem der Mikrobiologe in Damaskus studierte. Als Autor thematisiert Kassem Alef aber ebenso die kulturellen und religiösen Konflikte in unserer Gesellschaft, gerade jetzt auch angesichts der Flüchtlinge, die der Bürgerkrieg zu uns brachte.



Aus Interviews

Gibt's noch ein anderes Stück, das Ihnen besonders unter die Haut ging?
"Wenn wir über Schatten tanzen": Eine Tanztheaterproduktion, die auf einer Interviewreihe mit Seniorenheim-Bewohnern basiert. Es ist faszinierend zu sehen, wie behutsam und subtil Michaela Duhme und Alexander von Hugo als Sänger, Schauspieler und Tänzer die Antworten der hochbetagten Menschen in Bewegungen, schwungvolle Szenen fließen lassen. Sie zeigen Respekt vor dem Alter, was heutzutage nicht mehr selbstverständlich ist. Und dennoch ist "Wenn wir über Schatten tanzen" ein sehr junges Stück.

Wie geht's für den Theatersommer nach dem Bamberger Gastspiel weiter?
Wir werden noch bis Ende Oktober in ganz Oberfranken spielen. Im Herbst gibt es natürlich weniger Vorstellungen, wetterbedingt. Nach unserer Tour bereiten wir dann auch schon unser Jubiläumsjahr vor: das Programm zum 25-jährigen Bestehen des Fränkischen Theatersommers.



Apropos Wetter: Gingen in Bamberg bislang alle Vorstellungen problemlos über die Bühne?
Ein paar Mal erwischt's uns während jedes Gastspiels. Diesmal mussten sich meine Leute und unsere Zuschauer gleich am ersten Wochenende unter den Torbogen im Innenhof von Schloss Geyerswörth flüchten. Passend zum Stück "Hilfe - die Welt ist aus den Fugen" schickte uns Petrus in der Woche darauf Sturm und zuckende Blitze. Ich habe gleich vor Ort reagiert und den Wettergott von der Bühne aus kritisiert: Er solle nicht so angeben.



Alle Termine auf einen Blick

8. August: "Traumschiff ? Ahoi!"
9. August: "Wenn wir über Schatten tanzen" (Tanztheater) von Michaela Duhme und Alexander von Hugo
10. August: "Er, Sie und die Auberginen" (Kammerspiel)
11. August: "Cabaret"
12. August: "In der Nacht ist der Mensch nicht gern alleine" - Schlager, Chansons und Filmmusik-Melodien
13. August: "Judas - Und ja... Ich bin stolz auf diesen Namen" (Kammerspiel )

Tickets: Karten für alle Vorstellungen, die allabendlich im Innenhof von Schloss Geyerswörth um 20 Uhr beginnen, gibt's unter der Nummer 09274 / 947440.
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