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Bamberg
Dokumentenverarbeitung

Swiss Post Solutions in Bamberg: Jede Rechnung wird digitalisiert

Mit ihrer Tochter Swiss Post Solutions (SPS) steuert die Schweizerische Post von Bamberg aus die Geschäftsprozesse anderer Unternehmen. Siemens zählt zu den Kunden. Auch Anträge für die Bahncard landen bei SPS.
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Michael Auerbach, Geschäftsführer von SPS Deutschland, in der Bamberger Zentrale: Das Unternehmen erfasst unter anderem für andere Firmen die Posteingänge und digitalisiert sie. Außerdem werden in Bamberg Kredit- und andere personalisierte Karten angefertigt. Foto: Matthias Hoch
Michael Auerbach, Geschäftsführer von SPS Deutschland, in der Bamberger Zentrale: Das Unternehmen erfasst unter anderem für andere Firmen die Posteingänge und digitalisiert sie. Außerdem werden in Bamberg Kredit- und andere personalisierte Karten angefertigt. Foto: Matthias Hoch
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Wenn in der Poststelle der Erlanger Siemens-Zentrale ein Brief eingeht, dann kümmern sich erst einmal Betriebsfremde darum. "Da sitzen 40 Leute von uns", berichtet Michael Auerbach. Auerbach ist Geschäftsführer für das Deutschlandgeschäft von Swiss Post Solutions, kurz SPS genannt, einer Tochterfirma der Schweizerischen Post. SPS hat ihren Sitz in Bamberg und hat sich darauf spezialisiert, für andere Unternehmen Geschäftsabläufe zu übernehmen, die mit Informations- und Dokumentenverarbeitung zu tun haben. Siemens gehört seit Mitte vergangenen Jahres zu den Kunden. Auch andere Dax-Unternehmen wie Eon oder die Münchener Rück haben Arbeit an die SPS abgegeben. Klassisches Outsourcing, wie es in der Fachsprache heißt.

"Wir bearbeiten zum Beispiel pro Jahr ungefähr neun Millionen Rechnungen von Siemens in Deutschland", sagt Auerbach.
Große Datenströme wie Rechnungen landeten gar nicht mehr beim Kunden, sondern kämen direkt nach Bamberg. Hier werden die Schriftstücke geöffnet, gescannt und ausgelesen.

Von Bamberg nach Vietnam

Inzwischen ist bei Swiss Post Solutions die digitale Transformation solcher Dokumente in der Regel Standard. Auf elektronischem Wege gelangen die gescannten Daten dann laut Auerbach nach Vietnam, wo rund 1400 Menschen der Schwesterfirma SPS Vietnam sie überprüfen und ergänzen, was die Maschinen nicht vollständig erfasst haben.

Weltweit arbeiten 6800 Menschen für die Swiss Post Solutions, die ihre Outsourcing-Lösungen nicht nur in der Schweiz und in Deutschland anbietet. Weitere Kernmärkte sind Großbritannien, Frankreich und die USA. Von den 1800 Beschäftigten in Deutschland arbeiten rund 680 am deutschen Zentralstandort in Bamberg und Hallstadt (Landkreis Bamberg). Seit vergangenem Jahr ist die SPS auch in Coburg mit 60 Mitarbeitern vertreten.
Dabei geht es an den fränkischen Standorten um weit mehr als digitale Datenerfassung. "Unsere Service-Lösungen für Geschäftsprozesse bieten wir entlang des gesamten Informationsstroms an", sagt der Geschäftsführer. Dazu gehört auch die Verarbeitung von Daten nach bestimmten Regeln oder die sogenannte Fallbearbeitung.

Auerbach nennt als Beispiel das Bonusheft beim Zahnarzt. Für bestimmte Krankenkassen überprüfen die SPS-Mitarbeiter die eingereichten Bonushefte und übernehmen auch die Korrespondenz mit den Versicherten.
Selbst Schriftstücke, die dann notwendig sind, werden von der Schweizerischen Posttochter selbst angefertigt. Dazu betreibt SPS nach eigenen Angaben große Druckzentren in Baden-Württemberg und in Prien am Chiemsee.

Payback-Karte made in Bamberg

Ähnlich wie bei den zahnärztlichen Bonusheften der Krankenkassen läuft es im Falle der Bahncard. Wer eine solche irgendwo in Deutschland bei der Bahn beantragt, dessen Auftrag landet schon seit Jahren bei der Swiss Post Solutions in Bamberg - und wird hier komplett abgewickelt.

"Die SPS wächst", sagt Geschäftsführer Auerbach. Im ersten Quartal 2014 habe das Unternehmen weltweit gesehen einen Gewinn vor Zinsen und Steuern in Höhe von 5 Millionen Schweizer Franken (rund 4,1 Millionen Euro) erzielt. "Deutschland hat diesen Erfolg mit unterstützt." Laut Geschäftsbericht der Schweizerischen Post war der Gewinn der Sparte SPS im gesamten letzten Jahr nicht höher gewesen.

Ein weiteres wesentliches SPS-Geschäftsfeld, in dem in Bamberg allein 240 Mitarbeiter beschäftigt sind, ist die Produktion von Wertkarten: zum Beispiel Kreditkarten von Visa oder Mastercard, Tankkarten, Payback-Karten oder E-Tickets. In der Regel kommen die Plastikrohlinge schon bedruckt nach Bamberg. Hier wird die Karte dann personalisiert: Magnetstreifen, Chip, Sicherheitsmerkmale. "Rund 120 Millionen Karten werden jährlich bearbeitet", berichtet Auerbach.

Auch in diesem Fall umfasst die Dienstleistung der Swiss Post Solutions mehr als die bloße Kartenproduktion: neue Kartennutzer gewinnen, Anträge bearbeiten, Fragen beantworten, Kunden binden - Ölkonzerne wie Aral und Shell oder Kreditinstitute haben diese Aufgaben komplett an SPS übertragen.

MeillerGHP im selben Gebäude

Eigentlich könnte SPS-Geschäftsführer Auerbach aufgrund der jüngsten Geschäftsentwicklung in diesen Tagen zufrieden in seinem Büro an der Kronacher Straße in Bamberg sitzen.

Doch den Manager wurmt, dass seine Swiss Post Solutions mit der im gleichen Gebäude arbeitenden Firma MeillerGHP verglichen wird. "Die Leute in Bamberg denken, wir schließen", sagt Auerbach. Dabei seien SPS und MeillerGHP seit drei Jahren nicht mehr verbunden. MeillerGHP, der Spezialist für personalisierte gedruckte Werbesendungen, hatte im Februar ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt. In diesem Zuge wird der Standort Bamberg demnächst geschlossen, 190 Beschäftigte verlieren ihren Arbeitsplatz.

Ganz von ungefähr kommt die Verbindung, die einige Bamberger zwischen SPS und MeillerGHP herstellen, aber nicht. Immerhin gehört MeillerGHP zu 35 Prozent der Schweizerischen Post. Die Hauptanteile hält allerdings die Österreichische Post.

Die Schweizerische Post ist seit 2006 in Franken aktiv. Sie war damals als Mehrheitsgesellschafter bei der Unternehmensgruppe GHP eingestiegen, die in der Region Bamberg mehr als 1000 Menschen beschäftigte. Im Herbst 2008 hatten die Schweizer dann vollständig die Anteile von GHP erworben.

GHP wiederum war aus der 1953 gegründeten Firma Günther Druck entstanden. Die Vorgängerfirma der heutigen Swiss Post Solutions hatte sich unter anderem als Hauptsponsor der Bamberger Bundesliga-Basketballer einen Namen gemacht.
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