Kotzendorf
Resolution

Stromtrasse: Königsfeld wehrt sich gegen möglichen Bau

Die Gemeinde Königsfeld wehrt sich prophylaktisch schon mal gegen den möglichen Bau einer weiteren Hochspannungsleitung durch ihr Gebiet. Noch ist die "HGÜ Süd-Ost" zwar weit entfernt. Doch es gilt schon jetzt, möglichen Schaden von der Kommune auf dem Jura abzuwenden.
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Auch wenn die Bedrohung im Moment eher unrealistisch ist, zeigt sich Bürgermeisterin Gisela Hofmann entschlossen: "Es soll kein falscher Eindruck entstehen. Wenn es weiter drüben Proteste gegen eine neue Stromleitung gibt, dann wollen wir nicht stillhalten." Also beschloss der Gemeinderat von Königsfeld prophylaktisch einstimmig und zum ersten Mal eine Resolution. Aufmerksam gemacht werden soll damit auf ein Projekt, das sich hier wie dort großer Ablehnung erfreut und - ebenso wie Windräder - deshalb auch von der Staatsregierung in Frage gestellt wird. Läuft man also offene Türen ein? Zumindest auf die Kreispolitik könnte sich das Königsfelder Vorgehen auswirken.

Zweite oder dritte Alternative

Unverändert ist die Ausgangslage.
Falls es wirklich zum Bau der "Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung" (HGÜ) kommen sollte - schon ein einziges Gaskraftwerk in Nordbayern könnte die wesentlich bessere Alternative sein - verliefe die "Vorzugstrasse" vorbei an Münchberg, Pegnitz und Schnaittach nach Südbayern. Erst wenn dieser kürzere Weg nicht gangbar wäre, käme als zweite oder dritte Alternative ein Leitungsverlauf entlang des Albtraufs in Frage. Und der würde dann auch die Gemeinde Königsfeld dort treffen, wo es eh schon weh tut: im westlichen Gemeindegebiet parallel zu einer bereits bestehenden 380-kV-Leitung. Die ist allerdings für Wechselspannungen ausgelegt und kann deshalb die zusätzliche Belastung nicht aufnehmen.

Also müsste daneben eine zweite, vielleicht noch höhere Stromtrasse gebaut werden. Sie soll im Fall des Falles laut Netzbetreiber Amprion "einen erheblichen Beitrag zur Sicherung der Energieversorgung in Süddeutschland leisten". Die Bundesnetzagentur plane, so Hofmann, in diesem Jahr das Planfeststellungsverfahren einzuleiten. Vorsorglich bezieht die Gemeinde Königsfeld schon mal Positition gegen eine Trassenführung durch ihr Gebiet.

"Die Trassse würde zu einer massiven Beeinträchtigung des Landschaftsschutzgebietes Fränkische Schweiz führen", heißt es im Text der Resolution. Im Westen des Gemeindegebietes stünden schon mehrere Windenergieanlagen. "Diese Beeinträchtigung des Landschaftsbildes ist nach unserer Auffassung nur vertretbar, weil Kommunen und Ortschaften vom Betrieb dieser Anlagen profitieren. Wir widersprechen weiteren Beeinträchtigungen durch die HGÜ-Trasse ohne eigenen Nutzen. Wir sehen weitere Entwicklungen unserer Gemeinde sowohl durch den Flächenverbrauch als auch durch die Einschränkungen der gemeindlichen Planungshoheit in Gefahr. Außerdem befürchten wir den Wertverlust bei Immobilien".

Inwieweit die Gemeinde Königsfeld von den Windkraftanlagen profitiert, wird nicht näher ausgeführt. Gut informierten Kreisen zufolge gibt es bisher ebenso wie in der Nachbargemeinde Heiligenstadt aus dieser alternativen Stromproduktion keine Gewerbesteuereinnahmen. Laut Auswertung durch das Landratsamt Bamberg wird in der Gemeinde Königsfeld inzwischen 183 Prozent des eigenen Stromverbrauchs erzeugt.

Notwendigkeit prüfen

Als zu hoch angesehen wird jedenfalls das Risiko von Gesundheits- und Umweltbelastungen. "Seit dem Bau des Umspannwerkes Würgau und der damit verbundenen Hochspannungstrassen entlang des Albtraufs ... sind Gewitterregen in unserer Region deutlich zurückgegangen ... was zu einer Belastung für Land- und Forstwirtschaft wird". Weil die Trasse zudem im Einzugsbereich des Grundwasser-Reservoirs Hollfelder Mulde verlaufe, "müssen wir sie auf jeden Fall ablehnen".

Beschlossen wurde die Forderung, die Notwendigkeit der Leitungstrasse nochmals zu prüfen und nachzuweisen. Dezentrale Energie-Alternativen wie Gaskraftwerke seien in die Betrachtungen einzubeziehen. Und drittens: Die Planvariante entlang des Albtraufs soll fallen gelassen werden.
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