Laden...
Bamberg
Online-Shopping

Studie der Universität Bamberg: Deutsche schicken jede sechste Bestellung zurück - das sind die Gründe

Mal schauen, was besser passt. Beim Online-Shopping lassen sich die Deutschen oft ein kleines Sortiment zur Auswahl schicken, vor allem bei Kleidung. Kostet ja nichts. Das ist allerdings nur die halbe Wahrheit.
Artikel drucken Artikel einbetten
Wissenschaftler der Universität Bamberg haben untersucht, wie oft Pakete mit Bestellungen zurückgeschickt werden. Foto: Julian Stratenschulte/dpa
Wissenschaftler der Universität Bamberg haben untersucht, wie oft Pakete mit Bestellungen zurückgeschickt werden. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Die Deutschen bestellen gerne im Internet - und schicken jedes sechste Paket wieder zurück, wie Wirtschaftswissenschaftler der Universität Bamberg ermittelt haben. Im vergangenen Jahr seien das 280 Millionen Pakete und 487 Millionen Artikel gewesen. Bei Kleidung und Schuhen geht sogar fast die Hälfte der Pakete zurück an den Absender: "Das ist der Wahnsinn!", sagte Björn Asdecker von der Forschungsgruppe Retourenmanagement.

Kostenfreie Retoure, lange Widerrufsfristen und Zahlen auf Rechnung erhöhen die Zahlen der Rücksendungen

Artikel in drei Größen und drei Farben bestellen, einen behalten, den Rest zurückschicken - Amazon, Otto und Co. machen es den Deutschen einfach. Meistens sind die Retouren für die Verbraucher portofrei. Laut Verbraucherzentrale können sie die Ware auch ohne Originalverpackung zurückgeben, einen Grund für den Widerruf müssen sie nicht angeben. Gesetzlich vorgeschrieben sind nur 14 Tage Widerrufsfrist - im Markt üblich seien aber 28 Tage, sagte Asdecker. Und während in vielen anderen Ländern die Kunden die Ware nur per Nachnahme erhalten, also sofort Geld zahlen müssen, bestellen die Deutschen sehr viel auf Rechnung. Folge: Die Retourenquote ist hier weit höher als in den meisten anderen Ländern.

Ganz kostenlos sind die Retouren aber natürlich nicht: "Damit entstehen Gesamtkosten in Höhe von schätzungsweise 5,46 Milliarden Euro, die einerseits die Kunden durch höhere Marktpreise tragen, andererseits die Margen der E-Commerce-Händler belasten", erklärte der Wirtschaftswissenschaftler. Und die Retouren belasten das Klima: So viel wie "täglich 2200 Autofahrten von Hamburg nach Moskau" oder 238 000 Tonnen CO2 im vergangenen Jahr.

Retoure kostet im Durchschnitt fast 20 Euro - alle Sendungen müssen gesichtet werden

Eine Retourensendung verursache im Durchschnitt 19,51 Euro Kosten, die Hälfte davon für den Transport. Zwar landeten nur 4 Prozent der zurückgeschickten Artikel im Müll. Aber alles muss zunächst einmal gesichtet und bewertet werden. Immerhin 79 Prozent werden direkt wieder als A-Ware verkauft, weitere 13 Prozent als B-Ware, so die Forscher. Und 3 Prozent würden an industrielle Verwerter verkauft oder an gemeinnützige Organisationen gespendet.

Amazon, mit gut 17 Milliarden Euro Jahresumsatz in Deutschland Marktführer, erklärte, seit 2013 hätten "mehr als 1000 soziale Einrichtungen Amazon-Spenden" erhalten. Eine halbe Million Menschen hätten Spielzeug, Schuhe, Kleidung oder Drogerie-Artikel bekommen. Aber jede Rücksendung "wird qualitätsgeprüft, neu verpackt und - wann immer möglich - wieder als Neuware angeboten".

Kleidung am häufigsten zurückgeschickt und auch wieder weiterverkauft - größere Problematik bei Elektronik

Kleidung wird zwar am häufigsten zurückgeschickt, lässt sich vom Handel aber auch am häufigsten wieder als Neuware verkaufen: "Zu 91 Prozent", sagt Asdecker. Schwieriger ist das zum Beispiel bei Unterhaltungselektronik: "Ein geöffnetes Siegel an einem Laptop kann der Händler nicht einfach ersetzen." Immerhin ist die Rücksendequote bei Elektronik und bei Einrichtungsgegenständen aber am niedrigsten.

Bei Matratzen hat der EU-Gerichtshof kürzlich die Händler zur Rücknahme verpflichtet - sie könnten gereinigt und desinfiziert werden, die Kunden müssten sie jedenfalls testen können, so die Richter. Unversiegelte Kosmetika sind jedoch vom Rücksenderecht ausgenommen, ebenso wie Maßanzüge oder geöffnete DVDs.

Rückgaberecht wird auch missbraucht - Deutsche erledigen ein Zehntel ihrer Einkäufe via Internet

Gelegentlich wird das Rückgaberecht auch missbraucht - zum Beispiel, um sich kostenlos ein Dirndl für das Oktoberfest, einen Smoking für den Silvesterball oder einen großen Fernseher für die Fußball-WM zu leihen. Händler hätten von solchen auffälligen Häufungen berichtet, sagt Asdecker.

Laut Handelsverband Deutschland (HDE) erledigen die Deutschen heute gut ein Zehntel ihrer Einkäufe via Internet.

Vor allem Kleidung und Elektronik sind gefragt beim Internet-Shopping. Der Internet-Versandhandel hat nach Angaben seines Bundesverbands BEVH vergangenes Jahr Waren für gut 65 Milliarden Euro verkauft. Im laufenden Jahr rechnet er mit elf Prozent Zuwachs auf 72 Milliarden.

Lesen Sie auch auf inFranken.deAmazon Prime - Ab wann lohnt sich das Abo?

 

Kommentare (0)

Für diesen Artikel wurde die Kommentarfunktion deaktiviert.