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Strompreis

Stromanbieter wechseln und Geld sparen

Wer sich über hohe und bald weiter steigende Tarife aufregt, kann den Stromanbieter wechseln. Wir erklären, wie's funktioniert: Einfach und schnell.
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Grafik: Tanja Friedrich
Grafik: Tanja Friedrich
Wenn Strom zwischen Bayreuth und Bad Kissingen, Coburg und Erlangen demnächst teurer wird, müssen die Verbraucher nicht tatenlos zusehen - und zahlen. Sie können stattdessen den Anbieter wechseln - und sparen. Das funktioniert nicht nur ganz einfach, es muss auch niemand befürchten, dass er wegen oder während eines Anbieterwechsels im Dunkeln sitzen könnte.

"Ein Vier-Personen-Haushalt mit 5500 Kilowattstunden Verbrauch kann auf jeden Fall mindestens 100 Euro im Jahr durch einen neuen Vertrag sparen", rechnet Marion Weitemeier vor. Sie ist Redakteurin der Zeitschrift Finanztest, die sich in der aktuellen Ausgabe (12/2012) mit dem Thema Stromtarife befasst.

In ihrer Untersuchung sparen Kunden mehrere hundert Euro im Jahr, und das sogar mit fairen Tarifen und Ökostrom. Allerdings, schränkt Weitemeier ein, seien die im Heft abgedruckten Preise nicht mehr aktuell: "Unsere Erhebung stammt vom 9. Oktober. Zwischen diesem Zeitpunkt und der Veröffentlichung der Untersuchung in Finanztest lag die Bekanntgabe der Erhöhung der EEG-Umlage." Deshalb könnten sich Verbraucher nicht bindend bei Finanztest informieren. "Das ist schade, aber nicht zu ändern", sagt Weitemeier. Auf dem Strommarkt "bewegt sich einfach viel", sagt sie außerdem und empfiehlt Stromkunden, "sich selbst einen günstigen Tarif zu suchen."


Vergleichsrechner exakt füttern

Das funktioniert einfach und bequem über Vergleichsrechner im Internet. Wer seine Postleitzahl und den Jahresverbrauch eingibt, erhält binnen Sekunden eine Auflistung von Anbietern, beginnend mit dem günstigsten. Weitemeier empfiehlt, sich nicht auf diese "Minimaleinstellungen" zu verlassen. "Wer nur Postleitzahl und Jahresverbrauch eingibt, erhält Ergebnisse für Sparfüche, die von hohen Neukundenboni profitieren wollen. Diese Boni können aber im zweiten Vertragsjahr schon hinfällig sein." Deshalb müsse man als Verbraucher schauen: Welcher Tarif-Typ bin ich? Laut Weitemeier gibt es genügend Tarife, "die ohne Neukunden-Schnickschnack einen günstigen Arbeits- und Grundpreis liefern".


Es gibt faire ...

Finanztest empfiehlt, alle Voreinstellungen in den Online-Vergleichsrechnern wegzuklicken und folgende Kriterien für einen verbraucherfreundlichen Tarif einzustellen:
Monatliche Zahlungsweise; Preisgarantie so lang wie die Mindestvertragslaufzeit oder länger, mindestens zwölf Monate; Kündigungsfrist zum Ende der erstenLaufzeit nicht länger als sechs Wochen; Flexibilität bezüglich der Mindestlaufzeit (der Kunde kann jederzeit mit einer Frist von vier Wochen aus dem Vertrag). Die Anschlusslaufzeit steht in den Vergleichsportalen oft unter den "Tarifdetails".


... und unfaire Tarife

Einen unfairen Tarif erkennt man laut Finanztest an diesen Punkten:
Vorkasse (Kunde bezahlt seinen geschätzten Jahresverbrauch zwölf Monate im Voraus); Pakettarif (Kunde kauft feste Strommenge und erhält kein Geld zurück, wenn er weniger verbraucht); Preisgarantie ist kürzer als die Mindesvertragslaufzeit; Tarif hat eine lange Kündigungsafrist von drei Monaten und verlängert sich danach um zwölf oder mehr Monate. Laut Finanztest stehen Tarife mit solchen - unfairen - Bedingungen in den Vergleichsportalen wegen Voreinstellungen oft oben.


Die Sache mit dem Bonus

Die Sache mit dem Neukundenbonus ist ein Thema für sich. Wird er angeboten, sollte er spätestens in der ersten Jahresrechnung berücksichtigt werden. Jedoch lässt ein hoher Neukundenbonus den Tarif laut Finanztest nur im ersten Jahr günstig erscheinen. Fällt er weg, gibt es im zweiten Jahr kaum noch eine Ersparnis. "Den Bonus darf man nicht in den Endpreis einrechnen", sagt Weitemeier. Sie empfiehlt Verträge mit Bonus für jene Kunden, die konsequent jährlich den Anbieter wechseln wollen. Internet-Vergleichsrechner wie Verivox und Check24 haben übrigens die Voreinstellung Vorkasse abgeschafft und die Höhe des Neukundenbonus leicht begrenzt.
Hat man die passenden Kriterien eingestellt und sich nach einem Vergleich bei mehreren Online-Rechnern für einen neuen Anbieter entschieden, geht alles Weitere ganz schnell. "Der Wechsel ist wirklich einfach", sagt Weitemeier. "In wenigen Minuten lassen sich bei Strom und auch bei Gas mehrere hundert Euro sparen."


Auch Ökostrom ist bezahlbar

Mit Infos wie Zählernummer, Jahresverbrauch und einer Kontonummer für Abbuchungen kann man auf der Internetseite des neuen Anbieters die Wechselmaske ausfüllen - und das Sparschwein aufstellen. Selbst wenn man sich für Ökostromtarife entscheidet: "Sie haben sich in unserer Untersuchung überraschend gut geschlagen", sagt Weitemeier. Übrigens gibt es auch Versorger, die einen internen, vertriebstechnischen Vertragswechsel auf die Online-Abrechnung anbieten. Auch so kann man 100 Euro pro Jahr sparen.


Die Lichter gehen nicht aus

Dass sie durch den Wechsel eines Anbieters im Dunkeln sitzen könnten, brauchen Kunden nicht zu befürchten. "Die Lichter gehen nicht aus", macht die Verbraucherzentrale deutlich. Selbst wenn sich der neue Anbieter vom Markt zurückzieht, Konkurs macht oder der neue Vertrag gekündigt wird, funktioniert die Versorgung. Ersatzweise übernimmt sie unverzüglich und zum Grundpreis der örtliche Anbieter. Strafentgelte sind nicht zu befürchten.


Wenig Wechsel-Bereitschaft

Trotz aller Vorteile machen es die Deutschen den Anbietern bisher leicht. Laut Bundesnetzagentur haben nur 15 Prozent der Kunden den Stromversorger (Gas: sechs Prozent) gewechselt. Mehr als 40 Prozent der Haushalt sind weiter im teuren Grundtarif ihres örtlichen Stromversorgers. 41 Prozent haben beim alten Versorger wenigstens einen günstigeren Sondertarif abgeschlossen.
Dabei könnten die Kunden durchaus den Preis beeinflussen: Je mehr Stromkunden den Anbieter wechseln, desto größer wird der Druck auf alle Stromversorger, Preiserhöhungen möglichst zu vermeiden.


Den Stromanbieter zu wechseln ist ganz einfach. Wir erklären, wie's geht.


1. Unterlagen Für einen Antrag bei einem neuen Anbieter braucht man seine Kunden- und Zählernummer ( steht auf der Jahresendabrechnung), den Namen des bisherigen Stromlieferanten sowie den letzten Jahresverbrauch.

2. Kündigen Wer noch nie gewechselt hat, kann jederzeit zum Ersten des nächsten Monats kündigen: Zum Beispiel am 25. November, dann hat man zum 1. Januar den neuen Tarif. Wer schon einmal gewechselt hat, muss die Laufzeit seines Sondertarifs beachten. Wenn der Preis steigt, darf man vorzeitig aus dem Vertrag.

3. Vergleich Dafür braucht man seinen Jahresverbrauch (Stromabrechnung). Das Vergleichen der (Brutto!-)Preise funktioniert am besten über Vergleichsrechner im Internet, z.B. Verivox oder Check24 (Ergebnisse mehrerer Rechner vergleichen). Voreinstellungen, vor allem "Bonus in den Endpreis einrechnen", sollte man wegklicken und bei der Wahl eines neuen Anbieters auch auf Herkunft und Zusammensetzung des Stromprodukts achten. Zertifizierten Ökostrom erkennt man z.B. an den Labeln "ok-Power" oder "Grüner Strom".

4. Wechsel Am einfachsten ist es, den Vertrag online beim Anbieter abzuschließen. Man bevollmächtigt ihn, den alten Liefervertrag zu kündigen, anschließend kümmert sich der neue Anbieter um alles Weitere. Nachdem man den Antrag abgeschickt hat, bekommt man Post: Der neue Anbieter bestätigt den Wechsel und das Lieferdatum. Der alte Anbieter schickt eine Abschlussrechnung. Es fallen weder Wechselgebühren an noch werden Zähler ausgebaut. Der Wechsel findet auf dem Papier statt. Wechselkosten gibt es ebenso wenig wie ein Risiko, nach dem Wechsel ohne Strom dazustehen.

Tipps der Verbaucherzentrale

- Sie brauchen sich nur einen neuen Stromanbieter zu suchen und mit diesem einen Vertrag abzuschließen. Alles Weitere erledigt der neue Versorger. Wechselkosten gibt es ebenso wenig wie ein Risiko, nach dem Wechsel ohne Strom dazustehen.

- Vereinbaren Sie keine zu lange Laufzeit: nicht länger als ein Jahr.

- Die Kündigungsfrist sollte nicht mehr als einen Monat betragen.

- Vorsicht auch bei Supersparangeboten: Die Preise sind möglicherweise nicht kostendeckend kalkuliert.

- Vorsicht bei Festpreisangeboten.


Weitere Infos und Tipps zum Surfen

- In der aktuellen Ausgabe von Finanztest(Heft 12/2012) gibt es weitere Infos zum Thema Strompreis und Anbieterwechsel.- Die Verbraucherzentrale hat eine eigene Energieberatung, sowohl im Internet als auch in ihren Beratungsstellen vor Ort. Außerdem gibt es auf der Internetseite der Verbraucherzentrale eine Checklistefür den Anbieterwechsel.

Vergleichsrechner
im Internet gibt es zum Beispiel unter www.verivox.de oder www.Check24.de

Grünen Strom erkennt man an den Labeln "ok-Power" oder "Grüner Strom".
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