Bamberg
Klimarekord

Temperaturen bis zu 45 Grad in Bamberg?

2018 war das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen in Bamberg. Hört man Klimaforscher, markiert das Rekordjahr nur den Beginn einer "Heißzeit".
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Monatelang war der Sendelbach 2018 in Bamberg bis auf den letzten Tropfen ausgetrocknet. Werden sich solche Wetteranomalien künftig häufen? Foto: Ronald Rinklef
Monatelang war der Sendelbach 2018 in Bamberg bis auf den letzten Tropfen ausgetrocknet. Werden sich solche Wetteranomalien künftig häufen? Foto: Ronald Rinklef

Es wird heiß in Bamberg. Das ist längst nicht mehr nur eine Prognose. Es ist Fakt. "Noch nie war es so warm in Bamberg seit Beginn der Aufzeichnungen 1879", sagt der Klimaforscher Thomas Foken. Fast elf Grad wurden im abgelaufenen Jahr im Mittel erreicht, der langjährige Schnitt liegt bei 8,5 Grad.

Überrascht hat dieser Rekordwert Foken allerdings nicht. Man muss kein Klimaforscher sein, um die Richtung zu erkennen, in die sich die Natur bewegt. Lang anhaltende Dürreperioden, ungewohnte Starkregenereignisse, extreme Winde und immer wieder Rekordtemperaturen! So zeigen die Werte, die an der Wetterwarte in der Bamberger Südflur gemessen werden, bereits seit Jahren nur noch in eine Richtung. Besonders deutlich wird das bei der Durchschnittstemperatur, gemittelt immerhin an 365 Tagen.

Wer diese Werte miteinander vergleicht, sieht eine Fieberkurve, die erkennbar nach oben klettert. Sieben Mal schon überstieg das Quecksilber seit 1990 die Marke von zehn Grad, früher ein Wert, wie er im Oberrheingraben herrschte. Der immer noch gültige Mittelwert von Bamberg, 8,5 Grad, wurde seit 1990 dagegen nur drei Mal erreicht oder unterschritten.

Bezeichnend für die Prognosen der Klimaforscher: Die Rekorde halten sich nicht lang. So markiert das aktuelle Jahr die wohl nur vorläufige Spitze des Erwärmungstrends. Kurz vor Ende Weihnachten stand bereits fest, dass 2018 mit einem Wert von 10,75 Grad im Mittel abschließen wird. Das ist ein Plus von 2,25 Grad gegenüber dem Schnitt und ein Novum in der Geschichte der Temperaturaufzeichnungen in Bamberg. Diese reichen immerhin bis ins Jahr 1879 zurück. Für Foken ist aber es wahrscheinlich, dass es in Bamberg seit mindestens 800 Jahren keine höheren Temperaturwerte über ein Jahr gab. Damals ging die mittelalterliche Wärmephase zu Ende.

Bamberg ist keine Ausnahme: Überall in Franken war 2018 ein Rekordjahr

Eine Ausnahme ist Bamberg freilich nicht. Überall in Franken wurden 2018 die bisherigen Rekorde übertroffen, auch in Bayreuth, wo bereits seit 1851 Temperaturen gemessen werden. Bemerkenswert ist 2018 die Beständigkeit im Extremen, die zu einer lang anhaltenden Trockenheit mit nur 390 Litern Regen pro Quadratmetern (60 Prozent des Mittelwerts) führte und zu einer bislang nicht da gewesenen Serie von Tagen mit über 30 Grad. Foken, emeritierter Meteorologe der Universität Bayreuth, sieht sich durch die jüngsten Daten in Franken in seinen Befürchtungen bestätigt. "Als ich 2000 angekündigt hatte, dass es im Fichtelgebirge in 20 Jahren keinen Ort mehr geben wird, in dem länger als zwei Monate Schnee liegt, bin ich ausgelacht worden. Doch heute wissen wir, ich hatte Recht."

Ab 2050 Temperaturen in Bamberg wie in Oberitalien?

Wie sieht die Zukunft in Bamberg aus? Foken rechnet damit, dass im fränkischen Tiefland schon zur Mitte des Jahrhunderts Temperaturen wie heute in Oberitalien herrschen, also elf bis zwölf Grad, mit Ausschlägen nach oben und unten. Ob es dann feuchter sein wird oder trockener, lässt sich laut Foken nicht sagen. Es gebe wegen der sich erwärmenden Arktis derzeit einen Hang zu blockierenden Wetterlagen, doch niemand wisse, ob das anhält. "Die Energie ist da, doch wo sie hingeht, wissen wir nicht."

Wetter stellt Land- und Forstwirtschaft vor Herausforderungen

Mikrometeorologe Johannes Lüers beschäftigt sich an der Uni Bayreuth seit vielen Jahren mit der Klimafolgenforschung. Für ihn ist klar, dass es vor allem die Unberechenbarkeit sein wird, die Land- und Forstwirtschaft vor ungeahnte Herausforderungen stellt. Beständige Wetterabläufe wie man sie bisher zu kennen glaubte, würden abgelöst durch krasse Wetterwechsel.

Glaubt man Lüers, wird sich auch die Stadtbevölkerung in den nächsten Jahren nicht gekannten Klimaverhältnissen anpassen müssen: "45 Grad Celsius können in Bamberg ebenso wenig ausgeschlossen werden wie Starkniederschläge von bis zu 400 Litern in einer Woche."

Eine zerstörerische Folge der Dynamik im Wettergeschehen haben im Herbst 2018 die Bewohner der Steigerwald-Region am eigenen Leib erlebt: Unwetter, die aus heiterem Himmel entstehen und eine Schneise der Zerstörung hinterlassen. Lüers: "Solche Tornados und Fallwinde gibt es immer häufiger. Und sie schlagen mit brutaler Gewalt zu."



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