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Landratswahl

Stichwahl: Schwarz fordert Kalb heraus

Der Amtsinhaber verpasst mit 49,46 Prozent der Stimmen denkbar knapp die direkte Wiederwahl. Andreas Schwarz (SPD), kam auf 22,9 Prozent.
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Johann Kalb verfolgte am Wahlabend im Landratsamt - unter anderem mit dem CSU-Landtagsabgeordneten Holger Dremel (rechts) - die einlaufenden Ergebnisse.
Johann Kalb verfolgte am Wahlabend im Landratsamt - unter anderem mit dem CSU-Landtagsabgeordneten Holger Dremel (rechts) - die einlaufenden Ergebnisse.

Es war knapp für Landrat Johann Kalb (CSU). Nach dem 35 von 36 Landkreiskommunen die Stimmen ausgezählt hatten, lag er bei 49,1 Prozent. Doch es fehlte noch Hirschaid, die größte Gemeinde im Landkreis. Obwohl Kalb dort 53,5 Prozent bekam, reichte es nicht ganz. Mit 49,46 Prozent riss der Amtsinhaber ganz knapp die 50-Prozent-Hürde.

Das heißt: Erstmals in der Nachkriegsgeschichte des Landkreises Bamberg wird es bei der Landratswahl eine Stichwahl geben. In zwei Wochen, am 29. März, wird entschieden ob Kalb Landrat bleibt, oder Andreas Schwarz (SPD), der auf 22,90 Prozent der Stimmen kam, den großen Vorsprung noch wird aufholen können.

Kalb selbst zeigte sich von dem Ergebnis dennoch "restlos begeistert". Das sei nach den vorangegangenen Umfragen "in dieser Form nicht zu erwarten gewesen". "Ich hätte nicht erwartet, dass es so gut ausgeht", gestand Kalb, der immerhin etwa sieben Prozentpunkte hinter seinem Erstwahlergebnis vor sechs Jahren blieb.

Von weiterem Wahlkampf wollte er am Sonntagabend nichts wissen. "Morgen arbeiten wir weiter. Da geht es um Corona - das Thema das alles andere derzeit überlagert", sagte Kalb. Er danke seinen Mitbewerbern bei der Wahl und bitte alle darum, gemeinsam diese große Herausforderung anzugehen. Es sei nicht davon auszugehen, dass es in den kommenden zwei Wochen noch Wahlkampfveranstaltungen von seiner Seite geben werde, so Kalb.

Schwarz sieht Corona-Effekt

Hat die Corona-Krise den amtierenden Landrat Johann Kalb fast vor einer Stichwahl bewahrt? Davon geht jedenfalls sein größter Konkurrent bei der Landratswahl, Andreas Schwarz (SPD), aus. Der 55 Jahre alte Bundestagsabgeordnete wirft Kalb "gefährlichen Aktionismus" vor - der dem Noch-Amtsinhaber aber ein paar Prozentpunkte eingebracht habe.

Zwar sei "nicht alles schlecht" gewesen, räumt Schwarz etwa bezüglich der rasch eingerichteten Corona-Anlaufstelle in Scheßlitz ein. Aber die persönlichen Treffen des Krisenstabs mit Entscheidungsträgern aus Politik, Gesundheits- und Sicherheitsbehörden seien per se schon riskant gewesen. "Man kann das auch übers Internet machen."

Schwarz habe dem Landrat mehrfach Hilfe in der Krise angeboten, aber nie eine Antwort erhalten. Auch die Idee, 1,5 Millionen Euro für Vereine zur Verfügung zu stellen, stamme ursprünglich von ihm und sei übernommen worden, ohne die anderen Parteienvertreter im Kreistag zu informieren.

Bruno Kellner (FW), der beim Rennen um den Landratsposten mit 31 Stimmen Vorsprung ganz knapp vor Bernd Fricke (10,97:10,94 Prozent) einlief, zeigte sich mit seinem Ergebnis sehr zufrieden. "Mir war von vorneherein klar, dass ich am 15. März nicht als Landrat gewählt werde", räumte er ein. Ihm sei es aber wichtig gewesen, die Position der Freien Wähler als dritte Kraft im Landkreis zu festigen. "Dafür habe ich gekämpft." Nun komme es aber vor allem auf die Auszählung der Kreistagswahl an. Dass er gegenüber der vorigen Landratswahl gut einen Prozentpunkt einbüßte, schmerze ihn nicht. Angesichts der allgemeinen politischen Wetterlage, sei dies immer noch ein gutes Ergebnis.

In drei Gemeinden geschlagen

Im Gegensatz zu 2014, als Kellner in Rattelsdorf der einzige war, der Kalb von Platz 1 verdrängen konnte, musste der nun amtierende Landrat diesmal immerhin in drei Gemeinden einem der Herausforderer den Vortritt lassen. Kellner lag wieder in Rattelsdorf vorn (40,07 Prozent), Schwarz gewann in Strullendorf (42,90 Prozent) und Fricke hatte in Stegaurach (40,03 Prozent) die Nase vorn. Mit 67,2 Prozent lag die Wahlbeteiligung an der Landratswahl geringfügig höher als 2014.