Ist der Ebracher Forst im Nordsteigerwald außergewöhnlich und schützenswert? Um diese Frage streiten sich Umweltverbände und der Forstbetrieb Ebrach der Bayerischen Staatsforsten seit über zehn Jahren. Nun ist der Kampf um die Bäume nach vier Jahren Kettensägenstillstand wieder hochgekocht. Dem Fällen von etwa 100 teils über 100 Jahre alten Buchen folgte ein Protest von Umweltverbänden. Die Staatsforsten erklärten daraufhin, in diesem Winter nicht mehr zu fällen und ein neues Konzept vorzustellen. Nun beschweren sich Mitarbeiter des Forstbetriebs Ebrach in einem offenen Brief über Wünsche und Wortwahl der Naturschützer.

Es sei "völlig unverständlich", dass bereits ab einem Durchmesser von 60 Zentimetern eine Einstellung der Nutzung gefordert werde, steht darin. Denn Bäume ab 80 Zentimetern Durchmesser, sogenannte Methusalems, sind bereits geschützt. Zudem seien die Forstarbeiter mit "Misstrauen und Verdächtigungen" bis hin zu "Drohanrufen" konfrontiert, obwohl sie ihre Arbeit stets zum Wohle des Waldes ausführten. Auf Nachfrage erklärt Forstbetriebsleiter Ulrich Mergner, der Brief sei vom Personalrat verfasst und mit 53 Namen von nahezu allen Mitarbeitern unterzeichnet worden. "Wir bedauern vor allem, dass vom Bund Naturschutz verbal so geholzt wird", scherzt Mergner, der selbst Mitglied bei der Umweltorganisation ist und nach eigener Aussage "von ganzem Herzen Naturschützer".

Auf die Frage, warum ausgerechnet auf den 775 Hektar des ehemals geschützten Hohen Buchenen Waldes gefällt wurde, der nur etwa fünf Prozent der vom Forstbetrieb bewirtschafteten Fläche ausmacht, antwortet Mergner: "Hier steht das Holz, das unsere Kunden wollen." Also Buchen ab etwa 60 Zentimetern Durchmesser. Die Kunden, das sind vor allem große Sägewerke wie Gunreben aus Bamberg und Reitz in Wonfurt. Geschäftsführer Philip Reitz sprach kürzlich von einer "Existenzbedrohung" durch den Fällstopp für diesen Winter.

Badum spricht von Erfolg

Lisa Badum wertet den Stopp ihrerseits als Erfolg - "auch wenn es traurig ist, dass es dafür eine Protestaktion braucht", fügt die Bundestagsabgeordnete der Grünen aus dem Wahlkreis Bamberg-Forchheim hinzu. Ein längerfristiger Schutz ohne Nutzung sei der nächste Schritt auf dem Weg zum Ziel eines Nationalparks Nordsteigerwald. "Wir dürfen jetzt nicht nachlassen." Badum hatte sich am Wochenende an den Protesten beteiligt - verbunden mit der Drohung, sich notfalls an Bäume zu ketten.

Sie hält das Gebiet für besonders schützenswert. Ebenso wie Umweltverbände und eine Studie aus dem Jahr 2006, die alles ins Rollen brachte, weil sie den nördlichen Steigerwald als "welterbewürdig" einstufte. Und zudem als wertvollstes Laubwaldgebiet in Bayern. Badum könne deshalb nicht verstehen, warum die Sägewerke aus der Region auf die vergleichsweise kleine Fläche angewiesen sein sollen, wenn sie ihr Holz aus bis zu 200 Kilometern Umkreis beziehen können. "Das ist kein Wald der Betriebe, sondern der Wald von uns allen", sagt die Abgeordnete im Hinblick auf den Staatswald, in dem 7600 Altbuchen mit 60 Zentimetern Durchmesser und mehr stehen. "Diese Bäume brauchen Hunderte von Jahren, um so groß zu werden", sagt Badum. Buchen sind die größten CO2-Speicher, zudem Lebensraum für viele Arten. "Das hat so viel mehr Nutzen als ein Möbelstück. Für mich ist die Rechnung ganz klar."

Martin Bücker, Vorsitzender der Ortsgruppe Bamberg im Bund Naturschutz, spricht von einem "Erbe der Menschheit, das wir für unsere Nachfahren erhalten und nicht für ein paar Zehntausend Euro verscherbeln sollten". Wie auch Badum vermutet Bücker, dass es sich bei den kürzlichen Fällungen um eine List der Staatsforsten handle. "Um den Wald zu entwerten", wie Bücker sagt. Denn beim Bezirk Oberfranken liegt noch ein Antrag auf die Ausweisungen des Forstes als Naturschutzgebiet vor, der bisher unbearbeitet ist.

Drohanrufe bei Forstmitarbeitern seien Bücker nicht bekannt. "Das täte mir auch leid, wir sind immer um einen Dialog bemüht." Dem stimmt auch Badum zu. Beide halten Wirtschaftswälder für wichtig und sind auch voll des Lobes über das von Forstbetriebsleiter Mergner entwickelte sogenannte Trittsteinkonzept, das eine schonende Nutzung vorsieht. "Aber eben für Nutzwälder, nicht für solch seltene", meint Badum.

Mergner will hingegen "kein segregatives, sondern ein integratives Konzept", das Nutzung und Schutz in Einklang bringe. Und das werde bereits praktiziert. Das Bundesumweltministerium forderte kürzlich eine Schutzquote von zehn Prozent der öffentlichen Wälder. "1200 Hektar sind im Steigerwald aus der Nutzung genommen, etwa sieben Prozent", sagt Mergner. Zudem gibt es ein Biotopprogramm auf der gesamten Fläche, wodurch etwa acht Biotopbäume pro Hektar belassen und Totholz liegen gelassen wird. "Damit sind wir weit über den zehn Prozent", meint Mergner. Von 1,5 Prozent spricht hingegen Badum. "Und es gibt kein Schützen durch Nützen", sagt sie. "Die Wälder können sich selbst schützen." Mergner meint hingegen, der Ebracher Forst sei nicht außergewöhnlich. "Dialog ja, aber nicht auf dieser Grundlage", sagt Badum. Und auch Mergner.