Lange Zeit stand es Spitz auf Knopf für die Buger Kerwa. Wird die Traditionskirchweih ihr 175-jähriges Jubiläum (2013) nicht "erleben"? Zum Hintergrund: Bisher wurde die Stadtteil-Kirchweih immer im jährlichen Wechsel von der Löschgruppe 9 der Freiwilligen Feuerwehr Bug und der Reservisten- und Soldatenkameradschaft durchgeführt. Heuer wären turnusgemäß die Reservisten am Zuge; diese sahen wegen personeller Probleme aber keine Möglichkeit mehr , die Kerwa weiterhin auszurichten. Auch der Bürgerverein Bug sah sich nicht in der Lage, neben Johannisfeuer, Backofenfest und Erinnerungssteinfest eine vierte Veranstaltung zu stemmen. "Da wir eine derart traditionsreiche Kirchweih, zumindest nicht vor ihrem Jubiläum im nächsten Jahr, aber auf keinen Fall aussterben lassen wollten, haben sich engagierte Buger Bürger zusammengetan und den Kerwaverein Bug gegründet", erläutert Christian Elling, der Geschäftsführer des jungen Vereins.

Ohne Spenden geht nichts


Allerdings keine leichte Aufgabe für die derzeit 22, zumeist jungen Mitglieder. Denn so fehlen beispielsweise die finanziellen Mittel. "Wir haben nur durch Spenden einiger unserer Mitglieder genügend Geld aufbringen können, um die Unkosten der Kerwa zu tilgen", schildert Kassier Florian Graf. Das Geld würde unter anderem benötigt für Festzeltmiete oder für die Bezahlung der Musikgruppen. Hinzu kämen immer neue Vorschriften und Auflagen von Seiten der Behörden, die zusätzliche Anschaffungen wie rutschfeste Gummimatten oder spezielle Bodenbeläge nach sich ziehen würden.

Die Hauptschwierigkeit des jungen Vereins jedoch war es, genügend Mitglieder aufzubringen, die den Ausschank im Festzelt vom Samstag bis einschließlich Montag stemmen oder die bei der Durchführung des Fischessens mithelfen. "Nicht zuletzt durch die Unterstützung vieler Buger Vereine und Gemeindemitglieder ist es uns gelungen, die Kirchweih für dieses Jahr zu sichern. Sie wird wie gewohnt am kommenden Samstag stattfinden", erläuterte Graf. Allerdings mit mancher Veränderung. So werde erstmals "der Grill" an einen gewerblichen Schausteller vergeben. Dafür aber wird der Kerwa-Umzug nicht wie bisher am Missionshaus umkehren, sondern bis zum Campingplatz ziehen.

Auch das Jubiläumsjahr 2013 der Buger Kirchweih ist nach Auskunft des Kassiers gesichert. Die Feuerwehr habe die Ausrichtung dafür bereits zugesagt. Wie es danach jedoch mit der Buger Kirchweih weitergeht, sei zurzeit noch völlig offen. "Ich denke, wir werden jetzt erst einmal das Wochenende über die Bühne bringen und dann sehen wir weiter", sagt Florian Graf.

Ähnliche Schwierigkeiten hat auch der Bürgerverein Gaustadt. "Der Bürgerverein kann die Kirchweih fast gar nicht mehr stemmen. Wir sind am Limit unserer Kapazitäten", berichte die Bürgervereinsvorsitzende Daniela Reinfelder. So müssten sie und ihr Team den Festzug, den Bieranstrich, den Seniorennachmittag sowie das Aufstellen des Baumes organisieren. Den Betrieb des Festzeltes dagegen übernimmt ein Festwirt. "Ob er dies jedoch auch künftig machen wird, ist mehr als fraglich."

Einnahmen schrumpfen


Denn obwohl bereits die Feuerwehr den Barbetrieb stemmt und sich der Bürgerverein Gaustadt an den Unkosten - etwa für die Musikgruppen - beteiligt, werde es für den Wirt immer schwieriger gewinnbringend zu arbeiten. Die Gründe hierfür liegen laut Reinfelder unter anderem daran, dass es immer mehr alternative Angebote gibt und somit die Kirchweih nicht mehr den Stellenwert hat wie noch vor 20 Jahren. Und zum anderen gäbe es einen Gastwirt in Gaustadt, der kontraproduktiv gegen die Kirchweih arbeite und mit Flaterate-Partys das Publikum von der Festwiese abziehe.

Wie die Macher in Bug beklagt auch Daniela Reinfelder, dass in den letzten Jahren nicht zuletzt durch neue Auflagen und Sicherheitsanforderungen die Kosten enorm gestiegen seien. "Die Einnahmen hingegen werden immer weniger. Wir können die Unkosten nur noch einigermaßen decken, weil die am Umzug beteiligten Vereine auf ihren Anteil aus der Ausschüttung der Tombola verzichten", berichtet die BV-Vorsitzende. Wenn nächstes Jahr allerdings das Engagement der Feuerwehr und der Festwirt wegfielen, sei die Gaustadter Kirchweih akut in Gefahr. "Zumindest müssten wir dann drastisch den Rotstift ansetzen, und das wollen wir eigentlich nicht. Vielmehr wollen wir die Tradition und den schönen Brauch der Kirchweih erhalten", sagt die Gaustadterin.

Immer mehr Auflagen


Selbst Bambergs größte Kirchweih, die "Sandkerwa", ist nicht sorgenfrei. "Die Sicherheitsauflagen werden immer mehr, gleichzeitig aber sinken die Einnahmen", klagt Ulrike Heucken, Geschäftsführerin der Bamberger Sandkerwa Veranstaltungs GmbH. Zumal heuer noch weitere Plätze am Katzenberg wegfallen würden. Denn der neue, überarbeitete Sicherheitsplan sehe vor, dass der Fluchtweg am Katzenberg drei Meter breit sein muss. Daher gebe es in diesem Jahr dort keinen Platz mehr für die Musikbühne. "Es fallen nicht nur 20 Sitzgarnituren weg, es wird wahrscheinlich wohl auch keine Musik mehr am Katzenberg geben", bedauert Heucken. Und nächstes Jahr falle durch den Umbau des Clavius-Gymnasiums der Martinschulhof weg. "Wir suchen derzeit hierfür intensiv nach neuen Flächen. Schließlich wollen wir die Fackel der Sandkerwa auch künftig weitertragen", versichert Heucken.