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Flüchtlinge

Technik aus Bamberg: Der Computer entlarvt Asylbetrüger

Digitale Erkennungssysteme sollen dem Bundesamt für Migration künftig eine weitgehend zweifelsfreie Identifizierung von Asylbewerbern ermöglichen.
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Zweifelsfreie Identifizierung durch neue Erkennungstechniken: Frank-Jürgen Weise und Markus Ulbig wollen das deutsche Asylsystem sicherer machen.  Foto: Ronald Rinklef
Zweifelsfreie Identifizierung durch neue Erkennungstechniken: Frank-Jürgen Weise und Markus Ulbig wollen das deutsche Asylsystem sicherer machen. Foto: Ronald Rinklef
Vom Abgleich biometrischer Bilddaten bis zur Erkennung arabischer Dialekte durch eine neuartige Sprachsoftware: Es sind fünf digitale Systeme, die das Feststellen der Identität von Flüchtlingen in Deutschland auf eine bislang nicht gekannte Glaubwürdigkeitsstufe bringen sollen. Entwickelt und erprobt wurden diese Techniken in der in Bamberg beheimateten Aufnahmeeinrichtung Oberfranken (AEO).

"Wir haben Tausende von Stimmproben eingekauft, um die Phonetik der Herkunftsländer abbilden zu können. Es handelt sich um ein weltweit neues, absolut zukunftsweisendes System", sagt Markus Richter, IT-Direktor des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf). Was die digitalen Helfer zu leisten vermögen, wurde am Dienstag in Bamberg unter anderen von Frank-Jürgen Weise, dem Beauftragten der Bundesregierung für Flüchtlingsmanagement, und von Markus Ulbig, dem Vorsitzenden der deutschen Innenministerkonferenz, vorgestellt. Glaubt man den Aussagen der Bamf-Vertreter, ist die Treffergenauigkeit hoch: Schon das Vorsprechen eines zweiminütigen Textes verrät die regionsgenaue Herkunft eines arabischen Sprechers. Der Versuch, die Technik auszutricksen, etwa indem ein Asylbewerber andere Dialekte nachahmt, würden vom Computer entlarvt. Ein roter Warnhinweis in der Datei der betreffenden Person sei die Folge solcher Täuschungsmanöver, so Richter.

Bisher hatten die Entscheider im Bundesamt kaum wirkungsvolle Hilfsmittel, um die Angaben von Asylbewerbern über Herkunft und Person schnell auf ihre Richtigkeit zu überprüfen. Fälle wie jener des 28-jährigen Oberleutnant Franco A., der sich als syrischer Asylbewerber ausgab, um perfide Anschläge zu begehen, oder auch das Treiben von Anis Amri, des Attentäters von Berlin, der sich mit 14 Identitäten durch Europa bewegte, haben den Glauben vieler Deutscher an das Funktionieren des Asylsystems erschüttert.

Durch die in Bamberg entwickelten Möglichkeiten könnte wieder Vertrauen zurückgewonnen werden. Frank-Jürgen Weise sprach davon, dass es nun möglich sei, die Herkunft eines Menschen nahezu eindeutig zu klären. "Wir können sicherstellen, wer im Land ist." Um mehr Gewissheit über die Angaben zu erlangen, soll künftig auch ein obligatorischer biometrischer Bildabgleich an Hand von 200 Punkten im Gesicht erfolgen.

Die Eingabe der arabischen Familiennamen in den Computer gibt zusätzlichen Aufschluss. In wenigen Sekunden gleicht der Rechner die Daten mit der Namenshäufigkeit in den Regionen ab.

Noch wird im Rahmen der Gesetzgebung geprüft, ob künftig auch Handydaten von Asylbewerbern ausgelesen werden dürfen. Bei freiwillig durchgeführten Tests in Bamberg zeigte sich, wieviel an Erkenntnissen gewonnen werden kann, wenn man etwa Bewegungsprofile über die GPS-Daten von Fotos erstellen könnte. Auch die von einem Handy gewählten Vorwahlnummern wären für die Entscheider hoch interessant.

Die neuen Möglichkeiten der Identitätsfeststellung sollen sukzessive in allen deutschen Ankunftszentren des Bamf eingeführt werden.

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