Bamberg
Grossereignis

Tausende auf Schatzsuche

Am Feiertag war die Innenstadt fest in der Hand von Antik- und Trödelfans. Der Bürgerverein Bamberg Mitte, Händler und Publikum waren hoch zufrieden.
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Rund 400 Händler an 500 Ständen: Da gab es für die Trödelfans viel zu entdecken. Foto: Ronald Rinklef
Rund 400 Händler an 500 Ständen: Da gab es für die Trödelfans viel zu entdecken. Foto: Ronald Rinklef
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Lunge, Leber, Milz, Galle: alles perfekt trotz der Bierflüsse aus davor stehenden Bamberger Brauereikrügen. Nur die Pumpe ist ausgefallen! Das Anatomiemodell präsentiert sich herzlos! Dafür als augenfälliges Kuriosum auf diesem 20. Antik- und Trödelmarkt am Nationalfeiertag, 3. Oktober. Vor allem die unmittelbare Nachbarschaft auf diesem Tisch des Händlers, der sich "wegen dem Finanzamt" als "Horst Schlemmer" ausgibt, fasziniert: Bambergs berühmtestes Ehepaar, nämlich Heinrich II. und Kunigunde, als Skulpturen um 1840 für schlappe 800 Euro. Allerdings hat ein frommer Vorbesitzer aus der heiligen Kaiserin eher eine Madonna mit blauem Schleier kreiert: "Die Farbfassung müsste entfernt werden", empfiehlt "Horst Schlemmer" einer Interessentin.

Ob diese nun die Bamberger Bistumspatrone erworben hat, oder doch das Abschrubben der Farbe gescheut hat, ist nicht bekannt. Fest steht aber, dass es dem Bürgerverein Mitte als Veranstalter des Antik- und Trödelmarktes wieder gelungen ist, Tausende Schatzsucher in die Innenstadt zu locken. "Selbst für Einheimische ist es nett, sich alles unverbindlich anzuschauen", meinte Martina Schneider, die mit ihrem Mann Peter als Marktleiter/in fungierte. Es sei mal etwas anderes als ein "Fressmarkt" oder das Jazz & Bluesfestival oder Kirchweih: "Das tut der Stadt gut und bereichert als ein Open-Air!", so Martina Schneider.

Buntes Sammelsurium

Rund 400 Händler an 500 Ständen hatten ihre Waren im Angebot. Ein buntes Sammelsurium an Porzellan, Bildern, Gläsern, Leinen, Kleinmöbeln, Puppen und all den Dingen, "die kein Mensch braucht, alles, was Sie hier sehen, ist purer Luxus, aber schön zum ansehen", sagte ein Händler aus Düsseldorf unverblümt. Er zeigte sich hochzufrieden mit dem Verlauf des Marktes. Freute sich an dem Paar, das extra wegen dieses Ereignisses aus Hannover angereist war und bei ihm einen rechteckigen Weidekorb für zwanzig Euro erstand. Ohne zu handeln. Denn "so einen Korb haben wir für unser Kaminholz gesucht!", strahlte die Frau.

Allerdings hatte sie sich verkniffen, schon beim Aufbau der Stände um sieben Uhr in der Früh mit der Taschenlampe nach einem Schnäppchen Ausschau zu halten. Solche Schatzsucher gab es tatsächlich, wie Händler erzählten. Sie allesamt mussten sich zudem den gestrengen Augen der beiden Experten Siegfried Beil und Jürgen Loefke stellen, die das Warenangebot vor offizieller Marktöffnung begutachteten. "Wir versuchen, die Qualität aufrecht zu erhalten und nur ehrliche Ware zum Verkauf kommen zu lassen", erklärte Beil. Kopien, Fälschungen, neuere Sachen seien nicht erlaubt. Und so hätten "ein paar Stände, die nichts mit dem Antikmarkt zu tun haben, eine schlechte Beurteilung erhalten". Dürfen folglich im nächsten Jahr nicht mehr dabei sein.

Wer von den Käufern genauer wissen wollte, was sein erworbener Schatz tatsächlich wert ist, marschierte zwischen 14 und 16 Uhr zu den Gutachtern Beil und Loefke. So wie beispielsweise Susanne Stäblein aus Münnerstadt. Die Sammlerin von Asiatica zeigte vier kleine Wächter-Figuren aus Stein, Provenienz China. "Um 1900" datierte Beil die feine, "sehr interessante" Arbeit, riet der Frau aber, einen in diesem Spezialgebiet Fachkundigeren als ihn heranzuziehen. Auch das gehörte zum "ehrlichen" Antik- und Trödelmarkt "mit netten Leuten, an dem der Spaß an erster Stelle steht", wie eine Hobby-Händlerin aus Straubing sagte und einem Familienvater eine alte Kinderbadewanne aus Zinn anpries.

Erlös für guten Zweck

Und wenn dem Anatomiemodell das Herz fehlte, vermisste an ihrem Stand ein Frauenbein gleich den ganzen Körper. Dafür steckte es in einem schwarzen Netzstrumpf: "Die Leute kaufen so was als Deko!", lachte die Straubingerin.

Der gesamte Erlös des Markttages kommt wie bisher gemeinnützigen, sozialen Zwecken im Inselgebiet zugute: "Der Vorstand und der Beirat des Bürgervereins Bamberg Mitte werden darüber entscheiden", erklärte Vereinsvorsitzender Reiner Dietz.

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