Bamberg
Adventskalender

Statuen auf Wanderschaft

Die Sphingen im Hain standen einst am Badehaus "Salubritati". Die Bamberger nannte es despektierlich "Sauluderbadi". Nina Schipkowski weiß, warum.
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Diese Sphinx ist gewandert, weiß Nina Schipkowski. Foto: Mike Durlacher
Diese Sphinx ist gewandert, weiß Nina Schipkowski. Foto: Mike Durlacher

Von Mike Durlacher

Ähnlich ihrer großen Schwester in Gizeh bewachen diese beiden Sphingen etwas: Die Löwen mit den Frauenköpfen stehen gleich in zweifacher Ausführung links und rechts der Bühne des Musikpavillons im Bamberger Hain. Heute bewachen sie einen Hort der Kultur, früher bewachten und überwachten sie die Sittsamkeit.

"Die aus Sandstein gefertigten Statuen der Fabelwesen standen nämlich nicht immer hier", weiß die Wahl-Bambergerin Nina Schipkowski, "denn sie stammen eigentlich vom Sauluderbadi." Mit Sauluderbadi ist das ehemalige Badehaus "Salubritati" gemeint, das seit 1815 im Hain stand.

Um die Sittlichkeit besorgt

Den verballhornten Namen erhielt es, weil sich dort am Fluss trotz der strengen Vorschriften auch viele Damen zum Baden einfanden, was den um die Sittlichkeit besorgten Herren nicht sonderlich gefiel. An der Stelle des Salubritati hatte es seit 1786 ein Wannenbad in einer Holzbaracke gegeben, zusammen mit einem kleinen Ausschank. Der Pächter des Bades, Kaffeesieder Michael Preller - er betrieb das Bad seit 1812 -, stellte 1814 einen Antrag auf einen Neubau und legte entsprechende Pläne vor.

Landbau-Inspektor Ferdinand Freiherr von Hohenhausen mischte sich aber ein und setzte seinen Willen schlussendlich durch: Von Hohenhausen war ein starker Verfechter der sogenannten Revolutionsarchitektur, einer Strömung innerhalb des Klassizismus. Im Gegensatz zu diesem, der sich durch wuchtige Säulen, Dreiecksgiebel und Rundbogen auszeichnet, ist die Revolutionsarchitektur klarer in ihren geraden Linien, weniger Schmuck, Sachlichkeit und monumentale Wirkung betont. "Damit konnten die Bamberger damals nichts anfangen, es gefiel ihnen nicht", erzählt Nina Schipkowski, die eine Festschrift über die Bamberger Badeanstalten mit herausgegeben hat. "Hier konnte man im Fluss baden, aber auch in Wannen innerhalb des neuen Gebäudes."

Mit "Schwitzlokal"

In der Mitte befand sich ein Durchgang, durch den man zum Fluss gelangte, in den Seitenräumen waren die Wannenbäder untergebracht. Links der Vorhalle gab es ein "Schwitzlokal", vergleichbar mit einem Dampfbad oder einer Sauna, und rechts war ein "Erquickungslokal" untergebracht, in dem man Getränke erhielt. Das Wannenbaden muss allerdings nicht wirklich Spaß gemacht haben, denn als sich der Bibliothekar Joachim Jack 1816 im "Wöchentlichen Unterhaltungsblatt Kulmbach" zu dem Gebäude äußert, fällt sein Urteil vernichtend aus: "Denken Sie sich eine kolossale Masse von Säulen, Sphinxen, Kapitälern, Gesimsen, Bogen, Treppen, alle in einem Erdgeschoss zusammengepresst, dazwischen vier finstere Kammerlein, die, wenn man hineintritt, ein Erkaltungsfieber zufuhren können [...]."

Über dem Eingang des Bauwerks stand in großen Lettern SALUBRITATI, was lateinisch "dem Wohlsein gewidmet" bedeutet. Auch Joseph Heller, der Autor des Taschenbuchs "Bamberg: eine topographische, statistische, ethnographische und historische Beschreibung der Stadt und ihrer Umgebung" von 1831, findet deutliche Worte über das Bad: "Das im Walde liegende Wirthschaftsgebäude wird stark besucht; das später erbaute, verunglückte Badhaus aber nicht sehr, weil diese Steinmasse ihrer Inschrift wohl schwerlich entsprechen dürfte."

Dennoch überlebte das Gebäude bis März 1914. "Die Bamberger bevorzugten einfach den Fluss zum Baden, weniger die Wannenbäder", erklärt Nina Schipkowski. 1912 beantragte der Regatta-Verein, anstelle des Salubritati ein Bootshaus errichten zu dürfen. Dem wurde 1914 schließlich stattgegeben, unter folgender Auflage: "Hinsichtlich des Salubritatihauses wird von der Commission der einstimmige Wunsch geäußert, es möge das fragliche Gebäude wegen seines historischen Wertes erhalten und nach Abbruch an einer anderen Stelle im Haine aufgebaut werden." Und genau dieser Forderung ist der Regatta-Verein nachgekommen.

Auf eigene Kosten errichteten seine Mitglieder einen neuen Musikpavillon und ersetzten den vorherigen Holzbau durch den noch heute zu sehenden auf der Festwiese im Hain. "Im obersten Stock gab es sogar eine Wohnung", erklärt Nina Schipkowski.

Auch ein "Closett mit Wasserspülung", elektrisches Licht und ein Kamin wurden eingebaut. Die Wohnung nutzten meist Gärtner, die im Hain arbeiteten und somit einen hinsichtlich der Kürze kaum zu unterbietenden Arbeitsweg hatten. Nach dem Zweiten Weltkrieg brachte die Stadt eine Flüchtlingsfamilie in dem Pavillon unter.

Musik erklingt immer noch

Vom Salubritati verwendete man unter anderem den Dreiecksgiebel und eben auch die beiden Sphingen wieder. Unweit des ursprünglichen Standortes der Sphingen, dem früheren Badehaus namens Salubritati, erklingt heute im Hainbad immer noch das Lachen spielender Kinder und ihr Planschen im Wasser.

Dort, wo die Statuen heute stehen, hört man Musik, sei es von der Bühne bei einem Konzert oder aus den Mobiltelefonen der Jugendlichen, die oft auf der Wiese beim Musikpavillon entspannen. Die wenigsten wissen dabei, dass die Sphingen, genauso wie erhebliche Teile des Musikpavillons, früher einmal an anderer Stelle standen.

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