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Tattoo-Convention Bamberg in Strullendorf: Stetig surrt die Nadel

Über 60 Aussteller und Hunderte Besucher machten die 12. Auflage der Internationalen Tattoo-Convention in Strullendorf zum Erfolg.
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Lisa (27) aus Forchheim lässt sich bei Punki (Strullendorf) ein Tattoo stechen. Foto: Alexander Hitschfel
Lisa (27) aus Forchheim lässt sich bei Punki (Strullendorf) ein Tattoo stechen. Foto: Alexander Hitschfel
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Inmitten der rund 60 Tätowierer und Piercer ist sie anzutreffen: Sandra "Punki" Schinkel, die seit zwölf Jahren ein kleines Tattoo-Studio in Strullendorf betreibt. An diesem Wochenende nimmt sie mitsamt ihres Inventars an der 12. Auflage der Internationalen Tattoo-Convention Bamberg in der Hauptsmoorhalle teil.

Wie hat sich das Geschäft in den vergangenen Jahren entwickelt? "Waren es früher meistens eher kleine und unauffälligere Tattoos, ist man immer häufiger dazu übergegangen, ganze Körperteile, wie komplette Arme, oder den kompletten Rücken, zu tätowieren", erzählt Punki. Hinzu komme, dass der Körperkult weiblicher geworden sei. Noch vor zehn bis fünfzehn Jahren hätten überwiegend Männer sich ein Tattoo stechen lassen.

Außerdem würden sich auch immer ältere Menschen Tattoos stechen lassen - Midlife-Crisis? "Nein, das glaube ich nicht. Sondern das Tattoo ist nicht mehr so verpönt, wie noch vor 15 Jahren, es ist gesellschaftsfähiger geworden."

Was momentan der Trend beim Tätowieren ist? "Zeitlose Motive wie Totenköpfe und Blumen gehen immer", erzählt sie. Aber es gibt auch Kunden, die sich sehr außergewöhnliche Motive stechen lassen. "Manchmal frage ich dann nicht mehr nach, sondern mache einfach", sagt sie mit einem Schmunzeln.
Da wird schon mal ein voller Bierkrug, ein Einkaufswagen, oder eine Waschmaschine auf den Oberarm tätowiert. "Manche Leute denken nicht darüber nach, dass sie ein Leben lang damit rumlaufen müssen", sagt sie.

Und wenn das Tattoo nicht mehr gefällt? Dann bleiben zwei Möglichkeiten: Immer häufiger kommt das sogenannte "Cover up" zum Einsatz. "Da wird das alte Motiv einfach durch ein anderes ersetzt, oder das bereits bestehende Motiv wird aufgehübscht.
"Da sind zum Beispiel die Pandabären, die vor vielen Jahren ,in‘ waren, die ausschauen, als ob sie eine Wirbelsäulenverkrümmung haben", scherzt Punki. "Da wird halt dann ein richtiger Panda draus".
Nach rund einer dreiviertel Stunde ist auch das neue Tattoo von Lisa aus Forchheim fertig. Es ist ein etwa 15 auf acht Zentimeter großer Totenkopf in Schwarz-Weiß am Unterarm. Es ist nicht das erste Tattoo der 27-Jährigen. Auf ihren Armen finden sich verschiedene Blumenmotive. Und jetzt ein Totenkopf? "Ja, ein weiblicher Totenkopf", korrigiert die 27-Jährige. "Das Motiv hat mir spontan gefallen", begründet sie ihre Auswahl. Und wenn es ihr im Alter einmal nicht mehr gefällt? "Wem gefällt sein Körper schon noch im Alter, dann ist wenigstens ein bisschen Farbe und Körpermalerei drauf", scherzt Lisa.

Aber auch sonst war auf der Convention Einiges geboten. Wer sich noch nicht ganz sicher war, konnte sich über die neuesten Trends informieren. Für die Veranstalter jedenfalls war die zwölfte Auflage ein voller Erfolg.

Das erzählen Besucher der Convention zu ihren Tattoos:


Dodu Müller, aus Bamberg: "Ich habe bereits ein Tattoo auf dem Unterarm", erzählt der 31-jährige Bamberger und zeigt seinen Arm in die Kamera. "One step closer" steht dort auf der Unterseite des Arms. Warum ausgerechnet dieser Satz? "Das ist ein Schriftzug, den ich schon seit 2012 habe", sagt er. Für Dodu ist es nicht irgendein Schriftzug, sondern der Titel eines Liedes, das er selbst komponiert hat. Auf der Tattoo-Convention ist er, um sich für sein nächstes Tattoo inspirieren zu lassen. Was es wird? "Noch keine Ahnung, mal schauen".

Swen Krähmann, aus Zapfendorf: "Ich habe mir zwei Tattoos machen lassen", erzählt der 48-Jährige. "Das eine ist der Vorname von meiner Ehefrau Daniela", sagt er stolz und gibt preis, dass er das Tattoo als Liebesbeweis für seine Frau hat stechen lassen. "Das habe ich deswegen gemacht, weil wir vor zwei Jahren unser 20-jähriges Ehejubiläum feiern konnten", erzählt er. An seinem Oberarm prangt ein Sensenmann. "Auch hier gibt es eine Geschichte dazu, die ich aber gerne für mich behalten würde", sagt der Mann, der auf alle Fälle noch mehr Tattoos haben möchte.

Daniela Krähmann, aus Zapfendorf: "Man ist nie zu alt für Tattoos", sagt die 49-Jährige, die sich, ebenfalls als Liebesbeweis, vor zwei Jahren den Namen ihres Ehemanns auf den Unterarm tätowieren lassen hat. Am Oberarm ist zudem ein Totenkopf mit Rose und Schmetterlingen positioniert, am anderen Arm ein Kirschblütenast. "Darin sind die Anfangsbuchstaben unserer Kinder eingearbeitet", erzählt die 49-Jährige. Auch für Daniela ist noch lange nicht Schluss. Für sie ist die Convention eine Gelegenheit, sich Gedanken über die Motivauswahl für ihr nächstes Tattoo zu machen.

Samira Schröter, aus Memmelsdorf: Die 18-Jährige wollte sich an der Convention ihr zweites Tattoo stechen lassen. Gleich unterhalb ihres Handgelenks hat sie sich bereits eine Lotusblüte tätowieren lassen. Jetzt soll noch eine Amaryllis am Knöchel dazukommen. Die Lotusblüte ist ungefähr fünf auf vier Zentimeter, ähnlich soll jetzt auch die zweite Blume werden. Sie hat für Samira eine ganz besondere Bedeutung: Es geht um ihre Schwester. Genaueres will die 18-Jährige aber nicht verraten.

Norbert Dippold, aus Drosendorf: Der 52-Jährige trägt seit 17 Jahren Tattoos. "Am Anfang war der Falkenkopf", erinnert sich Dippold an sein erstes Tattoo zurück. Warum ausgerechnet ein Falke? "Das hat meine damalige Lebenseinstellung verkörpert, nämlich die Freiheit", erzählt er. Danach kamen dann Totenköpfe und weitere Tattoos. "Das ist wie eine Sucht. Wenn man einmal damit angefangen hat, kann man nicht mehr aufhören", erzählt er. Der 52-Jährige hat einen Hang zu Totenköpfen: "Das ist für mich ein Zeichen der Vergänglichkeit."
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