Bamberg
Komplikationen

Studium mit 17: Zu jung, um zu bestimmen

Leonie Völkner hat im Sommer ihr Abitur gemacht. Inzwischen studiert die 17-Jährige aus Höchstadt an der Universität in Bamberg. Und das geht auch nur, weil ihre Mutter für sie die Immatrikulation unterschrieben hat.
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Sie würde gern, darf noch nicht: Leonie Völkner ist mit 17 noch zu jung, um zu unterschreiben, zumindest, wenn es um ihr Studium an der Universität in Bamberg geht.  Foto: Sebastian Martin
Sie würde gern, darf noch nicht: Leonie Völkner ist mit 17 noch zu jung, um zu unterschreiben, zumindest, wenn es um ihr Studium an der Universität in Bamberg geht. Foto: Sebastian Martin
Mit 17 hat man noch Träume. Die Welt steht offen. Nie wieder wird man wohl so ungezwungen leben wie in dem Alter zwischen Kindheit und Erwachsensein. Endlich selber entscheiden, darauf hat sich auch Leonie Völkner gefreut: Sie ist 17. Die Schule hat für sie im Sommer endgültig geendet. Mit dem Zeugnis in der Tasche fühlt sie sich frei und hat sich gedacht: "Jetzt kann ich endlich das machen, auf was ich Lust habe." Reisen, etwas von der Welt sehen und sich noch mehr für den guten Zweck engagieren. Und dann wird doch alles nicht so einfach, weil man eben trotz aller Reife, trotz der Zwanglosigkeit, ohne jeden Tag in die Schule zu müssen, noch nicht volljährig ist. Und das ist Mist. Aber der Reihe nach.

Mit ihren jungen Jahren hat Leonie ihr Abitur am Gymnasium als eine der jüngsten abgelegt.
Seitdem es das auf acht Jahre verkürzte Gymnasium gibt, sind noch mehr Abgänger mit Hochschulreife so jung wie die Höchstadterin, also noch nicht 18. Und das hat auch Folgen für die Bürokratie an den Hochschulen. Denn nach dem geltenden Recht sind Minderjährige nun mal nicht geschäftsfähig, sie dürfen keine offiziellen Dokumente unterschreiben. Das musste auch Leonie Völkner selbst erfahren.

Leonie gehört zu den reiferen Jugendlichen. Sie macht sich Gedanken über die Haltung von Tieren, über die eigene richtige Ernährung - seit neun Jahren ist Leonie Vegetarierin. Aus Überzeugung. Und sie hat einen Traum: Sie will sich im Tierschutz engagieren, am liebsten hauptberuflich. Nach der Schule wollte sie sich für ein Praktikum im Ausland bewerben bei Peta, einer Tierschutzorganisation. Doch da hatte sie keine Chance, dort werden nur Praktikanten ab 18 angenommen. Auf Weltreise zu gehen ist in dem Alter auch noch schwer. Also blieb nicht viel. Da sie studieren wollte, fing sie mangels Alternativen ohne Umwege gleich damit an.


Peinlicher Moment

Leonie hat sich für ein Betriebswirtschaftsstudium an der Universität Bamberg entschieden. Heutzutage kann man sich online für einen Studiengang einschreiben. Doch wenn man nicht volljährig ist, geht das nicht ganz so einfach. Dann muss man mit der Mutter oder dem Vater zur Einschreibung gehen. "Ich weiß nicht, was ich irgendwie mal selber unterschrieben oder entschieden hätte", sagt Leonie. Sie erzählt von dem für sie etwas peinlichen Moment, als ihre Mutter in der Studentenkanzlei fragt, ob sie mit ins Büro muss. Ja klar - hieß es da. "Da waren noch drei andere Studenten...", sagt Leonie in ihrer Erinnerung - und nur bei ihr musste die Mutter mit. "Die Eltern kommen bei den meisten mit", sagt Maria Steger von der Studentenkanzlei der Uni Bamberg. Denn, wie Steger sagt, würden die Studierendenzahlen unter 18 leicht ansteigen.

An der Uni Erlangen ist man entspannt, es würden nur einige wenige Anfänger der Geburtsjahrgänge 1994 und 1995, die noch nicht volljährig sind, studieren. "Rechtliche Probleme gibt es dabei nicht, weil wir zur Einschreibung die Unterschrift eines Elternteils gefordert haben", sagt Wolfgang Henning, Leiter der Abteilung Studium und Lehre.


Ohne Unterschrift der Eltern keine Wohnung

Damit sei auch innerhalb des Studiums alles abgedeckt, was an minderjährige Studierende abgegeben werden könnte. "Das ist ähnlich unproblematisch wie in betrieblichen Ausbildungsverhältnissen", sagt Henning. Doch seine Kollegin Maria Steger von der Uni Bamberg sagt: "Es ist rechtlich noch nicht hundertprozentig geklärt, was Prüfungsangelegenheiten betrifft." Hier gebe es noch eine rechtliche Grauzone, denn Prüfungen könnten rechtlich anfechtbar sein, auch wenn eine Unterschrift der Eltern vorliege.

Für Leonie stellen sich momentan noch ganz andere Probleme. Früh um sechs muss sie in Höchstadt los, um rechtzeitig in Bamberg an der Universität zu sein. Es steht zwar ein Auto daheim, aber sie darf nicht damit fahren, noch nicht. Also muss sie den Bus nehmen. Eine Wohnung zu finden, fällt ihr als 17-Jährige schwer. In den Studentenwohnheimen gibt es Wartelisten. Und zur Wohnungsbesichtigung hätte sie ihre Eltern mitnehmen müssen. Weil sie den Mietvertrag nicht unterschreiben darf. Schon wieder nicht.

Und: "In einer Wohngemeinschaft habe ich keine Chance, weil viele erst Mitbewohner ab 20 suchen", sagt Leonie. Klar, denkt sie sich, viele wollen keine Zweck-WG und mit ihr könnten die älteren Mitbewohner dann nicht weggehen, weil Leonie nicht überall in die Diskotheken rein kommt. Doch sie hat sich schon überlegt nach einer Eingewöhnungszeit selbst die Initiative zu ergreifen: "Ich will mit Leuten, die ich kennen lerne, vielleicht eine WG gründen, denen egal ist, wie alt ich bin."


Bald nach Berlin?

Im Januar wird Leonie 18. Dann wird hoffentlich alles besser. Nerviges Warten steht bis dahin noch für sie an. "Ich hoffe, dass ich im März nach Indien fahren kann", sagt Leonie. Nach ihrem BWL-Bachelorstudium will Leonie ein Masterstudium in Green Business Management draufsetzen, um ihrem Traumberuf im Bereich Tier- und Umweltschutz ein Stück näher zu kommen. Das Studium ist dann in Berlin. So ganz alleine nach Berlin, dafür fühlt sich Leonie auch ohne die ganzen juristischen Hürden momentan noch etwas zu jung. Bald wird das anders sein. Doch im Moment will sie ohnehin nicht gleich ganz aus Höchstadt weg, denn die Freunde und die Familie sind ja da. Alles steht ihr offen - fast alles.



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