Strullendorf
Gemeinderat

Strullendorf ist noch ausbaufähig

Beim ersten kommunalen Treffen dreht sich zum Jahresbeginn alles um strukturverbessernde Projekte.
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Neues Projekt auf historischer Fläche: Auf der Wiese vor der ehemaligen Walderholungsstätte soll ein Wohngebiet entstehen. Foto: Gemeinde Strullendorf
Neues Projekt auf historischer Fläche: Auf der Wiese vor der ehemaligen Walderholungsstätte soll ein Wohngebiet entstehen. Foto: Gemeinde Strullendorf
Zum Einstieg gab es direkt einen Abschied: In der ersten Gemeinderatssitzung 2018 lieferte Friederike Kneip einen aktuellen Kurzbericht zum Mehrgenerationenhaus und sagte dem Gremium anschließend leise Servus. Die MGH-Leiterin verlässt Strullendorf mit großem Bedauern aus familiären Gründen und sieht das kürzlich abgesegnete Neubau-Vorhaben mit Eingliederung von Kinderkrippe, Kindergarten und Seniorenheim als Meilenstein. "Mit der Genehmigung des Projektes hat der Gemeinderat der Gemeinde ein riesengroßes Geschenk gemacht" und agiere passend zum demografischen Wandel.
Ab 1. Januar 2017 startete das neue Programm des Bundesministeriums und gibt seitdem mit der Gestaltung der altersmäßig veränderten Gesellschaft einen anspruchsvollen inhaltlichen Schwerpunkt für alle beteiligten Häuser vor. Generationsübergreifende Arbeit und Sozialraumorientierung als sogenannte Querschnittsziele wurden dabei schon im letzten Jahr in Strullendorf korrekt abgedeckt: Von den 31 Aktivitäten des MGH sind laut Friederike Kneip allein 13 so angelegt, dass von klein bis groß unterschiedliche Altersgruppen teilhaben können. Der sperrige Begriff der Sozialraumorientierung definiert dabei die ergänzende Zusammenarbeit mit weiteren Institutionen, die für andere soziale Lebensräume zuständig sind: Das Mehrgenerationenhaus gilt mit Träger Iso e.V. als Multiplikator und spinnt ein umfassendes Netzwerk mit beispielsweise Lebenshilfe e.V., mit dem Familienstützpunkt oder eben auch der Awo-Kinderkrippe, um alle Menschen an einen Tisch zu bekommen und neben Einzel-Angeboten auch gemeinsame Aktivitäten zu offerieren.
Was den freiwilligen Schwerpunkt Flüchtlings-Integration betrifft, kooperiert das MGH außerdem mit dem Strullendorfer Helferkreis, veranstaltet einmal im Quartal ein Kennenlerncafé und hat mit der Tiefgarage des aktuellen Altbaus ein kleines Möbellager installiert, um notdürftig für Heim-Auszüge aus der Flüchtlingsunterkunft Ohmstraße gerüstet zu sein. Apropos Querschnittsziele: Im Mehrgenerationenhaus agieren aktuell mindestens 40 Engagierte übers Jahr, wobei sich laut Friederike Knaup ein Unterstützer im Schnitt zwei Stunden die Woche betätigt.


Thema Hochwasser

Weil mit dem Ausbau der ICE-Trasse auch die entlastende Südanbindung des Gewerbegebietes ansteht, ist beim anderen Lieblings-Thema weiterhin Bauhürden-Beseitigung angesagt. Der Möstenbach beispielsweise gilt indirekt als größtes Hindernis für eine Genehmigung der geplanten Straße: Hier musste untersucht werden, inwieweit dessen Hochwasser den aktuellen Plan tangiert und buchstäblich Einfluss nehmen könnte.
Zum Thema Rückhaltung lieferte der beauftrage Ingenieur Wolfgang Harrer vom Ingenieursbüro Sauer + Harrer aus Eggolsheim-Neuses einen aktuellen Sachstandsbericht von der wasserwirtschaftlichen Seite und erklärte den Änderungsbedarf bei den eingeplanten Flächen. Weil durch den Trassenbau bei der ursprünglichen Rückhaltungsfläche circa 5000 Kubikmeter Volumen bzw. Rückhalte-Kapazität wegfallen würden, wäre der aktuelle Plan nicht genehmigungsfähig. Das Ingenieursbüro erarbeitete deswegen Ersatzgebiete, die einer Prüfung nach den Richtlinien des Hundertjährigen Hochwassers standhalten, sich größtenteils im Besitz der Gemeinde befinden und teilweise noch verhandelt werden müssen.
Das Vorhaben beinhaltet in der angepassten Variante eine sogenannte Eindeichung der neuen Gebiete mit einem Damm in einer Höhe von 3,50 bis circa vier Metern Höhe. Das Rückhaltevolumen würde dann insgesamt 46 000 Kubikmeter betragen, was den Zufluss vom Möstenbach wiederum auf einen Kubikmeter pro Sekunde senken würde. Nach Abstimmung mit der Naturschutzbehörde ginge der Alternativ-Plan anschließend ins sogenannte Planfeststellungsverfahren mit öffentlicher Auslegung und könnte dieses Jahr noch genehmigt werden. Als Baustart wäre dann 2019 angedacht.


Neues Baugebiet?

Die Erdumschichtung für die neuen Rückhaltegebiete ist laut Harrer sehr aufwendig und würde bis zu 600 000 Euro kosten. Dafür eröffneten sich aber auch andere Perspektiven: Die frei gewordenen alten Rücklauf-Flächen könnten mittelfristig für andere Bauprojekte genutzt werden.
Im Visier befindet sich aber noch eine ganz andere Fläche. Weil die Nachfrage beim Bauland groß ist, hat die Gemeinde schon Grundstücks-Reserven angelegt und will auf einer Teilfläche der ehemaligen Walderholungsstätte an der Hauptsmoorstraße 2,5 Hektar für Wohnhäuser aufplanen lassen. Reines oder allgemeines Wohngebiet? Mit Infrastruktur oder ohne? Mit großen oder kleinen Parzellen? Nach der Diskussion um grundsätzliche Strukturen sollen im nächsten Schritt professionelle Planer befragt werden.
Andreas Kehl (Neue Liste) plädierte beim Brainstorming auf möglichst wenige Vorgaben seitens der Gemeinde, um die Kreativität der Planer nicht einzuschränken. Unabhängig von Häusertypen, Grundstücksgrößen und Erschließung sollte "vorzugsweise etwas Modellhaftes entstehen: zum Beispiel eine Siedlung, die sich selbst versorgt und energieautonom funktioniert." Nachdem aber viele konkrete Anfragen von bauwilligen Familien vorliegen, möchten Philip Spörlein, Georg Dresel und Bürgermeister Wolfgang Desel (alle CSU) trotzdem ein paar Eckdaten vorgeben. Angelika Saffer (CSU) begrüßt jegliche Kreativität. Bezahlbarer Wohnraum habe wegen großer Nachfrage allerdings Vorrang - "bei aller Schönheit." Gemeinsamer Nenner nach der Debatte: reines Wohngebiet bevorzugt. Demnächst soll eine Liste von Planern abgearbeitet und Vorschläge eingeholt werden.


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