Bamberg

Strafbefehl gegen Nackedei-Fotograf

Der Mann, der nackte Kinder am Wasserspielplatz der Landesgartenschau fotografiert hat, muss sich vor Gericht verantworten.
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Das Archivbild zeigt den Wasserspielplatz der Landesgartenschau,  der einer der größten Attraktionen für  Kinder und junge  Familien war. Foto:    Rinklef
Das Archivbild zeigt den Wasserspielplatz der Landesgartenschau, der einer der größten Attraktionen für Kinder und junge Familien war. Foto: Rinklef
Einem Mann aus Oberbayern dürfte sein Besuch der Bamberger Landesgartenschau im Juni unvergesslich bleiben. Er handelte sich auf der Erba-Insel ein Ermittlungsverfahren ein und wird sich zu einem noch nicht bekannten Termin vor dem für seinen Wohnort zuständigen Amtsgericht verantworten müssen. Die Staatsanwaltschaft München II wirft dem 61-Jährigen den unerlaubten Besitz kinderpornographischer Schriften vor.

Den Stein bzw. die Ermittlungen gegen sich ins Rollen gebracht hat der Mann selbst durch sein auffälliges Verhalten auf der Erba-Insel an einem heißen Sonntag im Juni. Andere Besucher waren auf ihn aufmerksam geworden, weil er ein intensives fotografisches Interesse an Kindern zeigte, die nackt und wenig bekleidet am Wasserspielplatz plantschten.

Eltern schritten schließlich ein, verständigten die Gartenschau-Verantwortlichen und am Ende trat die Polizei auf den Plan. Sie nahm den Besucher vorübergehend fest und vorsorglich auch eine Durchsuchung seiner Wohnung vor. Auf den dabei sicher gestellten Computern und sonstigen Medien entdeckten Ermittler später die Bilder, für deren unerlaubten Besitz sich der Mann nun verantworten muss.

Einspruch eingelegt

Zur Verhandlung wird es kommen, weil der Beschuldigte Einspruch gegen einen Strafbefehl eingelegt hat, den die Staatsanwaltschaft München II gegen ihn beantragt hat. Über die Höhe der beantragten Geldstrafe gab Ken Heidenreich, der Pressesprecher der Behörde, keine Auskunft. Nach seinen Angaben soll der Mann zwischen 2009 und 2012 einschlägige Fotos aus dem Internet herunter geladen und bei sich gespeichert haben.

Dagegen hatten sich die Fotos, die der Oberbayer in Bamberg von den spielenden Kindern geschossen hatte, als strafrechtlich nicht relevant herausgestellt.

Der Bamberger Leitende Oberstaatsanwalt Bardo Backert hatte im Sommer die Polizei und Staatsanwaltschaft aber ausdrücklich gelobt, weil sie ihre Ermittlungen gegen den Nackedei-Fotografen nicht auf seine Aktivitäten während der Gartenschau beschränkt hatte, sondern auch Unterlagen aus seinem Privatbesitz unter die Lupe nahm. Backert im Juli wörtlich zum FT: "Die Vermutung, dass sein Verhalten auf dem Gartenschau-Gelände Grund zum genaueren Hinsehen gibt, hat sich bestätigt."

Verfahren nach München abgegeben

Weil das Fehlverhalten des Mannes nicht in Bamberg stattgefunden hat, sondern in seiner oberbayerischen Heimat, wurde das Ermittlungsverfahren von Bamberg an die für den "Tatort" zuständige Staatsanwaltschaft München II abgegeben.

Dort ist der Fall einer unter vielen. In Bamberg hatte er die Gemüter im Sommer aber über Wochen erregt: Die Nachricht von der vorübergehenden Festnahme eines möglicherweise pädophil veranlagten Gartenschau-Gastes hatte vor allem zu einer Debatte darüber geführt, ob es heutzutage noch zu verantworten ist, wenn Eltern ihre Kleinen unbekleidet im öffentlichen Raum spielen lassen.
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