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Wissenschaft

Spektakulärer Fund im Landkreis Bamberg: Steinbruch gibt Saurier frei

Ein spektakulärer Fund gelang einem Team des Bamberger Naturkunde-Museums bei Grabungen nach Wattendorf.
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Mit 1,42 Metern  Länge einer der größten seiner Art: der Wattendorfer Schlangensaurier in der Ausstellung des Naturkunde-Museums in Bamberg.Naturkundemuseum Bamberg
Mit 1,42 Metern Länge einer der größten seiner Art: der Wattendorfer Schlangensaurier in der Ausstellung des Naturkunde-Museums in Bamberg.Naturkundemuseum Bamberg

Seit nunmehr 15 Jahren arbeitet ein Team des Bamberger Naturkunde-Museums mehrere Wochen pro Jahr im Steinbruch der Firma Andreas Schorr nahe Wattendorf. Die wissenschaftlichen Grabungen haben seitdem eine Fülle spektakulärer Fossilien erbracht: urtümliche Fische, Meeresschildkröten, Krokodile, Riesenschildkröten, ja sogar Fbamberglugsaurier.

Die Tiere lebten in der oberen Jura-Zeit vor rund 150 Millionen Jahren in einem tropischen Flachmeer, das damals weite Teile Mitteleuropas bedeckte. Vor zwei Jahren ging dem Team um Museumsleiter Matthias Mäuser erneut ein besonderer Fund ins Netz: ein großer, wohlerhaltener Schlangensaurier, der nun im Naturkunde-Museum ausgestellt ist.

Brückenechsen (fast) ausgestorben

Schlangensaurier gehören zur Ordnung der sogenannten Brückenechsen. Diese Tiere unterscheiden sich von anderen Reptilien unter anderem durch eine bestimmte Knochenspange - eine Brücke - im Knochenaufbau des Schädels. Die Blütezeit der Brückenechsen lag in der erdgeschichtlichen Periode des Jura.

Heute gibt es nur noch eine einzige Spezies, die Tuataras, die auf einigen Inseln vor Neuseeland leben. Von den Leguan-ähnlichen Tuataras unterschieden sich die Schlangensaurier deutlich im Erscheinungsbild. Sie hatten einen ungewöhnlich langgestreckten Körperbau, vor allem der Schwanz war extrem lang. Die Gliedmaßen hingegen waren klein, wirken fast verkümmert.

Der Grund für diesen schlangenhaften Körper ist durch den Lebensraum bedingt, in dem sich diese Tiere bewegten: Schlangensaurier lebten im Wasser, wo ihnen der stromlinienförmige Körperbau beim schnellen Schwimmen sehr zustatten kam. Der lange Schwanz war vertikal abgeplattet, ähnlich einer überlangen Flosse, und sorgte durch wellenförmige Bewegungen für einen kräftigen Vortrieb.

Große Rarität

Funde von Schlangensauriern, die man wissenschaftlich als Pleurosaurier bezeichnet, sind große Raritäten in Jura-Schichten, beispielsweise in den vergleichbaren Jura-Plattenkalken von Solnhofen und Eichstätt, die ja seit über 200 Jahren in großem Stil abgebaut werden. Doch die erst seit knapp 20 Jahren bekannten Wattendorfer Plattenkalke gaben bislang schon drei komplette Exemplare und mehrere Fragmente frei.

Das jetzt ausgestellte Fossil gehört mit 1,42 Metern Länge zu den größten seiner Art. Das freut auch den Geologen Albert Lenze, der als ehrenamtlicher Grabungsmitarbeiter im Juni 2017 auf das kostbare Fossil gestoßen war. Nach aufwendiger Bergung und rund 250 Stunden diffiziler Präparationsarbeit präsentiert sich das urzeitliche Tier nun in voller Pracht in der Ausstellung "Frankenland am Jurastrand" des Museums in der Fleischstraße. Das Museum ist von Dienstag bis Sonntag jeweils von 9 bis 17 Uhr geöffnet.

Kein Zugang zum Steinbruch

Beim Betrachten dieses faszinierenden Objekts mag sich mancher Besucher wünschen, selbst auf ein solches Urzeitzeugnis zu stoßen. Doch das muss - zumindest bezogen auf die Wattendorfer Fundstelle - ein Wusch bleiben, denn das Betreten des in regem industriellen Abbau stehende Steinbruch ist Unbefugten streng verboten. Aber vielleicht trösten die beeindruckenden Fossilien in der Ausstellung über dieses Manko hinweg.

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