Altendorf
Gemeinderat

Statt Baggern graben in Altendorf die Archäologen

Wegen spektakulärer Ausgrabungsfunde liegen die Pläne für ein neues Altendorfer Gewerbegebiet vorerst auf Eis.
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Dort, wo die Gemeinde Altendorf ein neues Gewerbegebiet ausweisen möchte, sind Archäologen auf eine alte Siedlung gestoßen. Foto: Andrea Spörlein
Dort, wo die Gemeinde Altendorf ein neues Gewerbegebiet ausweisen möchte, sind Archäologen auf eine alte Siedlung gestoßen. Foto: Andrea Spörlein
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Um die archäologischen Grabungen im geplanten Bebauungsgebiet "Königsfelder" ging es in der jüngsten Sitzung des Altendorfer Gemeinderats. Bürgermeister Karl-Heinz Wagner (CSU) erinnerte daran, dass die Gemeinde "ohne große Werbung" ein vier Hektar großes neues Industriegebiet ausgewiesen habe. Einige Gewerbetreibende und ein großer Industriebetrieb hätten bereits Interesse an einer möglichen Ansiedlung bekundet.

"Die verkehrstechnisch günstige Lage an der Entwicklungsachse Bamberg-Nürnberg erweist sich immer wieder als wichtiger Standortfaktor für potenzielle Investoren", sagte der Bürgermeister. Hinzu komme, dass sich die Gemeinde alle Grundstücke in diesem Gebiet bereits vor längerer Zeit sichern konnte.

Klare gesetzliche Vorgaben

Er sei beauftragt worden, mit den Vertretern des Landesamts für Denkmalpflege und dem beauftragten Grabungsbüro Abstimmungsgespräche über das mögliche weitere Verfahren zu führen, so Karl-Heinz Wagner.

Im Gremium wurde ausführlich über die Notwendigkeit der Grabung und die Relevanz der Funde diskutiert. Nach dem Bayerischen Denkmalschutzgesetz von 1973 gibt es klare Vorgaben und Regularien, die erfüllt werden müssen, bevor mit der Bebauung begonnen werden kann. Offen ist, ob das gesamte Bebauungsgebiet unbebaut bleiben muss oder ob nur Teilflächen archäologisch untersucht und dann anschließend zur Bebauung freigegeben werden können.

Gab es eine dauerhafte Besiedlung?

Die zwingend notwendigen archäologischen Grabungen auf diesem Areal gestalten sich zusehends interessanter und werden die Bebauung zeitlich weiter nach hinten schieben. Bei einem Vororttermin zeigte sich Grabungsleiter Michael Jaschek beeindruckt von der Fülle der Funde, die zusammen mit der Größe der Fläche für das Archäologenteam eine nicht alltägliche Herausforderung seien.

Die Archäologen gehen von einer dauerhaften Besiedelung aus. Aufgrund der zahlreichen Keramikfunde kommt neben einer keltischen auch eine römisch-germanische Niederlassung infrage. Die Arbeiter sind auf Reste von "Produktionsstätten" und "Brandstätten" gestoßen. Die Reib- oder Mahlsteine, ein Messerfragment und ein noch funktionierender Schleifstein lassen eine intensive Besiedelung vermuten.

Im südöstlichen Teil des Gebiets wurde neben mehreren Gruben mit zahlreichen keramischen Gefäßscherben der ausgehenden Bronzezeit (1300 bis 800 vor Christus) auch ein von Norden nach Süden verlaufendes Grabenwerk, möglicherweise aus derselben Zeit, entdeckt und teilweise ausgegraben.

Mehrere Grubenkomplexe

Im Osten, unmittelbar am Verlauf der Autobahn 73, wurden mehrere dicht nebeneinander liegende Grubenkomplexe nachgewiesen, die sich aus vergangenen Pfostenbauten und mit Siedlungsabfällen verfüllten Eintiefungen zusammensetzten. Die keramischen Funde weisen dabei auf aufgegebene Bauten des Frühmittelalters hin.

Andreas Büttner, Referatsleiter beim Landesamt für Denkmalpflege in Schloss Seehof, sprach von "kleinen Mosaiksteinen für die Geschichte", die hier ans Licht kommen. Man könne "ein kleines Fenster in die Vergangenheit aufmachen". Gleichzeitig zeigte er Verständnis für das Anliegen der Gemeinde Altendorf, neue Baugebiete ausweisen zu wollen.

Es wird vermutlich eine komplette Sondierung der Fläche notwendig sein und damit das Abgraben des Areals bis auf eine Tiefe von 1,40 bis 1,50 Meter. Der Abraum muss zwischengelagert und nach der Grabung das Gebiet wieder aufgefüllt werden. Die Kosten belaufen sich zwischen 800 000 Euro und etwa einer Million Euro. Über die Dauer der Grabung konnte noch keine verlässliche Prognose gemacht werden.

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