Bamberg
"House of Music"

Schock für Bamberger Musikerszene - keine Proben mehr im "House of Music"

Schock in der Bamberger Bandszene: Das Baureferat der Stadt untersagt die Nutzung des größten Komplexes für Proberäume in der Böttgerstraße 4.
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Das "House of Music" weist laut Stadt erhebliche Sicherheitsmängel auf. Foto: Sarah Lill
Das "House of Music" weist laut Stadt erhebliche Sicherheitsmängel auf. Foto: Sarah Lill

Ein Brief vom Baureferat sorgte am vergangenen Freitag für Entsetzen bei Musikern aus Bamberg. Es handelt sich um eine Nutzungsuntersagung bezogen auf das sogenannte "House of Music" in der Böttgerstraße 4. In 53 Proberäumen hatten hier Bands, Einzelmusiker und Musiklehrern einen Ort zum Proben und Arbeiten gefunden. Diesen Ort dürfen sie nun nur noch betreten, um ihr Equipment abzuholen. Längere Aufenthalte hingegen können die Bandkasse mit einen Bußgeld von 1000 Euro belasten. Auch der Eigentümer muss mit Bußgeldern rechnen.

Auf den sieben Seiten des Schreckensbriefs erläutert das Baureferat die Gründe für die fristlose Nutzungsuntersagung, insbesondere Sicherheitsaspekte hinsichtlich Brandschutz und Fluchtwegen. Für die Musiker bestehe im Brandfall "Gefahr für Leib und Leben".

"House of Music" in Bamberg: Stadt verbietet das Proben

Das insgesamt sechsstöckige Haus wurde 1962 als Kartoffel- und Getreidelager gebaut. Mehrere Umbaumaßnahmen verwandelten die Lagerhallen in die 53 Proberäume. Die Mehrheit der Fenster wurden im Zuge dessen verschlossen, um für größeren Schallschutz zu sorgen, potenzielle Fluchtwege fielen damit weg. Ausgeschildert sind diese ohnehin nur im ersten Stock. "Wenn das einzige, ohnehin viel zu schmale Treppenhaus, verraucht würde, wären alle Personen, die sich im Bereich des 2. bis 4. Obergeschosses aufhalten, eingeschlossen", so heißt es in der Untersagung. Was den Beamten des Bauordnungsamtes außerdem aufstieß: fast überall freiliegende Elektroinstallation, fehlende Feuerlöscher und -melder, obwohl offenbar geraucht wird, eine nicht genehmigte Küche im Erdgeschoss, etc.

Claus Reinhardt vom Baureferat: "Das Konzept ist sicherlich nicht verkehrt, aber die Ausführung nicht zu tolerieren." Dass die Stadt überhaupt auf die Mängel aufmerksam wurde, ist dem Zufall geschuldet. Eigentlich sei es darum gegangen, zu prüfen, inwiefern sich der Ort für eine finanzielle Unterstützung eignet. Dabei stellten sich nicht nur die beschriebenen Sicherheitsaspekte heraus, sondern auch dass der Eigentümer weder Baumaßnahmen noch eine geänderte Nutzung je genehmigen ließ. "Schon alleine die Umnutzung ohne Genehmigung hätte gereicht, um eine Nutzungsuntersagung auszusprechen", so Reinhardt.

Der Eigentümer der Böttgerstraße 4, Werner Kupfer, räumt dieses Versäumnis ein. Er habe Ende des vergangenen Jahres erfahren, dass es einer Nutzungsänderung bedarf. Daran arbeite er. In seiner Immobilie werde seit 25 Jahren Musik gemacht, sagt Kupfer, er sei optimistisch, das "House of Music" retten zu können: "Wo Mängel sind, kann man sie beseitigen." Er hofft auf eine konstruktive Lösung in enger Zusammenarbeit mit der Stadt.

Wie geht es weiter?

Bis es diese Lösung gibt, das ist klar, wird viel Zeit vergehen. Die notwendigen Umbauten wären höchst aufwendig. Viele Musiker können so lange nicht warten. Die Band "Deviltrain beispielsweise veröffentlicht im Mai ihr neues Album, der Club für das Release-Konzert ist bereits gebucht. Gitarrist Heiko Matuschka: "Der Brief kam für uns aus dem Nichts." Zum Glück konnte die Band kurzfristig umziehen, ab Ende Mai steht sie jedoch quasi auf der Straße. "Solange sich die Stadt Bamberg mit dem Titel Weltkulturerbe schmückt," so Matuschka, "sollte sie auch ein Interesse am Erhalt der Musikkultur haben."

Viele der Statements im Internet sind von Wut geprägt. Gleichzeitig scheint die Entscheidung des Amts für die Betroffenen sehr nachvollziehbar. Die Beatles-Coverband "Rubber Soul" probt direkt unterm Dach. Schlagzeuger Daniel Schreiber: "Wenn es da brennt, ist es vorbei. Dass kein Brandschutzkonzept existiert, war klar."

Die Zustände im "House of Music" seien noch nie paradiesisch gewesen, die Kälte im ungeheizten Gebäude schadet den Instrumenten. Andere Städte seien da schon weiter. "Es ist doch ein Armutszeugnis für die Stadt, dass die Bands einerseits als Aushängeschild genutzt werden und andererseits so ein Gammeldasein fristen."

Der Dritte Bürgermeister, Wolfgang Metzner (SPD), hat auf die Situation mit einer Anfrage an Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) reagiert. Metzner möchte, dass das Immobilienmanagement der Stadt prüft, welche Räume den Musikern in Zukunft zur Verfügung gestellt werden können. "Das Thema ist seit 30 Jahren ein Problem", sagt Metzner. "Daher muss die Stadt jetzt Möglichkeiten finden. Das Problem dabei ist sicherlich die Kurzfristigkeit. Jetzt ist jeder erst einmal auf sich alleine gestellt."

Heute Abend Versammlung

Der Verein Bamberger Festivals e.V. lädt die Betroffenen am heutigen Mittwoch ab 19 Uhr zu einer Versammlung ins "Immerhin" in der Dr.-von-Schmitt-Straße ein. Maximilian Mende vom Verein erklärt: "Wir wollen die Interessen der Musiker bündeln, um dann gemeinsam bei der Stadt auftreten zu können."

Parallel sucht der Verein nach Ausweichmöglichkeiten, zum Beispiel in den Gemeinderäumen der Kirchen, was aber nur eine Notlösung sein kann. Mende sieht den Ball nun in der Spielhälfte von Werner Kupfer: "Der Eigentümer müsste jetzt seine Hausaufgaben machen. Anscheinend ist es ihm ja eine Herzensangelegenheit."



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