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"The Dead don't die" ist so komisch wie es "Ein Becken voller Männer" gerne sein möchte

Welche Filme man in fränkischen Lichtspielhäusern anschauen sollte und auf welche man verzichten kann.
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Bill Murray, Chloë Sevigny und Adam Driver in "The Dead don't die" Foto: Abbot Genser / Focus Features/Image Eleven Productions
Bill Murray, Chloë Sevigny und Adam Driver in "The Dead don't die" Foto: Abbot Genser / Focus Features/Image Eleven Productions

The dead don't die: Also merkwürdig ist das schon. Es wird nicht mehr dunkel und die Uhren bleiben stehen. Und dann sind da auch noch die Fracking-Firmen, die ständig versichern, weder Erdachse noch Erdrotation würden sich durch das Bohren an den Erdpolen ändern. Als dann auch noch zwei Frauen im einzigen Diner im amerikanischen Kaff namens Centerville mit nie gesehenen Wunden tot aufgefunden werden, ist für die Polizisten Sheriff Cliff Robertson (Bill Murray) und Officer Ronald Peterson (Adam Driver) klar, dass entweder ein wildes Tier oder mehrere wilde Tiere oder Zombies die Tat begangen haben. Zum Glück gibt es noch den Nerd Bobby Wiggins (Caleb Landry-Jones), der alle Zombie-Filme gesehen hat und die Samurai-Schwert-schwingende schottische Bestatterin Zelda Winston (Tilda Swinton in einer wunderbaren Mischung aus Doctor Stranges Ancient One und Computer-Freak), die genau wissen, wie sie Zombies töten müssen. "The dead don't die" ist ein herrlicher schwarzer Film-Spaß, in dem es vor Anspielungen auf andere Filme nur so wimmelt und der sich auch noch selbst auf den Arm nimmt. Etwa wenn es um das Lied "The Dead don't die" von Sturgill Simpson geht, das immer wieder zu hören ist und das, wie Ronald Peterson versichert, deshalb so bekannt ist, weil es das Titellied des Films ist. Oder wenn Cliff Robertson mault, weil er nur die Szenen aus dem Drehbuch vorab lesen durfte, in denen er zu sehen ist, während Ronald Peterson das ganze Drehbuch lesen durfte. Gleichzeitig teilt die Handlung kräftig gegen Trumps USA aus, ohne dass das nervtötend daher kommt. Die souverän aufspielende Star-Besetzung lässt über das irgendwie unfertige Ende hinwegsehen. Aber vielleicht hat das einfach nicht mehr ins Drehbuch gepasst. Länge 103 Minuten, FSK: 16.

Men in Black: Es ist der mittlerweile vierte Teil der Men-in-Black-Reihe und wie das bei Film-Reihen so ist, sollte man zumindest einen der vorherigen Filme gesehen haben. Sonst wird man nicht so ganz verstehen, was die gutgekleideten Herrschaften - allen voran Agent M (Tessa Thompson) und Agent H (Chris Hemsworth) - im futuristischen Londoner Hauptquartier der geheimen Behörde und weltweit so tun: nämlich Außerirdische bekämpfen. Und die sind entweder riesig oder klein, aber meistens ganz hübsch anzuschauen. Hübsch anzuschauen ist auch Chris Hemsworth im schwarzen Anzug, den er schon mal mit offenem weißem Hemd aufreizend lässig trägt. Doch das kann nicht darüber hinweg täuschen, dass man sich zwischendurch fragt, weshalb die beiden Agenten das tun, was sie gerade tun, außer eben gut auszuschauen. Dass Tessa Thompson und Chris Hemsworth auf der Leinwand gut harmonieren, haben sie schon als Thor und Valkyrie in den Marvel-Filmen bewiesen, vielleicht braucht es einfach den fünften Teil der Reihe, damit die Nachfolger von Will Smith und Tommy Lee Jones so richtig in Fahrt kommen. Länge: 115 Minuten, FSK 12.

Der Klavierspieler vom Gare du Nord: Im Pariser Bahnhof Gare du Nord steht ein Klavier, das jeden Passanten zum Spielen einlädt. Auch Mathieu Malinski (Jules Benchetrit) spielt. Aber er spielt unter anderem Stücke von Bach so gut, dass Pierre Geithner (Lambert Wilson) nicht anders kann, als stehenzubleiben und ihm zuzuhören. Pierre erkennt, dass der Außenseiter Mathieu ein ungewöhnliches Talent hat und schafft es, den Jungen Klavierunterricht an seinem Musikinstitut geben zu lassen - und ihn zu einem internationalen Wettbewerb zu schicken. "Der Klavierspieler vom Gare du Nord" erfüllt alle Erwartungen, die man an einen Vom-Außenseiter-zum-Star-Film haben kann, mixt Klischees und eine Liebesgeschichte hinein. Heraus kommt ein netter Film, mit dem man ganz gut einen zu heißen Sommernachmittag im kühlen Kinosaal verbringen kann. Länge: 106 Minuten, FSK 0.

Ein Becken voller Männer: Seit zwei Jahren hat er keinen regelmäßigen Job mehr, mischt am Morgen Mittel gegen Depression in sein Müsli, verbringt den Tag mit Videospielen auf dem Sofa und geht schwimmen, um die Zeit totzuschlagen. Im Schwimmbad liest Bertrand (Mathieu Amalric, kürzlich erst in "Van Gogh" zu sehen) eines Tages, dass eine Gruppe Männer Verstärkung für ihr Team sucht - im Synchronschwimmen. Weil er nichts Besseres zu tun hat, geht Bertrand zum nächsten Treffen und begegnet dort Typen, die sind wie er: im mittleren Alter und irgendwie gescheitert in ihrem Leben. Angestachelt durch ihre Trainerin Delphine (Virginie Efira) packt sie trotz der Häme ihrer Umgebung der Ehrgeiz, in einem als weiblich eingestuften Sport nicht nur gut zu sein, sondern an den Weltmeisterschaften teilzunehmen. So unglaublich das klingt, so unglaublich vorhersehbar ist auch der gesamte Film, dessen typische französische Hektik nur stellenweise komisch ist. Vergleicht man "Ein Becken voller Männer" mit dem "Swimming with men", der ebenfalls nicht einer der besten Unterhaltungsfilme 2018 war, erkennt man zumindest, dass die Briten dem Thema, das wohl von der wahren Geschichten einer schwedischen Mannschaft inspiriert wurde, mehr Biss und Humor einhauchen konnten. "Ein Becken voller Männer" bleibt da ein langweiliger Versuch. Länge: 122 Minuten, FSK 6.

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